Vorsitzender Ottmar Schwinn begrüßte Referent PD Dr. Helmut Schmahl zum Vortrag im Hechtsheimer Gemeindezentrum. Foto: Oliver Gehrig

HECHTSHEIM – Rund sechs Millionen Deutsche sind zwischen 1830 und 1920 in die USA ausgewandert, darunter circa 50.000 aus Rheinhessen. Die Hintergründe beleuchtete jetzt Dr. Helmut Schmahl, Privatdozent am Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität, in seinem interessanten Vortrag „Neue Heimat Amerika“ beim Verein Hechtsheimer Ortsgeschichte. Zu dieser Veranstaltung begrüßte Vorsitzender Ottmar Schwinn rund 60 Interessierte im evangelischen Gemeindezentrum.

An vielen Städtenamen werden in den USA die deutschen und rheinhessischen Einflüsse deutlich, erläuterte Dr. Schmahl zu Beginn. So gibt es „Mentz“ gleich zweimal, in New York und in Texas, Worms in Nebraska sowie New Trier und Bingen jeweils dreimal. Bis in die 1980er-Jahre waren die deutschen Auswanderer in den USA zahlenmäßig führend vor den Briten und Iren, inzwischen sind es die Latinos. Älteste deutsche Siedlung war laut Dr. Schmahl das 1683 in Pennsylvania gegründete Germantown, einer der bekanntesten deutschen Auswanderer war der Mainzer Revolutionär Germain Metternich (1811-1862). Hauptgründe zum Auswandern waren das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Arbeitsknappheit in Deutschland, wirtschaftliches Elend sowie auch religiöse Verfolgung. Besonders viele Rheinhessen zog es nach Wisconsin, das als „verpflanztes Rheinhessen mit deutschen Strukturen“ galt, seine Hauptstadt Milwaukee galt als „deutscheste Großstadt Amerikas“, weil sich dort viele deutsche Metzger, Bäcker und Eisenhändler niederließen. Auch zwei der drei größten Brauereien hatten dort ihren Sitz: die Pabst Brauerei und die Schlitz Brauerei.

Mit historischen Fotos, Kupferstichen und Landkarten umrahmte Dr. Schmahl seinen Vortrag. Bei seiner Internetrecherche zum Vortrag stieß er auch auf zwei Hechtsheimer, die in den deutschsprachigen Zeitungen der USA Erwähnung fanden. Ein Nachruf dreht sich um den gebürtigen Hechtsheimer Jacob Klein (1845-1910), der Kreisrichter und Anwalt in St. Louis (Missouri) war. Der gebürtige Hechtsheimer Wilhelm Keilmann (1845-1902) war als Lehrer in Indianapolis und später als Journalist für den Indianapolis Telegraph tätig. Manche Amerikaner hatten übrigens so ihre Probleme mit den vielen Rheinhessen in den USA, die auch ihren breiten rheinhessischen Dialekt mitbrachten. So sprach der amerikanische Gründervater Benjamin Franklin (1706-1790) in einer Beschwerde 1751 von „Pfälzer Bauernlümmel“. Für den kurzweiligen und humorigen Vortrag von Dr. Schmahl gab es viele Lacher und viel Beifall im Gemeindezentrum.

 

Autor: Oliver Gehrig

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