Es grünt und blüht vor dem Stadtwerke-Hochhaus in der Neustadt. Das ist auch gut für das Kleinklima. Foto: Mandy Kramer

MAINZ – Wissenschaftliche Untersuchungen auf dem Vorplatz der Mainzer Stadtwerke AG belegen, dass auch kleine Grünflächen das Klima regulieren können. Im Frühjahr 2020 weihten die Stadtwerke eine etwa 150 Quadratmeter große Grünfläche auf dem Vorplatz des Stadtwerke-Hochhauses in der Rheinallee ein. Zuvor befanden sich hier Steinplatten, welche im Sommer die erhitze Luft in die Umgebung abstrahlten.

Nun sorgen hitzebeständige Steppenpflanzen für ein besseres Kleinklima und erhöhen die Lebensqualität. Das Projekt „Aus Grau wird Leben” sieht zukünftig noch weitere Errichtungen firmeneigener Grünflächen vor, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Vorstandssitzender Daniel Gahr erläuterte den Hintergrund: „Als kommunales Unternehmen haben wir uns der Nachhaltigkeit verpflichtet.”

Die Vorplatzumgestaltung wurde wissenschaftlich begleitet und analysiert. Achim Burst, Gutachter des Büros Ökoplana, dokumentierte, dass auch von kleinen Grünflächen wichtige „thermische Gunsteffekte” ausgehen. Im Sommer vergangenen Jahres ermittelte er Strahlungstemperaturen verschiedener Boden-Oberflächen und führte Luft- und Windmessungen auf dem Vorplatz durch.

Anschließend analysierte er, wie sich die neuen Pflanzen auf das Klima in der unmittelbaren Umgebung auswirken. Die Auswertungen der Messergebnisse zeigen, dass die Grünanlage trotz ihrer geringen Flächengröße eine Lufttemperatursenke auf dem Vorplatz ausbildet. Laut Burststellen sich in einer Höhe von einem Meter über dem Boden um bis zu 1,1 Kelvin niedrigere Lufttemperaturen gegenüber den angrenzenden versiegelten Vorplatzflächen ein.

Der Gutachter untersuchte zudem, wie unterschiedlich stark sich verschiedene Oberflächen auf dem Vorplatz der Mainzer Stadtwerke durch Sonnenstrahlung aufheizen. Es wurde belegt, dass die Grünanlage gegenüber asphaltierten und gepflasterten Arealen am Tag um etwa 2 bis 12 K niedrigere Oberflächentemperaturen aufweist. Durch Bewässerung der Pflanzen nimmt die Differenz um ca. weitere 5 K zu.

Oberbürgermeister Michael Ebling wies auf die Klimawandelprognosen des Deutschen Wetterdienstes hin, nach welchen die durchschnittliche Anzahl der Sommertage in der Mainzer Neustadt im Zeitraum 2031 bis 2060 von bislang 53 Tagen auf ca. 76 Tage steigen werde. „Die zunehmende Überhitzung unserer Städte erfordert entsprechendes konsequentes Handeln.”

Zukünftig sind weitere Begrünungsmaßnahmen im Bereich bisher versiegelter Flächen geplant, welche sowohl die Kläranlagen entlasten, als auch dabei helfen, die Höchsttemperaturen zu begrenzen. Zum Beispiel sollen Versiegelungen auf Schulhöfen, als auch in Bereichen des Taubertsbergbades in Grünanlagen umgewandelt werden. Darüber hinaus sollen zusätzliche Fassaden- und Dachbegrünungen errichtet werden – etwa im Zollhafen oder im Heiligkreuzviertel.

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