Mit Helau und Gartenschere für blühende Flächen in Gonsenheim. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

GONSENHEIM – Das hat es in Gonsenheim wohl noch nicht gegeben: karnevalistische Beetpflege. Helmut Seebach hat für die Aktion einen wahrlich närrischen Aufruf ersonnen: „Lasst uns miteinander beeten für Gonsenheim!“
Der Hintergrund: Vor drei Jahren hat die von Seebach gegründete Initiative die erste Patenschaft für das Blumenbeet und die Bäume am Gehsteig vor der Halle der Turn- und Sportgemeinde in Gonsenheim übernommen. Weitere Pflegschaften kamen nach und nach dazu. Mittlerweile schlummern zudem rund 600 Zwiebeln in der Erde, die bald die Augen erquicken werden.

Dass die humoristische Doppeldeutigkeit des Fastnachtsslogan ernste Züge annimmt, konnte Seebach nicht im Traum erahnen. Vor den Teilnehmern der Frühlingsaktion, zu denen auch die Abordnung der 2019 gegründeten Meenzer Narrengarde (MNG) aus Gonsenheim gehörte, sagte Seebach: „Mein Herz blutet und ich frage euch ehrlich und aufrichtig: können wir so unbeschwert Fastnacht feiern dieses Jahr nach all dem was in den letzten Tagen passiert ist?“

Der rhetorischen Äußerung schob er die Anregung nach. „Um diese innere Anspannung zu lösen, könnten wir das Motto, das ich ausgerufen habe, zu Beginn mit nur einem ,e’ versehen und eine kleine Gedenkminute einschalten.“
Seebach setzte danach die Begrüßungsrede fort, wobei sein pfälzischer Dialekt nicht nur seine Herkunft verriet, sondern auch einzige Rheine erst erlaubte. „Das Brauchtum geht uns flöten/ wenn wir nichts dagegen täten. Drum lasst uns alle gemeinsam/ beeten, beeten, beeten.“

Bevor die Mithelfer die Arbeitshandschuhe anlegten und zu Gartenscheren griffen, um Stauden zurückzuschneiden und das Moos zu entfernen, begrüßte sie MNG-Präsident Bernd Lauer. „Im dritten Corona-Jahr helfen solche Aktionen, dass der Lebensmut den Menschen erhalten bleibt“. Einen kurzen Vortrag steuerte auch Sitzungspräsidentin der Meenzer Narrengarde, Martina Kirch, bei: Die Freude sei heute empfindlich getrübt, wenn man sieht, was ein Despot in der Ukraine verübt. So wollen wir den Menschen in Solidarität zur Seite stehen und hoffen und beten, dass diese Untaten schnell vorübergehen.“

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Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.