05-Legende Klaus Hafner mit der Landesverdienstmedaille. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

MAINZ/HECHTSHEIM/WEISENAU – Klaus Hafner, die „Stimme vom Bruchweg“, Kommunalpolitiker und Fastnachter, hat die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz erhalten. Die Pandemie und andere Hindernisse erlaubten die Überreichung der Auszeichnung, die formell bereits im Oktober 2020 von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) unterzeichnet worden war, erst in diesen Tagen. In der Würdigung des Geehrten bezeichnete Finanzministerin Doris Ahnen (SPD) Klaus Hafner als eine „Mainzer Legende und Institution“ und einen „Menschen, der sich engagiert, anpackt und anderen hilft“. Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie der Corona-Pandemie und nicht zuletzt auch der Flutkatastrophe, die das Land unlängst heimsuchte, sei die Zeremonie „ein Lichtblick“, sagte Ahnen im Foyer des Landesfinanzministeriums.

„Sie tun viele kleine und größere Dinge und haben damit das Gesicht der Welt zum Guten verändert“, zitierte sie ein Sprichwort. „In der Rückschau auf Hafners Vita hob die Ministerin zuallererst die Passagen hervor, die den gebürtigen Mainzer, der fast 30 Jahre der Stadionsprecher des 1. FSV Mainz 05 gewesen war, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machten. Klaus Hafner habe die Nullfünfer von der Oberliga Südwest in die Profiligen begleitet. Hafners Haltung, die in ihm ein Gräuel erwecke, wenn Menschen herabgewürdigt werden, führte beispielsweise dazu, dass er gemeinsam mit dem Gästeblock bei jedem Heimspiel die Aufstellung des Gästevereines präsentiert habe, ohne dass dies durch Missfallenskundgebungen der eigenen Anhänger gestört worden wäre, so Ahnen. Etwas Einmaliges in europäischen Stadien. „Darauf ist die Stadt stolz, weil dies viel über das Lebensgefühl, die Haltung und das Miteinander der Menschen in der Stadt aussagt.“

Seine Stimme habe der Mainzer darüber hinaus auch als Stadionsprecher der Deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft und Sprecher beim Handball und Basketball und nicht zuletzt 20 Jahre lang beim Gutenberg-Marathon erklingen lassen, zählte Ahnen auf und fuhr fort: „Leidenschaft und Respekt gegenüber anderen und kein Raum für Hass und Hetze in unserer Gesellschaft: Diese Charaktereigenschaften prägen das Engagement von Klaus Hafner.“ Der Hechtsheimer ließ seine markante Stimme und seine markigen Sprüche („Auf geht’s!“, „Lass’ de Hunger nit so spür’n!“) auch auf vielen Hechtsheimer Veranstaltungen wie etwa dem Hechtsheimer Weihnachtsmarkt erklingen.

Die Übergabe der Landesverdienstmedaille mit Klaus Hafner, OB Michael Ebling und Ministerin Doris Ahnen (v.l.). Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Das Markenzeichen des Mannes, der in seinem Leben viel über Menschen gelernt habe, sei zudem seine Freundlichkeit. Ahnen: „Das Schöne dabei ist: All diese Geschichten tragen Sie in Ihrem Herzen und nicht auf der Zunge.“ Nicht unerwähnt ließ die Politikerin die Verdienste des 67-Jährigen um die Mainzer Fastnacht, in der er seit knapp 50 Jahren aktiv ist: als Präsident und mittlerweile Ehrenmitglied und Ehrenvorstand des Carneval Clubs Weisenau 1948-Burggrafengarde oder als Begründer der „Mainzer Fastnachts Genossenschaft“. Zu den kommunalpolitischen Aktivitäten zählen unter anderem die Mitgliedschaften im Mainzer Stadtrat und – beratend – in den Ortsbeiräten in Hechtsheim und Weisenau, die Funktion des sportpolitischen Sprechers der CDU sowie die kooptierte Mitgliedschaft im Landesvorstand der CDU. „Sie sind ein Mensch, der anpackt und Hilfe leistet, ohne es an die große Glocke zu hängen“, fasste Ahnen zusammen. Den Wunsch und die Hoffnung, Klaus Hafners Handeln möge andere anstecken, es ihm gleich zu tun, äußerte der Mainzer OB Michael Ebling (SPD). „Das brauchen wir für unsere Gesellschaft.“

Klaus Hafner bedankte sich für die Ehrung: „Ich kann es jedem Menschen empfehlen: Engagiert euch im sozialen Bereich, ihr lernt dabei so viel, was ihr im Normalfall nie lernen würdet.“ Die Politik habe nun die einmalige Chance, ihre Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, fügte er im Hinblick auf die aktuelle Situation in den überfluteten Regionen hinzu. „Wenn sie all das, was sie den betroffenen Menschen und den Helfern versprochen hat, erfüllt.“ In einem persönlichen Wort verriet er aus eigener Erfahrung: „Das Helfen ist es, was wir heute mehr in die Gesellschaft hineintragen müssen. Helfen, helfen, helfen. Auch weil die Hilfe irgendwann zu einem selber zurückkehrt.“

Teilen
Vorheriger ArtikelZukunft des Wohnens im Heiligkreuz-Quartier
Nächster ArtikelWinzerfest beim VFR Nierstein
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.