Nackenheims Ortsbürgermeister René Adler blickt optimistisch in die Zukunft. Foto: Archiv

NACKENHEIM – Seit nunmehr zwei Jahren amtiert René Adler als Ortsbürgermeister von Nackenheim. Zeit für ein erstes Fazit, besonders nach den schwierigen Monaten des ersten Corona-Winters.

Herr Bürgermeister, wo verbringen Sie dieses Jahr Ihren Sommerurlaub?

RENÉ ADLER: Ich freue mich auf einen erholsamen Urlaub mit meiner Familie am Gardasee und bei unseren Freunden in Südtirol.

Wie ist bei Ihnen persönlich die Stimmung, was den zweiten Corona-Sommer mit sinkenden Inzidenzwerten angeht?

RENÉ ADLER: Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich, dass die strengen Maßnahmen nun endlich sukzessive gelockert werden können. Nach all dem, was wir gemeinsam durchleben mussten, ist meine Hoffnung groß, dass die Inzidenzen nachhaltig zurückgehen und mit zunehmender Durchimpfung keine neue Welle droht. Allerdings ist es nicht so, dass die Pandemie vorbei wäre. Ich denke mit Sorgen an die Virusvarianten, die sich in der Welt stark ausbreiten. Um weitere Lockerungen zu erreichen, müssen wir uns weiterhin disziplinieren und uns an die Regeln halten. Auch wenn es den einen oder anderen nervt, auch wenn es mühsam ist und die ein oder andere Regelung unverständlich erscheint.

Hat die Gesellschaft aus der Krise gelernt? 

RENÉ ADLER: Ich denke, wir alle haben aus der Krise gelernt. Gastronomie, Veranstalter, Kulturschaffende und Vereine sind gut vorbereitet und haben durchdachte Hygienekonzepte entwickelt. Ich bin hoffnungsfroh, dass Genuss, Kultur, Sport und Ehrenamt schon bald wieder ohne große Einschränkungen ausgelebt werden können. Eine sehr lange Zeit mussten wir Verzicht üben, nun ist es an der Zeit, dass wir unsere rheinhessische Lebensfreude wieder zurückerlangen.

Wie würden Sie die Stimmung bei der Bevölkerung beurteilen?

RENÉ ADLER: Die neue Wortschöpfung „mütend“ trifft es denke ich ganz gut. Man ist Corona-müde und möchte endlich wieder das „alte“ Leben zurück. Man ist wütend auf die vielen unterschiedlichen Regelungen, auf unerfüllte Ankündigungen und Versprechungen. Das trübe Frühjahrswetter hat für eine zusätzliche Belastung gesorgt, da sich die Inzidenzen lange Zeit nur seitwärts bewegt haben.

Keine positive Stimmungen?

RENÉ ADLER: Gleichzeitig nehme ich schon eine zunehmend positive Stimmung wahr. Auch wenn noch viele auf die Impfung warten, ist doch Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Jeder Lockerungsschritt wird sehnsüchtig erwartet, unsere Bürgerinnen und Bürger informieren sich regelmäßig bei uns im Rathaus, was gemäß neuester Verordnung des Landes wieder möglich ist. Daran erkennen wir, wie sehr man sich nach Normalität sehnt. Vor allem für unsere Kinder und Jugendlichen ist es wichtig, dass sie wieder ein Stück weit Normalität erleben können.

Was an wichtigen Projekten konnte in Nackenheim in der ersten Hälfte des Jahres umgesetzt werden?

RENÉ ADLER: Wir arbeiten derzeit parallel an fünf Bebauungsplanverfahren für unsere Neubau- und Gewerbegebiete und den neuen Marktplatz in unserer Ortsmitte. Diese Verfahren erfordern einen enormen zeitlichen Einsatz des ehrenamtlichen Rathaus-Teams. Wir liegen insgesamt sehr gut im Zeitplan, so dass die Erschließung des Neubaugebietes „Hinter der Lehnsweide“ und des Gewerbegebietes Ende 2021/Anfang 2022 beginnen kann. Der Ortseingang in der Wormser-Straße aus Richtung Nierstein wurde neugestaltet und optisch mit Bepflanzungen aufgewertet. Dies war ein weiterer Baustein unserer Bemühungen, die Maßnahmen zur Ortsverschönerung konsequent umzusetzen. Die Maßnahmen zur Steinschlagsicherung im Rothenberg wurden Ende Februar abgeschlossen.

Was betrifft die Kinder und die Jugend?

RENÉ ADLER: Unsere Bestrebungen, die Spielmöglichkeiten auf unseren Spielplätzen und der Freizeitanlage weiter auszubauen, werden konsequent unter anderem auch mit Spenden umgesetzt. Weitere neue Spielgeräte wurden beschafft und alte Spielgeräte kostensparend durch die Mitarbeiter des Bauhofs saniert. Der Bebauungsplan für die neue Dirt-Bike Bahn in der Nähe zur Freizeitanlage wurde auf den Weg gebracht. Die Ausschreibung zur Sanierung des Sanitärbereichs in der Kindertagestätte Pommardstraße wurde durchgeführt. Jetzt in den Sommerferien kann der Umbau erfolgen.

Was ist in Nackenheim in der zweiten Jahreshälfte geplant?

RENÉ ADLER: Die Planungen für die Umgestaltung des Festplatzes zu unserem neuen Marktplatz sind weitestgehend abgeschlossen. Bereits im September soll der Umbau beginnen. Es ist uns gelungen, die Finanzierung der Neugestaltung über verschiedene Fördertöpfe zu sichern, um dem traurigen Zustand des Festplatzes ein Ende zu setzen. Insgesamt werden wir über 1,3 Millionen Euro in dieses Projekt investieren. Der Friedhof Nackenheim wird um die Fläche unterhalb des Zufahrtweges zur Kirche erweitert. Entstehen werden ein Friedwald und ein sogenannter „Friedwingert“. Die Bauarbeiten haben im Frühjahr begonnen. Auf der Fläche sollen viele neue Bäume gepflanzt und eine geschwungenen Rebzeile angelegt werden. Wir freuen uns sehr, dass wir diese neuen Bestattungsformen schon bald anbieten können.

Was ist sonst noch geplant?

RENÉ ADLER: Die Vorbereitungen für die Planung und Erschließung der Neubau- und Gewerbegebiete werden uns in der zweiten Jahreshälfte weiter stark fordern. Zur Sanierung der Unterführung Bellenäcker hoffen wir, noch in diesem Jahr Klarheit zur Förderhöhe und Förderfähigkeit der Maßnahmen zu erhalten. Aufgrund einer Verkehrsuntersuchung für den Bereich nördlich der Bahnlinie und rund um das Schulzentrum, möchten wir einige der benannten baulichen und verkehrsordnungsrechtlichen Maßnahmen zunächst provisorisch im Rahmen einer Test- und Probephase umsetzen. 

Und nächstes Jahr kann Nackenheim groß feiern.

RENÉ ADLER: 2022 feiern wir ein besonderes Jubiläumsjahr: 1250 Jahre Nackenheim. Die Vorbereitungen für die verschiedenen Veranstaltungen und Projekte laufen und werden in den kommenden Monaten verstärkt.

Sie selbst amtieren jetzt seit zwei Jahren. Wie lautet Ihr erstes Fazit?

RENÉ ADLER: Mein erster Gedanke: „Echt, schon zwei Jahre?“. Die zahlreichen Projekte sorgen dafür, dass wir zeitlich extrem gefordert sind. Ich bin froh, dass wir unsere Wunschprojekte trotz der Corona Pandemie alle auf den Weg bringen konnten und freue mich nun nach langen Vorplanungen auf die Umsetzung. Stolz bin ich auf das gesamte Rathausteam (unsere Sekretärin Julia Stauder, die Beigeordneten Jean Christophe Cossutta, Klaus Freidel und Jan Heckelsmüller), welche mich nach Kräften in allen Belangen unterstützen. Der Teamgedanke ist ein wesentliches Element unserer Arbeit im Rathaus und in der Verwaltung, auch die Mitarbeiter des Bauhofs und der Kitas gehören diesem gut funktionierenden Team an. Ich bin gerne Bürgermeister meiner Heimatgemeinde und freue mich besonders darüber, dass wir hin und wieder ein Lob für unsere Arbeit erhalten. 

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Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“