Entsteht in Bretzenheim ein neues Gewerbegebiet? Foto: Oliver Gehrig

BRETZENHEIM – Entsteht ein neues Bretzenheimer Gewerbegebiet mitten im Kaltluftentstehungsgebiet? Das befürchtet der Ortsbeirat, der bereits in seiner Novembersitzung in einem einstimmig verabschiedeten SPD-Antrag eine weitere Bebauung nördlich der Essenheimer Straße in Flur 12 abgelehnt hatte (wir berichteten). Nun diskutierte das Gremium in seiner jüngsten Videositzung darüber mit Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) sowie mit Martina Martin, Prokuristin der zuständigen städtischen Grundstücksverwaltungsgesellschaft (GVG), und erneute seine Bedenken.

„Es ist kein Geheimnis, dass wir in Mainz dringend neue Gewerbeflächen benötigen“, erläuterte Manuela Matz den Hintergrund. Schätzungen gingen von fünf bis sechs Hektar Fläche pro Jahr aus. Daher sei 2019 eine AG in der Verwaltung gegründet worden, um herauszufinden, wo neue Flächen denkbar seien, auch in Bretzenheim. Grundvoraussetzung sei die Bereitschaft der Landwirte, Flächen zu veräußern. Entsprechend seien von der GVG erste Gespräche geführt worden. „Es handelt sich um ein sehr frühes Stadium der Planungen. Es sind noch keine Käufe getätigt worden, es wurde lediglich abgeprüft, ob es eine Verkaufsbereitschaft gibt“, versicherte Matz. Gesucht werde ein kleinteiliges Gebiet für Handwerker, kleine und mittelständische Unternehmen. Es handele sich um ein sehr langwieriges und kostenintensives Verfahren, ergänzte Martina Martin. „Wir müssen früh anfangen.“

Der Ortsbeirat erneuerte seine erheblichen Einwände. Eva Müller-Shah (SPD) erinnerte an das Kaltluftentstehungsgebiet. „Sind diese Gutachten hinfällig?“, fragte sie. Es gebe weitere Flächen in Gonsenheim, Finthen und Drais, ergänzte Dr. Peter Schenk (ÖDP). „Bretzenheim ist die Fläche mit dem sensibelsten Luftstrom.“ Es handele sich um eine Planung jenseits der rechtlichen Möglichkeiten, sagte Uwe Marschalek (FDP). „Seit dem Bau des Stadions ist doch klar, wie die Kaltluftströme fließen.“ Fabian Ehmann (Grüne) fragte nach der Größenordnung eines solchen Gewerbegebietes. Und Michael Wiegert (SPD) erinnerte an den Schleifweg, der längst noch nicht komplett bebaut sei. „Zwischen Lidl und Mercedes gibt es noch einige freie Tausend Quadratmeter.“

Am Schleifweg komme man nicht weiter, da die Privateigentümer dort sehr hohe Preisvorstellungen hätten, antwortete Manuela Matz. Beim ins Auge gefassten neuen Gebiet handele es sich um einen Bereich sehr nahe an der Autobahn, nicht am Stadion. Das Gebiet sei kleiner als fünf Hektar mit 500 bis 1000 Quadratmeter großen Grundstücken. „Grün- und Umweltamt sind bei den Überlegungen dabei, es wurden keine großen Hindernisse gesehen“, sagte Matz. „Es sind aber entsprechende Gutachten notwendig.“ Es gebe Möglichkeiten, das Stadion sei bekanntlich tiefer gelegt worden, ergänzte Martin.

Bretzenheim habe nun 20.000 Einwohner, bilanzierte Ortsvorsteherin Claudia Siebner (CDU). „Es ist ein schwieriger Prozess, Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig etwas für kleine und mittelständische Betriebe anzubieten.“ Beim weiteren Vorgehen sei weiter ein enger Austausch zwischen Ortsbeirat und Verwaltung notwendig.

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Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.