Landrätin Dorothea Schäfer blickt auf das Jahr 2021 zurück, das komplett unter den Vorzeichen von Corona stand. Foto: Ralph Keim

LANDKREIS – Das erste komplette Corona-Jahr geht zu Ende. Eine Ende der Pandemie ist weiterhin nicht in Sicht. Dazu und was im Landkreis abseits der Pandemie wichtig war und ist, ein Interview mit Landrätin Dorothea Schäfer.

Frau Landrätin, wie haben Sie als Landrätin das Jahr 2021, also das erste komplette Coronajahr erlebt?

DOROTHEA SCHÄFER: Es stand komplett unter dem Einfluss der Pandemie. Aber wir haben hier einiges geleistet, um die Auswirkungen von Corona im Landkreis einzugrenzen. Hier ist vor allem die Arbeit im Impfzentrum und im Gesundheitsamt zu nennen, beides Einrichtungen des Kreises, in denen mit schier unermüdlichem Einsatz gearbeitet wird, um den Menschen zu helfen. Bei allen negativen Begleiterscheinungen, die das Corona-Jahr mit sich brachte, habe ich in den vergangenen Monaten auch ganz viel Solidarität und Zusammenhalt auf vielen Ebenen erlebt. So war zum Beispiel auch die Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis und den Kommunen sehr gut – etwa, wenn es um die Kontrolle der häufig wechselnden Verordnungen geht. Oder um die Testzentren, die von den Kommunen organisiert und betrieben werden. Der Landkreis bildet hier eine wichtige Schnittstelle. 

Wie bewerten Sie die Corona-bedingten Auswirkungen auf die Bevölkerung im Landkreis?

DOROTHEA SCHÄFER: Wir haben das Glück, dass wir in einem so wirtschaftsstarken Landkreis leben. Rein wirtschaftlich betrachtet, sind wir im Kreis gut durch die Krise gekommen. Die befürchtete Insolvenz-Welle blieb auch dank der vielen staatlichen Hilfen aus. Dennoch gab es auch Branchen, die ganz besonders gebeutelt wurden, zum Beispiel in den Bereichen Kultur und Veranstaltungen oder im Schaustellergewerbe. Es ist aber wichtig, dass sich jetzt schnell möglichst viele Menschen boostern lassen.

Was war für Sie das Erlebnis, das Ihnen am meisten nachging? 

DOROTHEA SCHÄFER: Die Flutkatastrophe im Landkreis Ahrweiler hat uns gezeigt, was Naturkatastrophen anrichten können. Danach ging aber eine große Hilfsbereitschaft und Solidarität durch das Land. Das hat mich sehr beeindruckt und zeigt den Zusammenhalt, der in unserer Gesellschaft trotz all der heftigen Debatten herrscht. Zusammenhalt zeigte sich auch in unseren Partnerschaften: In der Pandemie sind wir näher zusammengerückt, obwohl wir uns lange nicht sehen durften. Der europäische Gedanke konnte so sicherlich gefestigt werden.

Was war das wichtigste, was im Landkreis im Jahr 2021 verwirklicht wurde?

DOROTHEA SCHÄFER: Zwei Meilensteine im vergangenen Jahr waren die Gründungen unserer beiden Gesellschaften, der Kommunalverkehr Rhein-Nahe (KRN) und der Kreiswohnungsbaugesellschaft (KWBG). Die wichtigen Themen Mobilität und Wohnen bringen wir damit entscheidend voran. Wenn im kommenden Frühjahr das Mobilitätskonzept im Landkreis mit vielen neuen Linien startet, wird sich das Angebot schon mal deutlich verbessern. Ab Oktober fahren dann die Busse der neuen Gesellschaft – für den ÖPNV in der Region ein wichtiger Schritt. Die Wohnungsbaugesellschaft hat jetzt erste Projekte in den Kommunen festgelegt, mit denen sie im neuen Jahr loslegen kann. Für den Bau bezahlbarer Wohnungen im Landkreis ist dies ein wichtiger Schritt. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Wohnungsbaugesellschaft einen großen Teil dazu beitragen wird, dass „Normalverdiener“ bessere Chancen auf Wohnraum in unserer Region haben werden.  Ich persönlich bin zudem froh, dass wir die Fusion der Sparkassen Mainz und Alzey-Ried zur Rheinhessen-Sparkasse unter Dach und Fach haben. Der Baustart an unserem zweiten Dienstgebäude, im klimaschonender Holzbauweise, freut mich ebenfalls sehr. Als Tochter eines Tischlermeisters bin ich mit Holz groß geworden und habe sofort ja gesagt zu diesem Vorschlag aus der Verwaltung. 

Was steht im Jahr 2022 als wichtigste Maßnahmen an?

DOROTHEA SCHÄFER: Ganz vorne steht hier, dass wir hoffentlich den Kauf des Gebäudes im Innovationspark Kisselberg – auf halben Weg zwischen der Mainzer Innenstadt und dem Landkreis – vollziehen und damit mit dem Gesundheitsamt umziehen können. Die Zustimmung von Ministerium und ADD vorausgesetzt. Für die Kreisverwaltung genauso wichtig ist der Bau des zweiten Dienstgebäudes. Läuft alles glatt, können wir 2023 umziehen. Geplant ist zudem ein Anbau an die Sporthalle der IGS in Nieder-Olm und die Neugestaltung des Schulhofes an der IGS in Oppenheim. Die Fertigstellung des Neubaus der BBS in Ingelheim ist für die zweite Jahreshälfte geplant, die Sanierung der BBS in Bingen dauert noch bis 2024. Vor allem für die vorgenannten Projekte nehmen wir im nächsten Jahr rund 43 Millionen Euro in die Hand.

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Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“