Bürgermeisterin von Ingelheim Eveline Beyer (CDU) spricht bei der Gedenkveranstaltung am Synagogenplatz in Ober-Ingelheim. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

OBER-INGELHEIM – Ingelheim gedachte am Synagogenplatz in Ober-ingelheim der Novemberpogrome der NS-Gewaltherrschaft vor 84 Jahren. Bei der gemeinsamen Gedenkstunde des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF) und der Stadt Ingelheim sagte Bürgermeisterin von Ingelheim Eveline Breyer: „Ich bin dankbar, dass so viele Teilnehmer heute gekommen sind.“ Die Geschichte müsse erlebbar bleiben, forderte sie und wies auf den Wert von Briefen und Tagebüchern von Einst hin. „Sie führen uns die Geschehnisse deutlicher vor Augen als eine reine Auflistung von Fakten.“ Sie erwähnte in dem Zusammenhang den Brief einer Heidesheimer Jüdin, Rosalia Stein. „Es war der letzte Brief, den sie dem damaligen nationalsozialistischen Bürgermeister schrieb und ihn um Hilfe bat.“ Dergleichen versuchen neue Formate wie „Graphic Diaries“, beispielsweise Anne Franks und Sophie Scholls Leben für Kinder und Erwachsene erfahrbar zu machen.

Die Geschichte müsse erlebbar bleiben, wiederholte Breyer, „damit wir begreifen, was geschehen ist und sich die schrecklichen Taten, die die Nationalsozialisten verübt haben, nie wiederholen“. Als tagesaktuelle Vergleiche erwähnte sie den russischen Krieg in der Ukraine und die Ereignisse im Iran. „Sie zwingen die Menschen zur Gefolgschaft, wie es das Dritte Reich getan hat.“ Sie appellierte darum, die Gedenkstunde zu nutzen, „damit sich die Begebenheiten, die genau an der Stelle passiert sind, nicht wiederholen. Damit wir weiter für ein freies, gerechtes und friedvolles Ingelheim wirken“.

Im Gedenkwort richtete Klaus Dürsch von der DIF den Blick auf „die Menschen, die dem Nazi-Regime entkommen konnten“. Beispielhaft schilderte er die Geschichte der Heidesheimer Familie Ehrenstamm. Sie fanden nach einer Odyssee mit vielen Widrigkeiten ein Zuhause in Amerika. Er wies auf die Aktualität hin.

„Seien wir verständnisvoll mit Menschen, die nach der Flucht eine Bleibe bei uns gefunden haben“, gemahnte er. „Wahrscheinlich werden erst ihre Enkel die Fluchtgeschichte erzählen können.“ Das geistliche Wort formulierte Pfarrer der Burgkirche Frank Seickel. Mit einem Beitrag beteiligten sich auch Schüler aus Ingelheim an der Feier. Deren musikalische Gestaltung übernahm das Trompetenduo David Sagi und Jonathan Fuhr unter der Leitung von Björn Colditz.

 

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.