Über das Thema Klimaschutz sprach Ortsvorsteherin Claudia Siebner zum Auftakt der „Bretzenheimer Gespräche“ mit Hans-Georg Frischkorn. Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – „Hitze, Unwetter, Naturkatastrophen, große Schäden, kleine Ressourcen: Was müssen wir vor Ort tun?“: Darüber diskutierte die Bretzenheimer Ortsvorsteherin Claudia Siebner (CDU) jetzt zur Eröffnung der Reihe „Bretzenheimer Gespräche“ bei der Lebenshilfe mit Hans-Georg Frischkorn, dem  Gründer der Klimainitiative „Mainz Zero“. Diese hatte im Juni 2021 eine Liste mit 13.352 Unterschriften an die Stadtspitze für ein Bürgerbegehren zum Klimaentscheid übergeben. Die Forderung: Die Stadt sollte bis Ende 2021 einen konkreten Klima-Aktionsplan erstellen, um bis 2030 klimaneutral zu werden. „Auch wenn es rechtlich nicht zum Bürgerbegehren kam, hat der Stadtrat aber die wesentlichen Punkte in einem Antrag übernommen“, informierte Frischkorn zu Beginn. Bereits 2019 war der Klimanotstand ausgerufen worden. „Das ist eine wunderbare Absichtserklärung, aber von der Absicht bis zum konkreten Handeln ist es leider ein sehr weiter Weg“, kritisierte Frischkorn. Die meisten Punkte seien auch nach drei Jahren noch unbearbeitet, trotz eines breiten politischen Konsens. „Es tut umso mehr weh, dass so wenig umgesetzt wird“, kritisierte der Klimaschützer. Begrünte Bushaltestellen als „bezuschusste Beschäftigungsmaßnahmen der Stadt“ seien nicht ausreichend. „Das verkennt den Ernst der Lage.“ Das Ziel müsse sein, die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Es werde zu wenig getan. „Derzeit laufen wir eher auf 3 Grad zu.“

„Ist Mainz noch zu retten?“, fragte Claudia Siebner den Experten. Der Sommer habe gezeigt, dass sich das Klima schon geändert hat. Zu befürchten sei ein tendenzieller Wegzug der Bevölkerung aus Mainz in nördlichere Gefilde. „Wir dürfen nicht resignieren“, sagte Frischkorn. „Ich fühle eine Verpflichtung, etwas zu tun. Wir brauchen den Geist des Zusammenhalts, des Vernetzens und der Kooperation.“ Das Thema Klimaschutz brauche mehr Präsenz in der Öffentlichkeit, mehr Information, Transparenz und konkretes Handeln. „Ist der Klimaschutz im neuen Haushaltsentwurf ausreichend verankert?“, so eine weitere Frage von Siebner. „Nicht wirklich, fünf Millionen Euro im Haushalt sind ein Tropfen auf dem heißen Stein“, antwortete der Experte. Er nannte einige Beispiele: Mainz habe drei Klimaschutzmanager, die Kleinstadt Tübingen habe neun. Die Stadt Mainz wolle ihre Gebäude 2035 klimaneutral haben, tue aber nichts. „Die Parteien tun sich schwer, aus den eingefahrenen Strukturen auszubrechen.“ Der geplante neue biotechnologische Standort am Europakreisel sei unverantwortlich. Dafür würden weitere sieben Prozent der Kaltluftschneise geopfert. Insgesamt seien es seit dem Bau der Mewa Arena dann schon 28 Prozent, die wegfallen. „Das ist ein erheblicher Rückgang“, kritisierte Frischkorn. Beim Konsum von Lebensmitteln sprach sich der Experte für ein Umsteigen vom klimaschädlich produzierten Rindfleisch auf Fisch oder Hühnerfleisch aus. Auch hier informiere die Stadt zu wenig.

In der anschließenden Fragerunde bestätigten die Zuhörerinnen und Zuhörer diese Aussagen. Es müsse mehr Aufklärung betrieben werden, damit die Bevölkerung für das Thema Klimaschutz sensibilisiert wird, so der Tenor der Runde. Die Reihe der „Bretzenheimer Gespräche“ soll quartalsweise fortgesetzt werden.

 

Autor: Oliver Gehrig

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Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.