Eine üppig blühende Fläche nach einer schonenden Mahd. Foto: red

BODENHEIM – Die Naturschutzgruppe Bodenheim hat die Monate des Lockdown genutzt, um Projekte voranzutreiben – soweit dies möglich war. Die Grünpatenschaftsfläche beispielsweise entwickelt sich prächtig. Aus der ursprünglichen, kurz gemähten Grasfläche wurde nun durch sanfte Pflegemaßnahmen ein kleines Paradies für Wildbienen, Falter, Insekten und andere Tiere. Die Wildbienennisthilfen werden bereits gut genutzt.

Eine schonende und stückweise Mahd, bei der die Blühinseln verschont werden, hat in Kombination mit dem feuchten Wetter viele Wildkräuter hervorgebracht: Mohn, die Wilde Karde, verschiedene Disteln, Margeriten, Reiherschnabel, Hirtentäschelkraut, Kornblumen, Kamille, Persischer Ehrenpreis und mehr. Alle sind auch wichtige Blühpflanzen für Wildbienen und andere Insekten.

Das Naturhotel mit seinem begrünten Dach. Foto: red

Daneben blühen die gepflanzten heimischen Stauden, wie Steinklee, Seifenkraut, Wiesensalbei, Glockenblumen und mehr in den Beeten. Das begrünte Dach des Naturhotels macht nun seinem Namen alle Ehre und hier blüht es ebenso.

Durch den vielfältigen Bewuchs haben sich auf der Fläche auch verschiedene Insektenarten eingefunden. Man sagt, von einer einheimischen Pflanze sind etwa zehn Tierarten abhängig. Und gerade viele bedrohte Wildbienenarten sammeln nur von wenigen bestimmten Wildkräutern Pollen, sind also von einigen wenigen Wildblumenarten abhängig. Auch bei Faltern besteht diese Abhängigkeit: nicht nur bei den Blüten, sondern auch vor allem bei den Fraßpflanzen der Raupen.

Das Naturhotel mit einer Trockenmauer und einem Wildstaudenbeet. Foto: red

Seit 30 Jahren ist ein Rückgang der Insektenbestände um 75 Prozent zu verzeichnen. Gleichzeitig sind die Tiere enorm wichtig für die Bestäubung der Kultur- und Wildpflanzen. Ein Rückgang dieser bestäubenden Insekten hat unmittelbare Konsequenzen für die gesamten Ökosysteme. Werden weniger Wildpflanzen bestäubt, produzieren sie weniger Samen und Früchte. Das hat unmittelbare Folgen für deren weitere Verbreitung. Außerdem sind die Samen und Früchte Futterquellen für Vögel und andere Tiere. Diese leiden somit nicht nur unter dem Schwinden ihres Lebensraums, sondern auch unter dem Rückgang pflanzlicher Nahrung. Ein Rückgang der Insektenbestände bedeutet außerdem weniger Futter für Singvögel oder Fledermäuse, und damit auch deren Bestandsrückgang. Auch auf jeden Einzelnen wirkt sich das Insektensterben aus: Weniger Bestäubungsleistung heißt nicht zuletzt auch: Geringere Ernten und höhere Preise der Lebensmittel.

Die Aktiven der Naturschutzgruppe erarbeiten momentan ein Konzept für ein Duft- und Barfuß-Labyrinths. Auch die Ausstattung der Beete mit Infoschildern und -tafeln ist geplant. Mit Torsten Jäger hat die Gruppe einen Fledermaus-Kundschafter des NABU.

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