Tobias Mann präsentierte sich in Topform in Finthen. Foto: Oliver Gehrig

FINTHEN – „Wann ist denn ein Mann ein Mann?“ Mit dieser in Rap-Form frei nach Herbert Grönemeyer vorgetragenen Frage startete Tobias Mann sein neues Kabarettprogramm „Mann gegen Mann“ im Finther Bürgerhaus und machte sich sogleich auf die Antwortsuche. Der Auftritt habe sich „um zwei Jahre und sechs Tage verschoben“, informierte er, und spielte auf die lange pandemiebedingte Kabarettpause an. „Ich bin froh, dass Sie hier sind und nicht mit dem Auto vor mir stehen“, zeigte er sich erleichtert. Zuschauer mit Zigaretten, Fassbier und Sushi im Autoinneren: Das sei schon gewöhnungsbedürftig – genau wie die Lichthupe und das Hupkonzert als Beifall. Und das habe seine Spuren hinterlassen. Mann: „Wenn an der Ampel hinter mir einer hupt, dann steige ich aus und verbeuge mich!“ Seine Hoffnung ist, dass die Zeit von Home Office, Home Schooling und Home Trinking bald vorbei ist.

Der Kabarettist sang Lieder wie „Ich scrolle, also bin ich“. Foto: Oliver Gehrig

Eine der vielen Stärken von Tobias Mann ist seine Spontanität, die sich auch bei der von ihm forcierten Interaktion mit dem Publikum zeigt. Er fragt, warum die Leute ins Bürgerhaus gekommen sind, und erhält Antworten in voller Bandbreite: von „Um dich zu sehen“ bis zu „Ich bin billiger an Karten gekommen“. Solche Aussagen sind ihm ein Futter, darüber macht er sich mit einem Augenzwinkern gerne lustig. Dann wird es politisch. „Der Typ, der mit freiem Oberkörper auf einem Bären reitet“ ist eines der Themen, und er muss den russischen Diktator und Kriegstreiber gar nicht beim Namen nennen, denn jeder weiß, wer gemeint ist. In seinem folgenden kabarettistischen Rundumschlag kriegt auch das Kölner Erzbistum um Kardinal Woelki, „die Fifa der Weltkirche“, ihr Fett ab.

Zwischendurch greift Tobias Mann zur Gitarre oder setzt sich ans Klavier und singt Lieder wie das Anti-Klugscheißer-Lied „Es ist alles gesagt, und zwar von allen“ oder das Handy-Lied „Ich scrolle, also bin ich“. Bei den deutschen Politikern hat es ihm vor allem der frühere CSU-Bundesminister Andreas Scheuer angetan. Dieser habe für eine neue Wortkreation gesorgt: „Man scheuert“, heißt es inzwischen, wenn man trotz berechtigtem öffentlichen Druck einfach nicht zurücktritt. Auch die anderen Parteien werden nicht verschont. Die SPD habe mit dem Wahlkampf und der anschließenden Wahl von Bundeskanzler Olaf Scholz gezeigt: „Grundloser Optimismus kann sich lohnen.“ Auch CDU-Chef Friedrich Merz („Der Mann ist öfter auferstanden als Jesus“) und CSU-Chef Markus Söder („Ich hätte das gerne, dieses grundlose Selbstbewusstsein“) spart er nicht aus. Und natürlich auch nicht die FDP. An der Antwort von Verkehrsminister Volker Wissing auf die Frage, warum die FDP kein Tempolimit wolle, nämlich „Weil es nicht im Koalitionsvertrag steht“, reibt er sich. Da wäre es ehrlicher gewesen, zu sagen: „Freunde, wir haben in der Partei beschlossen: Rasen auf der Autobahn ist geil!“

Mit dem Untergangslied „Komm’, wir geben auf“ und der Zugabe „Männer sind das Übel dieser Welt“ beendete Tobias Mann den sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Abend. Dafür gab es Applaus im Stehen. Das positive Fazit: Endlich gibt es wieder Kabarett in Liveform.

 

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Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.