Start Weinbotschafter Herbert Egner Ohne Fleiß keine Qualität

Ohne Fleiß keine Qualität

Das Weinjahr 2016 liegt hinter uns. Der Wein ruht im Fass. Ihn ganz in Ruhe zu lassen, ist jetzt der beste Rat. Jeder Monat, jede Woche hilft dem Wein zur Reife. Die Ruhezeit für die Winzer währt nur kurz. Prüfen, wie sich der Wein im Keller entwickelt und die erste wichtige Arbeit für die Qualität des kommenden Jahrgangs steht an: der Rebschnitt.

Jetzt gehen die Winzer und ihre Helfer von Rebstock zu Rebstock und schneiden bis auf ein bis zwei Ruten alle übrigen Austriebe des alten Weinjahres weg. Bei jungen Reben wird die Rute auf etwa sechs „Augen“ geschnitten, bei Reben in den besten Jahren lässt man zehn „Augen“ stehen, um eine gute bis sehr gute Qualität ernten zu können. Denn an jedem „Auge“ entwickelt sich später eine Traube.

Entdeckt man an den Rebstöcken 20 Augen und mehr, hat sich der Winzer in dieser Parzelle für eine größere Erntemenge entschieden, die folglich zu Lasten der Qualität geht. Zählt man die verbliebenen „Augen“ am Rebstock, erkennt er gleich, welche Philosophie der Winzer verfolgt. Während des Rebschnitts geht es unzählige Male im Weinberg hoch und runter. Bei einem mittelgroßen Weingut von zwölf Hektar ist man da einige Wochen unterwegs.

Ein Glas Wein trinkt sich leicht. Man genießt die Blume, das Aroma, verspürt den angenehmen Trinkfluss am Gaumen, lässt den Wein die Kehle hinunterfließen, freut sich über den Nachklang und empfindet einen glücklichen Moment.

Kein Gedanke an die Anstrengungen, die Kraft, die Energie, die Nerven, die erforderlich sind, bis all die zahlreichen köstlichen Tropfen, die sich zu Hektolitern sammeln, in Flaschen und Gläser gefüllt sind uns dargereicht werden. Wenn man sich aber einen kleinen Moment bewusst macht, wie oft im Jahr die Winzerfamilie und ihre Helfer den Weinberg, Zeile um Zeile, hoch und runter gehen, sich beim Heften und binden der Ruten bei jedem Rebstock bücken und aufstehen, im Frühjahr späte Triebe ausgeizen, den Boden lockern und lüften, im Sommer Laub entfernen, damit mehr Sonnenstrahlen die Trauben reifen lassen, … dann – ja dann, mundet der Wein noch besser.

Man entwickelt eine kleine Vorstellung davon, wie viel Arbeit von vielen Menschen in einer Flasche Wein steckt. Die Erkenntnis reift, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Qualität ins Glas geschenkt wird und wir diese zu unserem Wohlergehen und zu unserer Lebensfreude verkosten dürfen.

Ihr Herbert Egner

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