Budenheims Bürgermeister Stephan Hinz. Foto: red

BUDENHEIM – Das erste komplette Corona-Jahr geht zu Ende. Eine Ende der Pandemie ist weiterhin nicht in Sicht. Dazu und was in Budenheim abseits der Pandemie wichtig war und ist, ein Interview mit Bürgermeister Stephan Hinz.

Herr Bürgermeister, wie haben Sie das Jahr 2021, also das erste komplette Coronajahr erlebt?

STEPHAN HINZ: Als sehr fordernd. Unabhängig von der Belastung im privaten Umfeld, die sicher jeder erlebt hat, ist mein Verständnis einer Amtsführung gerade auch in Pandemiezeiten für mich eine große Verpflichtung. Was für mich die Arbeit so reizvoll macht, ist der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern, der beinahe komplett wegfallen musste. Feste und Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Oft musste ich Entscheidungen treffen, die mir überhaupt nicht leichtgefallen sind, wie Schließungen von Sporthallen oder Absagen von Veranstaltungen. Es waren situationsbedingt die richtigen Entscheidungen zum Schutz von uns allen. Mir persönlich fiel und fällt es aber nach wie vor sehr schwer, nach Absagen in die traurigen Gesichter zu blicken. Ich möchte ein Bürgermeister nah an den Bürgerinnen und Bürgern sein. Das fehlt mir unheimlich. 

Wie sehen und bewerten Sie die Corona-bedingten Veränderungen in Ihrer Kommune?

STEPHAN HINZ: Ich glaube, die endgültigen Ausmaße können wir im Moment noch nicht wirklich abschätzen. Zwar ist schon absehbar, dass sowohl unser Haushalt als auch der des Landkreises stark beansprucht wurde. Die tatsächlichen Konsequenzen werden sich sicherlich noch zeigen. Schon jetzt sehen wir deutlich, dass die Gewerbesteuereinnahmen zurückgegangen sind, ebenso die Zuschüsse aus dem Kreis. Dem gegenüber stehen zum Beispiel stark gestiegene Kosten im Baubereich. Hier sind besonders der Straßenbau, der Tiefbau und auch unsere zweite Anbindungsbrücke betroffen. Viele mittelständige Unternehmen haben Rücklagen für ein bis zwei schlechte Jahre; wieweit diese Reserven aber aufgebraucht sind, stellt sich bestimmt erst im nächsten Jahr in aller Deutlichkeit dar.

Was war das Wichtigste, was in Budenheim im Jahr 2021 verwirklicht wurde?

STEPHAN HINZ: Wir haben trotz der hohen Belastung einen wahnsinnigen Zusammenhalt in unserer Gemeinde. Sicherlich herrscht nicht bei allen Themen Konsens. Das ist auch völlig in Ordnung, davon lebt eine bunte Gemeinde. Aber wenn es darauf ankommt, halten wir zusammen! Bei Hilfeaufrufen mobilisieren sich immer wieder Kräfte und das finde ich sehr schön!

Könnten Sie ein Beispiel nennen.

STEPHAN HINZ: Da wäre das Testzentrum. Unterstützt durch die Malteser, aber getragen durch die Ehrenamtlichen und Mitarbeiter der Gemeinde, konnten wir recht kurzfristig ein gutes Angebot zur Testung in Budenheim etablieren. Der Betrieb wurde kürzlich wieder aufgenommen, um direkt im Ort eine Testmöglichkeit zu haben. Ich freue mich sehr, dass diese Möglichkeit so gut akzeptiert wird und durch unsere unermüdlichen Helferinnen und Helfer Woche für Woche viele Budenheimerinnen und Bürger und teils weit Angereiste getestet werden können. Endlich konnten wir in diesem Jahr das Waldschwimmbad wieder eröffnen, nach zwei Jahren Sanierung. Zum anderen, sehr greifbar, war der Hofflohmarkt in Budenheim für mich ein sehr schöner Tag. Aus der Not heraus, weil der Flohmarkt am Rheinufer nicht stattfinden konnte, wurde diese Möglichkeit geschaffen, mit extrem kurzem Vorlauf von Mitgliedern der Grünen. Das Lebensgefühl Budenheim war zurück, für einen schönen Herbsttag. 

Was steht im Jahr 2022 als wichtigste Maßnahme in Budenheim an?

STEPHAN HINZ: Zum einen der erste Spatenstich für unsere zweite Anbindungsbrücke im Februar 2022. Der ganze Ort wird von der Anbindungsbrücke profitieren. Nur noch ein Bruchteil des Schwerverkehrs wird mit der Zeit durch Budenheim fahren müssen. Im Baugebiet „Wäldchenloch“ erwarten wir das neu erstellte Verkehrsgutachten. Sollte es da Veränderungen geben, müssen wir das Lärmgutachten und den Bebauungsplan anpassen. Sollte dies nicht der Fall sein, werden wir 2022 den Spatenstich für das Neubaugebiet „Wäldchenloch“ setzen können.  Ab 1. April wird es geänderte Busverbindungen vom RNN geben. Für Budenheim bedeutet das, dass wird eine zusätzliche Streckenführung realisieren können, die die südlichen Gebiete und die Waldsprorthalle/Bürgerhaus anbinden. Somit ist der ÖPNV in Budenheim deutlich attraktiver.

Teilen
Vorheriger ArtikelZumindest keine Nachthemdensitzungen
Nächster Artikel5 Schritte zum perfekten Casino-Trip zu Weihnachten
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“