Start Allgemein Frauenfußball – lange belächelt, jetzt ein Zukunftsmarkt

Frauenfußball – lange belächelt, jetzt ein Zukunftsmarkt

Kaum zu glauben, aber vor etwas mehr als 50 Jahren war das Fußballspielen Frauen in Deutschland noch verboten! Der Sport galt seit jeher als besonders männlich, und selbst wenn sich der Frauenfußball in den USA relativ schnell entwickelte und weitgehend anerkannt ist, wird er in Deutschland noch immer belächelt. Das könnte sich in den kommenden Jahren jedoch ändern, zumal es bei den Vereinen immer größere Investitionsbereitschaft gibt. In der vergangenen Saison erzielte die Frauen-Bundesliga bereist einen Umsatzrekord, und das in einer Zeit, als die meisten Clubs herbe finanzielle Einbußen verkraften mussten.

Frauenfußball ist einfach nicht so gut wie Herrenfußball. Das war lange die allgemeine Ansicht, die sich auch in niedrigen Zuschauerzahlen und mangelnder Fanbegeisterung deutlich machte. Wie sieht es jedoch faktisch im Hinblick auf die Leistung der Damen aus?

Das Regelwerk ist im Grunde das Gleiche, und wenngleich die Damenmannschaften in den anfänglichen Jahren, nachdem der Frauenfußball offiziell 1970 zugelassen wurde, zunächst nur zwei Halbzeiten je 30 Minuten spielten, hat sich die Spielzeit mittlerweile der der Herren angepasst. Warum es Frauen solange untersagt war offiziell Fußball zu spielen, hatte gesellschaftliche wie vermeintliche gesundheitliche Gründe, die inzwischen jedoch widerlegt wurden: es hieß zum einen, das Treten sei männlich, das Nichttreten hingegen weiblich, zudem wurde gewarnt, dass dadurch die Gebärfähigkeit eingeschränkt würde.

Absoluter Quatsch, das weiß man inzwischen: auch taktisch sowie in Sachen Einsatzbereitschaft stehen die Damen den Herren in nichts nach und sind oft sogar ehrgeiziger. „Die Einstellung bei den Damen ist top. Sie sind oft fleißiger und lernwilliger als die Männer“, betont beispielsweise Trainer Andreas Strasser der österreichischen Damenmannschaft des FC Bergheim, gibt jedoch gleichzeitig zu, dass das Männerspiel weitaus dynamischer sei. Der Grund dafür ist körperlicher Natur: Frauen besitzen einfach weniger Muskelmasse und sind aus diesem Grund nicht so schnell. Statistisch gesehen bedeutet das: Frauen laufen innerhalb eines 90-minütigen Spiels fast genauso weit wie die Männer – 9,1 Kilometer im Schnitt im Vergleich zu den 10,2 Kilometern, die ein männlicher Spieler zurücklegt, legen jedoch rund ein Drittel weniger schnelle Laufstrecken zurück. Bei Sprints bringen es Männer auf rund 24 Km/h, Frauen lediglich auf 20 Km/h.

Im Bereich Sportwetten Deutschland ist der Männerfußball weit vorn, in den USA hingegen sind Frauenteams weitaus erfolgreicher und ziehen damit mehr Stadionbesucher, Zocker und damit auch Sponsoren an. Auch in England und Frankreich wird derzeit mehr in den Frauenfußball investiert als in Deutschland. Dies könnte sich jedoch in Zukunft ändern. Die insgesamt zwölf Vereine der deutschen Frauenfußball-Bundesliga erspielten in der vergangenen Saison einen Rekordumsatz von 15 Millionen Euro – 1,8 Millionen Euro mehr als in der Saison zuvor. Ein Grund dafür: deutlich höhere Erträge aus dem Sponsoring, was wiederum eine Trendwende ankündigen könnte, besonders in einer Zeit, in der viele Vereine aufgrund ausgefallener Spiele in den vergangenen zwei Jahren in der finanziellen Misere stecken.

Kann das jedoch den Grund dafür ausmachen, dass Frauenfußball In Deutschland weniger beliebt und bekannt ist? Wohl kaum, denn in den USA sieht die Realität ganz anders aus. Fußball ist im Vergleich zu Sportarten wie Basketball und Baseball ein Nischensport, und Damenfußball spielt dabei sogar eine wichtigere Rolle als Herrenfußball. Grund dafür ist nicht zuletzt der Sieg des US-Teams bei der Frauenfußball-WM 1991, der damals natürlich für große Euphorie sorgte und Investoren auf den Plan rief. Seitdem floss eine Menge Geld in den Sport. Erstaunlich ist beispielsweise, dass der Fußballverband der USA seinen Frauen mehr bezahlt als Männern: Das Damenteam erhielt zwischen 2010 und 2018 insgesamt 34,1 Millionen U.S. Dollar, die Männer lediglich 24,6 Millionen U.S. Dollar. Grund dafür ist, dass die Frauen die Stadienkassen auch besser auffüllen: zwischen 2016 und 2018 (ohne WM in diesem Zeitraum) spielten sie 50,8 Millionen Dollar ein, die Männer etwas weniger mit gesamt 49,9 Millionen Dollar.

Bisher ließ man die Damen zum Training gerne gegen U17-Herrenmannschaften antreten, da sie ähnlich schnell sind. Wichtige Spiele fanden oft untertags statt, wenn es einfach nicht viele Fans ins Stadion schaffen. Die Saison ist genauso lang wie die der Männer, es werden jedoch weitaus weniger Spiele absolviert. Zeit zum Umdenken?

Zu den erfolgreichsten Mannschaften Europas gehören derzeit an erster Stelle der FFC Frankfurt, mit insgesamt sieben gewonnenen Meistertiteln und dem Sieg der Champions League 1995, gefolgt vom französischen Club Olympic Lyon, der die Champions League dreimal infolge gewann. Der deutsche FCR Duisburg gewann 2009 die Champions League und spielt nach einem Tief seit der Übernahme der Frauenmannschaft durch den MSV Duisburg seit 2014 wieder in der Bundesliga.

Spannend ist auch die Rangliste der bestbezahlten Spielerinnen: Auf Platz eins (Stand 2020) liegt hier Samantha Kerr vom FC Chelsea, die mit einem Jahresgehalt von 480.000 Euro als die höchstdotierte Profifußballerin der Welt gilt. Alex Morgan von Tottenham Hotspur liegt auf Platz zwei, mit einem Jahresgehalt von umgerechnet rund 408.000 Euro, und beweist damit, dass Großbritannien seine besten Spielerinnen im Fußball großzügig entlohnt. Vivianne Miedema kickte von 2014 bis 2017 für die Frauenmannschaft des FC Bayern, verdient aber bei ihrem aktuellen Verein FC Arsenal womöglich besser – mit rund 205.000 Euro Jahresgehalt liegt sie immerhin auf Rang 9 der Topverdiener-Liste. Ein Blick auf die Statistik bestätigt jedoch immerhin, dass Deutschland seine Damen im globalen Vergleich gut bezahlt: mit im Schnitt 43.730 Euro Jahresgehalt (Stand 2017) liegen sie auf Platz zwei, nach Frankreich mit durchschnittlichen 49.780 Euro und noch vor England mit im Schnitt 35.350 Euro.

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