Keltische Handwerkskunst gefunden in Klein-Winternheim. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

KLEIN-WINTERNHEIM – In der Forschung zu keltischen Spuren in Europa gesellt sich künftig der Ortsname Klein-Winternheim hinzu. „Zum ersten Mal in Rheinhessen ist eine vollständige Siedlung analoger Größe und Zeitstellung entdeckt worden“, teilte Günter Brücken von der Direktion Landesarchäologie Mainz bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz mit. Im Rathaus der Gemeinde präsentierte sein Team mehrere spektakuläre Funde aus der rheinhessischen Gemeinde: Drei offene, massiv gegossene Armringe, vier offene Armringe aus dickem Bronzeblech getrieben, sowie vier paarweise ineinandersteckende sogenannte Tonnenarmbänder. Die letztgenannte Schmuckgattung sei bisher in Rheinhessen überhaupt noch nicht gefunden worden. „Sie ist ein eher süddeutsch/schweizerischer Fundtyp der frühen Hallstattzeit.“ Die Zeitepoche reicht von 800 bis 450 Jahre vor Christi Geburt. „Alle elf Stücke besitzen flächendeckend kunstvolle Ornamente aus Riefenzier.“ Auch dies sei ein bislang in Rheinhessen einzigartiger Fund.

Die Entdeckungen in Klein-Winternheim verdanke man der Planung für ein neues Gewerbegebiet, dessen Übergabe auf diese Weise in Verzögerung geriet. „2019 hat die geomagnetische Voruntersuchung des Areals überraschend hunderte Anomalien gezeigt, die nach Vergleichen als Siedlungsgruben gedeutet werden konnten“, erläuterte Brücken. Die Aufnahmen deuteten zudem auf Grabenstrukturen hin.

Großes Medieninteresse bei der Präsentation der Funde aus Klein-Winternheim.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Die Größe der einstigen Ansiedlung umfasst etwa sieben Hektar und ist mit der Größe des alten Ortskerns der Gemeinde vergleichbar.

Die Ausgrabungen durch die Mainzer Außenstelle der Landesarchäologie, die sich bis vor Kurzem über 14 Monate hingezogen hatten, bestätigten die Beobachtung. „Neben zahlreichen Siedlungsgruben der Jungsteinzeit, der Rössener und Michelsberger Kultur, und neuzeitlichen Befunden fand sich eine bis dato unbekannte befestigte Höhensiedlung der Hallstattzeit.“ Die spektakulären Schmuckartefakte seien gleich zu Grabungsbeginn – an einem kalten Januartag (Brücken) – ans Licht gekommen. „Am äußeren Rand des Umfassungsgrabens war ein eisenzeitlicher Hortfund von bronzenem Frauenschmuck niedergelegt.“

Die Ausmaße der Entdeckung lassen die Vermutung zu, dass das keltische Dorf eine hervorgehobene Stellung gehabt haben dürfte. „Die erst begonnene Restaurierung und wissenschaftliche Bearbeitung des Hortes und die angedachte Vervollständigung des Geomagnetikbefundes sowie weitere Grabungen versprechen noch überaus spannende Erkenntnisse in den nächsten Jahren.“ Zumal Luftbildern haben weitere Grabhügel und Grabgärten erkannt Den Vergleich mit dem spektakulären Fund eines Fürstengrabes aus dem Glauberg in Hessen schloss er nicht aus.

 

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.