Über die Verkehrswende diskutierten Andrea Oppacher-Friedrich, Armin Schulz und Dr. Marcel Weloe. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – „Mobilität neu denken“ war der Titel eines Impulsvortrags von Stadtplaner a.D. Armin Schulz von „Mainz Zero“ mit anschließender Diskussion anlässlich eines Workshops „Verkehrswende für Bretzenheim“ der Nachhaltigkeitsinitiative beim Verein „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ (ZMO). Rund 50 Interessierte hörten sich zunächst die Ausführungen an und brachten sich dann selbst im Workshop ein.

„Wir wollen uns nicht politisch positionieren, aber wir wollen uns des Themas annehmen“, sagte Andrea Oppacher-Friedrich, Sprecherin der Nachhaltigkeitsinitiative. „Es geht um die Bretzenheimer Situation und um die Verkehrswende.“ Dr. Marcel Weloe, Vorstand der BUND-Kreisgruppe, warb dafür, vom Auto auf den ÖPNV oder auf das Rad umzusteigen. „Wir müssen unsere Treibhausemissionen in den Griff kriegen, dabei spielt der Verkehr ein wesentliche Rolle.“ Wichtig sei auch, das Stadtklima zu verbessern, so Oppacher-Friedrich. Im Sommer sei es auf versiegelten Flächen in der City siedend heiß gewesen, bis zu 47 Grad Celsius Höchsttemperatur seien gemessen worden.

Armin Schulz ging auf die Bretzenheimer Besonderheiten ein. Schmale Straßen prägen das ehemals fränkische Straßendorf. Das Problem in Bretzenheim sei mehr der ruhende als der fließende Verkehr. Viele Gehwege hätten nicht die Mindestbreite, es gebe keine Barrierefreiheit. Als Beispiel nannte er die Bahnstraße, die derzeit keinen Platz zum Verweilen biete. Der Gehweg habe wegen der Poller nur 1,20 bis 1,35 Meter Breite und sollte auf 2,75 Meter Breite ausgeweitet werden mithilfe einer Einbahnstraßenregelung. Hier widersprach Ortsvorsteherin Claudia Siebner (CDU): Es handele sich in der Bahnstraße nicht um eine Straße mit Gehweg, sondern um einen verkehrsberuhigten Bereich mit 7-Stundenkilometer-Zone. Die Fakten müssten beachtet werden. Schulz führte weiter aus, dass durch schmale Gehwege die Wohnqualität sinke und die Identifikation mit dem Stadtteil erschwert werde.

Der anschließende Workshop brachte folgende Ideensammlung: Ein Mobilitätskonzept sollte entwickelt werden, welches allen Verkehrsarten gerecht wird. Der ruhende Verkehr soll eingedämmt, Grünachsen sollten entwickelt werden. Der ÖPNV sollte durch einen Rufbusbetrieb ergänzt werden. Wohnungsnahe Car-Sharing-Stationen sollten eingerichtet werden und das Abstellen von Fahrrädern auch im engen Ortskern ermöglicht werden. Die Nachhaltigkeitsinitiative will zunächst alle Ideen dokumentieren, dann Handlungsansätze entwickeln und diese schließlich in die Zukunftsplanung einbringen.

 

Autor: Oliver Gehrig

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Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.