Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit UNESCO-Generaldirektorin Audrey Azoulay in der Neuen Mainzer Synagoge. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

MAINZ – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Feier zur Aufnahme der SchUM-Stätten  in die Liste der Welterbestätten beigewohnt. Gemeinsam mit rheinland-pfälzischer Ministerpräsidentin Malu Dreyer nahm der Bundespräsident von UNESCO-Generaldirektorin Audrey Azoulay die wertvolle Urkunde entgegen. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen hat die SchUM-Stätten in Mainz, Worms und Speyer bereits am 27. Juli 2021 zum Weltkulturerbe erklärt.

Allein die Pandemie verhinderte eine frühere feierliche Übergabe. In seiner Rede in der Neuen Mainzer Synagoge in Mainz bezeichnete der Bundespräsident die Rückkehr des jüdischen Lebens nach Deutschland nach der Shoah als ein wunderbares Geschenk. In der Geschichte des Nebeneinanders des jüdischen und christlichen Lebens in den drei Kathedralstädten habe sich gezeigt, „wie nah Licht und Schatten aneinanderliegen“. Steinmeier erinnerte an die bleibenden kulturellen Einflüsse des mittelalterlichen Judentums und wies zugleich auf die Verfolgungen und Pogrome, die die Menschen jüdischen Glaubens erleiden mussten. „Antisemitismus ist nicht hinnehmbar“, sagte Steinmeier und konstatierte: „Unsere Verantwortung kennt keinen Schlussstrich.“

UNESCO-Generaldirektorin Audrey Azoulay bezeichnete das nun geschützten rheinland-pfälzische Stätten als die „Wiege des philosophischen und kulturellen Erbes“. Es habe „Einfluss auf den Baustil der Synagogen, die Regeln des Gemeinschaftslebens, die Exegese der religiösen Texte“ gehabt. „Die Aufnahme in die Liste der Weltkulturerbestätten hat eine juristische Folge, die deren Schutz sichert.“

Ministerpräsidentin Malu Dreyer dankte Azoulay für die Anreise aus Paris, mit der die Generaldirektorin die herausragende Bedeutung unterstrichen habe, die die SchUM-Stätten als „erste deutsche Welterbestätte zum jüdischen Erbe und als 50. Welterbestätte in Deutschland haben“.

Anna Kischner Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen verwies auf das Fortbestehen der einstigen aschkenasischen Tradition der SchUM-Gemeinden in der Gegenwart. „Wir fühlen uns ihr verpflichtet.“ Auch wenn die meisten der Mitglieder aus Osteuropa stammen, sagte Kischner, die selbst aus Moldawien nach Deutschland kam.

SchUM ist eine Abkürzung aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen hebräischen Städtenamen Schpira (Speyer), Warmaisa (Worms) und Magenza (Mainz). Deren religiöse Gemeinden bildeten im 12. Jahrhundert einen Verbund, der großen Einfluss auf das jüdische Leben der Zeit hatte. Zu den historischen Relikten, die das UNESCO-Welterbe sichtbar macht, gehört in Mainz der Jüdische Friedhof in der Mombacher Straße.

 

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.