Illuminierter Burggarten als beeindruckende Kulisse der Ausstellung. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

INGELHEIM – Wer zum Weihnachtmarkt in Ober-Ingelheim am 2. Adventswochenende spazierte, schlenderte am Eingang zum Haus Burggarten vorbei. Und wer seine Schritte in den Innenhof lenkte, sah mit dem Einbruch der Dunkelheit bewegte und bewegende Bilder, die ein Filmprojektor auf die Steine der Wehrmauer warf: Bilder aus der Metro-Station in Charkiw.

Wenn sich dem Betrachter nach einigen Sekunden der Rezeption das Herz verkrampfte, sollte er sich nicht wundern. Dies wäre nur eine menschliche Reaktion beim Anblick der Kinder, die ihre nicht im Kunstunterricht, sondern unter der Erde gefertigten Bilder in die Kamera hielten und dabei von ihren Träumen erzählten: Was sie gerade vermissen und dass der Krieg endlich zu Ende gehen möge, und was sie danach alles noch tun würden.

Ihre Bilder, die das gleiche Begehren in Farben ausdrückten, zeigte der Verein Haus Burggarten in einer Schau unter freiem Himmel im historischen Garten. Die Bilderausstellung „Hallo, ich heiße Mila“ verlieh durch ihre zeitliche Unmittelbarkeit, da sie erst vor wenigen Monaten gemalt worden waren, dem Weihnachtsmarktbesuch eine real-nachdenkliche Note.

„Die Begeisterung ist ganz einheitlich da“, fasste Helmut Bien von der für die Idee und Konzeption verantwortlichen Gruppe „Westermann Kulturprojekte“ am letzten Tag der Zurschaustellung die Eindrücke zusammen, die er von den Besuchern gewonnen hatte. „Kinder, Familien sowie ältere Menschen fanden es toll, dass wir der Öffentlichkeit den Burggarten mit der Lichtinstallation zusammen mit der fantastischen Ausstellung präsentierten.“

Welche Folgen aus der „großartigen Initiative des Hauses Burggarten, sich zu öffnen und aktuelle Themen in den Fokus zu rücken, erwachsen werden“, sei im Moment nicht absehbar, konstatierte Bien.

Die Rückmeldungen – nicht zuletzt die zahlreichen Spenden und Spendenzusagen – haben den Verein aber wahrnehmbar inspiriert, so Bien. „Es war ein starker Motivationsschub für das Haus Burggarten, sich in aktuelle Diskussionen einzumischen.“

Mal schauen, was der Verein aus der Förderung und Forderung macht. Vergleichbares habe der Verein bisher nicht gemacht, ergänzte Angelika Kroll-Marth von „Westermann Kommunikation“. Die Spenden werden an den Wohltätigkeitsfonds Kharkiv Renovation Fund weitergeleitet. „Nicht wenige Besucher stellten aber jetzt schon die Frage, was es denn im kommenden Jahr zu sehen wird. Das zweite Adventswochenende ist auch ein Termin, den sich die Menschen gut merken können.“

Einen weiteren Aspekt, der während der Exposition am Horizont aufging, formulierte Kroll-Marth so: „Was kann noch aus dem Projekt ,Hallo, ich heiße Mila‘ werden?“ Bisher habe sich zwar niemand gemeldet. „Es gibt die Möglichkeit, die Tableaus mit den Bildern hier noch hängen zu lassen, wir können aber die Ausstellung auch an anderen Orten zeigen.“

Die mit Buntstiften, oder mit Deck- und Wasserfarben gefertigten 40 Bilder sind ein exklusives Zeitdokument, das die Verbreitung und Zurschaustellung verdient.

 

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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