Pfarrer Johannes Kleene von der Pfarrgruppe Oppenheim. Foto: red

OPPENHEIM – Das erste komplette Corona-Jahr geht zu Ende. Das zweite Weihnachtsfest unter den Vorzeichen von Corona steht bevor. Dazu Pfarrer Johannes Kleene von der Pfarrgruppe Oppenheim.

Herr Pfarrer Kleene, wie haben Sie als Geistlicher das Jahr 2021, also das erste komplette Coronajahr erlebt? 

JOHANNES KLEENE: Beständiges Umdenken und Umplanen. Beständig kreativ bleiben, um trotz Corona sich nah zu bleiben. Gottesdienste wurden online übertragen, es gab spirituelle Päckchen für Familien zum Mitnehmen. Es gab auch ein beständiges Ringen mit Brautpaaren, Taufeltern, Erstkommunionfamilien um die verantwortliche Gestaltung der kirchlichen Feiern. Es gab zudem oft Ärger über die Uneinsichtigkeit von Menschen und das egoistische Hinwegsetzen über die Gesundheit der anderen. Ich habe aber auch stärker als sonst gespürt, von einer Gemeinschaft getragen zu sein. Und war erstaunt, welche Kraftreserven in den anderen und in mir stecken. 

Wie bewerten Sie die Corona-bedingten Veränderungen in der Gesellschaft? 

JOHANNES KLEENE:  Corona hat viele Schwachstellen bewusst gemacht: die Bildungskrise, die Gesundheitssystemkrise und die Digitalisierungskrise. Ich spüre mehr Druck, endlich etwas zu ändern. In der Krise haben sich mir Wesenszüge von Menschen gezeigt, die mich manchmal erschreckt, manchmal beeindruckt haben. Ich denke, wir werden viel aufzuarbeiten haben. Die Krise hat Wunden geschlagen, die verbunden werden müssen. 

Und für Ihre Gemeinde?

JOHANNES KLEENE: Was die Gottesdienste betrifft, kommen nun 30 Prozent weniger in die katholischen Kirchen der Pfarrgruppe Oppenheim. Die Gläubigen haben sich über Monate entwöhnt und holen sich nun woanders ihre spirituelle Nahrung, auch über das Internet. Corona hat Dinge beschleunigt. Es fehlen uns vor Ort die jungen, kreativen Christen, die das, was Christen wichtig und wertvoll ist, in eine neue Gestalt gießen, z.B. im Bereich Social Media. Denn man kann nicht einfach das kirchliche Leben ins Internet packen. Es braucht dafür ganz neue Formate. Die haben wir noch nicht. 

Was kann der Glaube in solche einer Ausnahmesituation beitragen? 

JOHANNES KLEENE:  Jede Krise verändert einen selbst, verändert aber auch die Beziehung zu Gott. Manche zweifeln an der Existenz Gottes. Andere fragen, wie er das alles zulassen kann. Der Glaube hat vielen aber auch Halt gegeben gerade jetzt und die Zuversicht wachsen lassen, wir werden auch diese Krise durchstehen. Ich glaube ganz fest daran, und mein Glaube wurde in der Krise bestätigt, dass Gott durch Menschen handelt und Heil schenkt, z.B. durch die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs, kreative Nachbarschaftshilfe, große Spendenbereitschaft. Gott inspiriert Menschen, Gutes zu tun, gibt ihnen Ideen und Kraft.  Das macht mir auch angesichts der aktuellen Situation Hoffnung. 

Wie wird in diesem Jahr Weihnachten in Ihrer Gemeinde aussehen?

JOHANNES KLEENE:  Unsere Pläne ändern sich wöchentlich, weil die Politik nun wöchentlich neue Vorgaben macht. Wir werden Gottesdienste anbieten – unter welchen Corona-Bedingungen, das wissen wir noch nicht. Auf alles Gesellige verzichten wir. Die Caritasangebote  wie das Erzählcafé versuchen wir aufrecht zu erhalten. Krippenspiele werden wir wohl aufzeichnen und kontaktarm aufführen. Die Chöre haben ihre Proben eingestellt, weshalb es auch musikalisch eher bescheiden zugehen wird. Aber wir werden an einem Sonntag alle Kirchen öffnen und zu einer Krippenwanderung einladen von Ort zu Ort, jeder für sich persönlich am 4. Januar von 14 bis 16 Uhr. Und die Sternsingeraktion werden wir wie beim letzten Mal kontaktreduziert durchführen. 

Wie werden Sie Weihnachten verbringen? 

JOHANNES KLEENE: Normalerweise fahre ich nach dem Gottesdienst am 2. Weihnachtsfeiertag zu meinen Eltern nach Lingen. In diesem Jahr ist es anders. Weil meine Mutter erkrankt ist und wir sie nicht gefährden wollen, nehmen wir Rücksicht und werden Weihnachten im Sommer nachfeiern. So freue ich mich auf ruhige Tage zwischen den Jahren, wo ich das, was jetzt im Vorbereitungsstress alles liegenbleibt, aufarbeiten kann. 

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Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“