Agnès-Marie Osipov und Anne Herzberg (re.) verleihen den Kindern Flügel. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

OBER-OLM – Donnerstag, 12 Uhr, Grundschule Ober-Olm: Die Französisch AG beginnt. Eine Unterrichtsstunde lang tauchen die Kinder in ihre ersten Begegnungen mit der französischen Sprache ein. Da für die Zeit der Pandemie die Klassen in ihren Verbänden unterrichtet werden müssen, nehmen je sieben bis acht Schüler einer Klasse für vier bis fünf Wochen am Sprachunterricht von Agnès-Marie Osipov teil. Dann wird getauscht und die nächste Gruppe ist dran. Der Wechselrhythmus betrifft neben Französisch auch alle anderen AGs.

In ihrer Eigenschaft als Kulturschule treffen die Pandemie-Restriktionen die Ober-Olmer Grundschüler besonders hart, empfindet Schulleiterin Anne Herzberg. „Aber wir machen unter Corona-Auflagen weiter“. In geteilten Klassenverbänden bleibt der Zugang zu Kulturangeboten an der Grundschule weitgehend erhalten. Die Absicht, gemeinsam mit den Kindern die Fundamente für die Wertschätzung des weit gefassten Kulturbegriffs zu legen, soll nicht ins Wanken geraten. Vier Jahre an der Grundschule sind schnell verflogen. Umso mehr ist die Rektorin für die Unterstützung durch die Gemeinde dankbar, die seit Jahren am selben Kultur-Strang zieht.

Einen guten Nachweis liefert eben die Französisch-AG. „Die Kinder lernen relativ schnell“, beschreibt Osipov ihren Eindruck. „Wir haben viel Spaß gemeinsam. Wir singen viel und spielen auch.“ Es geht um grundsätzliche Themen: wie die Namen der Tiere oder Farben und einfache Sätze. „Wie heißt du, wie alt bist du, und Ähnliches.“

Gewiss könne sie in vier Wochen den Kindern nicht allzu viel beibringen. „Aber es reicht für den ersten Kontakt mit der Sprache und fremden Gebräuchen.“ Die Entdeckung der Interkulturalität fasziniert die Kinder, stellt die Dozentin immer wieder fest. Es weitet den Horizont, zu hören, dass es an französischen Schulen etwas anders zugeht als in Deutschland. Dass der Unterricht Früchte trägt, zeigt sich in überraschenden Zusammenhängen. „Vor Kurzem hat ein Kind berichtet, dass seine Mama Macarons gebacken habe.“ Es hat das typische französische Gebäck als solches erkannt.

In Ober-Olm unterrichtet die Dozentin seit 2017. Wer hat sie eingestellt? „Die Gemeinde.“ Die Schulrektorin erinnert sich, wie der heutige Ortsbürgermeister Matthias Becker einstmals für die Gemeindepartnerschaften zuständig, die Gründung der Französisch-AG forcierte. Vor Corona gab es sogar zwei Mal einen Schüleraustausch zwischen Ober-Olm und Ramonchamp. Die Verständigung zwischen Partnern beginnt eben mit der Sprache.

Auch Osipov hat den unkomplizierten Start noch gut im Gedächtnis: „Herr Becker fragte einfach an, ob ich mir eine Sprach-AG in Ober-Olm vorstellen könnte.“ Gedacht, getan. Osipov stammt aus Dijon. Nach Mainz – auf Französisch Mayence – kam sie zum Praktikum. Sie blieb bis heute und unterrichtet als Dozentin unter anderem am Institut Français, dem selbsternannten Treffpunkt für Frankophone und Frankophile in der Mainzer Innenstadt. „Einmal in der Woche leihen wir sie uns aus“, schmunzelt die Rektorin. Der Grundschule will die Französischlehrerin erhalten bleiben. „Es macht mir nach wie vor sehr viel Freude“, versichert sie. „Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Gemeinde über den eigenen Teller hinausschaut, in dem sie uns als Kulturschule unterstützt“, freut sich die Schulrektorin.

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Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.