Willkommen im Märchenland: der Weihnachtsmarkt an der Burgkirche. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

INGELHEIM – Er war wie eh und je schlicht schön: der Weihnachtsmarkt im Schatten der Burgkirche. Unzählige Besucher strömten am Wochenende zum 2. Advent nach Ober-Ingelheim. Rund um die Burgkirche bereiteten ihnen die Organisatoren vom Verein Ingelheimer Weihnachtsmarkt an der Burgkirche eine Bühne fürs Wühlfühlen.

Rieselte statt Regentropfen der Schnee vom Himmel, wäre die Kulisse perfekt. Aber auch ohne einen weißen Teppich unter den Füßen breitete sich unter anderem dank der Illumination, die gleichermaßen die Flora wie das historische Mauerwerk beleuchtete, eine idyllische Aura aus. Unzweifelhaft vertrieb der Nieselregen am Abend des 2. Adventssonntags weder die Besucher von der Nähe der Burgkirche noch die Gelassenheit aus deren Angesicht. Apropos Regen: Durch den gekonnt präparierten Boden, den vorsorglich ausgelegten Mulch, versank niemand im Matsch.

Führungen über die Wehrmauer erwarten die Besucher auch am 3. und 4. Advent.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Nach zwei Jahren der Pandemie und Zittern schien die Anspannung von den Gesichtern abgefallen zu sein, in die man beim Schlendern schaute. Stattdessen herrschten an den Stehtischen und Wärmelampen allem Anschein nach Gemütlichkeit. Der probierte Glühwein – wie vom Verfasser getestet – schmeckte, die Leckereien offenbar auch: Wären die Warteschlangen ansonsten so lang? Auch die Stände der Hobby-Künstler und Kunsthandwerker lockten mit ansprechenden, ja verlockenden Geschenkideen, wie die detailliert gearbeiteten Filzfigürchen, oder Engeln, die das Material Holz und Metal in sich vereinigten. Beinah jeder Verkaufsstand überraschte mit Ideen. Das ließt auf die überlegte Auswahl durch das Orga-Team schließen. Dem Ingelheimer Adventsmarkt gelang es auch, das Programm reizvoll zu gestalten: Es fehlte nicht die Musik. Am Sonntagabend unterhielt im Rosengärtchen Gernot Blume mit Tonkunst für Harfe. Auch wenn ihn der Regen dazu zwang, zum Schutz des Instruments, den Auftritt zu kürzen, gelang es ihm leicht mit „Stille Nacht“ die vorweihnachtliche Faszination herbei zu zupfen. Auf der großen Bühne erfreute Downbeat Alley mit souligen Grooves das Publikum. Besucher, die auf einem Weihnachtsmarkt tanzen, sind selten. In Ober-Ingelheim taten es einzelne Paare.

Führungen über die Wehrmauer erwarten die Besucher auch am 3. und 4. Advent.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

In der Zauberwerkstatt Joachim Harbut bastelten Kinder diesmal Zauberstäbe aus Metall: „Wie viele es waren, habe ich aufgehört zu zählen“, freute sich Christian Fröhlich aus dem Team der Werkstatt. Knirpse mit fantasievoll geschwungenen und bunten Steinen besetzten Stäben sah der Besucher häufiger im Besucherstrom.

Auf der Burgmauer leuchteten indes hin und wieder eine Laterne und viele Taschenlampen auf: Über die Wehrmauern wandelte der Ingelheimer Gästeführer Horst Ahles mit historisch interessierten Gästen. Als er nach 19 Uhr den letzten Rundgang mit 25 Teilnehmern des Tages beendete, meinte er: „Die Leute nehmen es gerne an.“ In einer der Gruppen habe er zudem Besucher aus Frankfurt getroffen, „die nunmehr zum vierten Mal die Führung mitgemacht haben“, sagte er.

An diesem und dem 4. Adventswochenende wird der Gästeführer erneut das historische Gewand überziehen, und sich auf die Wehrmauer begeben. Sollte die Stimmung dann vergleichbar sein, stünde dem Erfolg des Winterzaubers in Ober-Ingelheim nichts im Wege.

 

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

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