Ein kleiner Ersatz für die Kerb im Laubenheimer Park. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

LAUBENHEIM – Zugegeben: Alles ist etwas kleiner geworden. Gleichwohl hat sich im Laubenheimer Park im September wieder eine Woche lang das Karussell gedreht. Aufgeregte Kinderstimmen und ihr Lachen vermittelten ein Stück weit die Normalität, die die Menschen über Monate vermisst haben. Der Dank geht an knapp ein Dutzend Schausteller und Imbiss-Betreiber, die zusammen mit den Schaustellerbetrieben Sottile-Barth aus Hechtsheim einen Ersatz für die ausgefallene Kerb auf die Beine gestellt haben.

„Natürlich ist das alles nicht ganz so wie bei früheren Gelegenheiten anlässlich einer Kerb“, sagte Marco Sottile der Lokalen Zeitung. Für ihn fühlte sich die Veranstaltung, die der Familienbetrieb organisierte, etwas befremdlich an, „wenn man die Freiheit gewohnt ist“, erklärte er. So kostete ihn etwa das Aufstellen des Gitterzauns einige Überwindung. „Mein Herz wollte das nicht. Eine Kirmes war immer frei zugänglich. Wir sind kein Freizeitpark, wir sind Schausteller.“ Es half das Modell „Mannheimer Gitter“. Eine Anfertigung für die Absperrtechnik, die etwa bis zur Brusthöhe eines Erwachsenen reicht. „Sie wirkt bei Weitem nicht so wie die Bauzäune, die wir im vergangenen Jahr verwenden sollten“, erinnerte er sich. „Das wollten wir nicht. Die Gäste würden sich vermutlich wie im Gefängnis vorkommen.“

Eine Woche lang konnten die Familien den Ersatz für das Volksfest genießen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Jetzt, wo sich im Laubenheimer Park die Kinder auf dem Karussell drehen konnten, freute sich sein Herz wieder. „Mir fällt auf, dass die Menschen viel öfter mit uns sprechen und dass sie dankbarer geworden sind.“ Dank jahrelanger Erfahrungen stemmte der Familienbetrieb die Vergnügung im Laubenheimer Park kurzfristig und spontan. Die Tische wurden mit größerem Abstand zueinander aufgestellt als sonst, der Check-in am Eingang erfolgte über eine App oder mit einem Kuli auf Papier. Hinsichtlich der Planung von anderen Events im Herbst oder im kommenden Jahr meinte Sottile: „Wir müssen in dieser schwierigen Zeit das Risiko so gering wie möglich halten.“ Das heißt: zunächst nur von Veranstaltung zu Veranstaltung denken.

„Der Ablauf im Vorfeld der Volksfeste ist immer gleich und über Generationen eingeübt. Los geht es vor Ostern, sobald die ersten Sonnenstrahlen herauskommen, und für die Saison hat man sich im Winter sowieso gut vorbereitet.“ Er hofft, dass sich alle Schausteller aus der Branche im kommenden Winter auf das nächste Jahr endlich mal wieder stressfrei vorbereiten können. Für die Zeit, in der die Volksfeste – so wünscht er es sich – wieder größer werden dürfen.

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Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.