Der Nackenheimer Ortsbürgermeister René Adler. Foto: red

NACKENHEIM – Das erste komplette Corona-Jahr geht zu Ende. Ein Ende der Pandemie ist weiterhin nicht in Sicht. Dazu und was in Nackenheim abseits der Pandemie wichtig war und ist, ein Interview mit Ortsbürgermeister René Adler.

Herr Bürgermeister, wie haben Sie als Bürgermeister das Jahr 2021, also das erste komplette Coronajahr erlebt?

RENÉ ADLER: Als ein sehr intensives und überaus arbeitsreiches Jahr. Neben der zusätzlichen Belastung durch die Corona-Krise haben wir sehr viele Projekte umgesetzt oder auf den Weg gebracht. Corona hat uns leider weiterhin fest im Griff, dies bedeutet für uns auf der kommunalen Ebene einen erheblichen Mehraufwand. Wir reagieren seit Beginn der Pandemie tagesaktuell auf die Änderungen der Vorschriften und informieren unsere Bürger über alle Maßnahmen der Ortsgemeinde auf unserer Homepage. Daneben bearbeiten wir zusammen mit der Verbandsgemeindeverwaltung insgesamt acht Bebauungsplanverfahren, unter anderem für unsere Neubau- und Gewerbegebiete. Das Großprojekt Umgestaltung des Festplatzes zum neuen Markplatz muss sehr intensiv begleitet werden und sorgte für eine enorme Arbeitsbelastung in diesem Jahr, zumal wir parallel das Auswahl- und Bewerbungsverfahren für unsere Gewerbeflächen auf den Weg gebracht haben.

Wie sehen und bewerten Sie die Corona-bedingten Veränderungen in Ihrer Kommune?

RENÉ ADLER: Die Corona-Krise ist für alle eine Herausforderung: für die Bürgerinnen und Bürger, für die Kita-Eltern, für die Vereine, für Beschäftige im Homeoffice und natürlich für die Gemeinde. Soziale Kontakte wurden eingeschränkt, Feste konnten nicht mehr in der gewohnten Form stattfinden und die Vereinsarbeit hat unter den Einschränkungen sehr gelitten. Unsere Vereine waren sehr erfindungsreich und haben alternative Veranstaltungen umgesetzt und neue Wege gesucht. Dennoch kam und kommt es zu Einnahmeverlusten bei den Vereinen und Veranstaltern, zudem fehlt die Planungssicherheit. 

Wie sah beziehungsweise sieht die Unterstützung seitens der Kommune aus?

RENÉ ADLER: Ich bin froh, dass der Gemeinderat beschlossen hat, die Vereine nochmals zu unterstützen und die Carl-Zuckmayer-Halle für eine Veranstaltung entgeltfrei zur Verfügung zu stellen. Insgesamt sollen dadurch die Einnahmeverluste durch entgangene Einnahmen bei Veranstaltungen etwas kompensiert werden. Zahlreiche Bürger, Vereine und Initiativen, haben sich aktiv bei der Bewältigung der Corona-Krise engagiert. 

Wie ist das allgemeine Stimmungsbild in Nackenheim?

RENÉ ADLER: Die Bürger sind füreinander da und haben sich gegenseitig unterstützt. Man hat gemerkt, dass die Dorfgemeinschaft in diesen schwierigen Zeiten funktioniert. Die vierte Welle hat nicht nur mich im Ausmaß überrascht. Man merkt nun eine zunehmende Unzufriedenheit und ein großes Unverständnis bei den Bürgerinnen und Bürgern, dass es nicht gelungen ist, die vierte Welle mit eindeutigen und einheitlichen Regeln vorher zu brechen. Wir sehnen uns nach Normalität, nach Sicherheit und nach einem normalen Umgang miteinander – ohne Einschränkungen. Vor allem für unsere Kinder und Jugendlichen wäre dies wichtig. Das wird allerdings erst gelingen, wenn die Impfbereitschaft zunimmt und man sich weiterhin an die Regeln hält. 

Was war das wichtigste, was in Nackenheim im Jahr 2021 verwirklicht wurde?

RENÉ ADLER: Die Satzungsbeschlüsse über die Bebauungspläne für unsere Neubaugebiete, das Gewerbegebiet und den Marktplatz waren wichtige Meilensteine für die Dorfentwicklung der kommenden Jahre. Die Bebauungspläne sind oder werden in Kürze rechtskräftig, so dass mit der Erschließung im kommenden Jahr begonnen werden kann.  Der Ortseingang in der Wormser-Straße aus Richtung Nierstein wurde neu gestaltet und optisch mit Bepflanzungen aufgewertet. Dies war ein weiterer Baustein unserer Bemühungen, die Maßnahmen zur Ortsverschönerung konsequent umzusetzen.

Endlich abgeschlossen ist ja das Thema Steinschlaggefahr. 

RENÉ ADLER: Was im Jahr 2009 begann. Nach unzähligen Gutachten, Stellungnahmen, Konzepten und Planungen, welche anfänglich Kosten von bis zu 1 Million Euro vorsahen, konnten die Maßnahmen zur Steinschlagsicherung im Rothenberg Ende Februar 2021 erfolgreich abgeschlossen werden. Nach Abschluss der Maßnahmen und Abzug der Beteiligung des Landesbetriebs Mobilität belaufen sich die Gesamtkosten für die Ortsgemeinde auf noch rund 119500 Euro. Ein riesiger Erfolg, wenn man bedenkt, mit welchen Kosten man ursprünglich kalkuliert hatte.

Was können Kinder und Jugendliche erwarten? 

RENÉ ADLER: Unsere Bestrebungen, die Spielplätze und die Freizeitanlage weiter auszubauen, werden konsequent unter anderem auch Dank freiwilliger Spenden umgesetzt. Weitere neue Spielgeräte wurden beschafft und alte Spielgeräte kostensparend durch die Mitarbeiter des Bauhofs saniert. Ebenso wurden ein lang ersehnter Wunsch unserer Jugendlichen umgesetzt und eine neue Dirt-Bike Bahn in der Nähe zur Freizeitanlage errichtet. Die Sanierung des Sanitärbereichs in der Kindertagestätte Pommardstraße konnte im Sommer abgeschlossen werden. 

Da wäre auch noch die Umgestaltung des Festplatzes.

RENÉ ADLER: Die Planungen hin zum neuen Marktplatz wurden abgeschlossen. Aktuell läuft das zweite Ausschreibungsverfahren. Wir hoffen, dass wir die Aufträge Anfang Januar erteilen und die Bauarbeiten endlich beginnen können. Neben einer Fördersumme von 500000 Euro haben wir mittlerweile weitere Förderzusagen erhalten, beispielsweise 79050 Euro für die Park- & Ride-Anlage, 125307 für die Bike- & Ride-Station.

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Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“