„Das grüne Tuch von Ebersheim“: Matthias Gill vor der Töngeshalle und Schulsporthalle, für die er sich intensiv eingesetzt hat. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

EBERSHEIM – Zuletzt wollte Matthias Gill nicht mehr. 18 Jahre lang war der Grünen-Politiker im Ebersheimer Ortsbeirat tätig. Nachdem er sich 2014 in der Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten durchgesetzt hatte, stieg Gill zum Ortsvorsteher des südlichsten Mainzer Stadtteils auf. „Jetzt gillt es richtig“, schrieb damals ein Onlineportal, das das Ortsgeschehen beobachtet. Doch nach nur fünf Jahren war Schluss mit dem Vorsitz bei den Sitzungen des Ortsbeirats. Gill verlor die Wahl gegen die christdemokratische Herausforderin Anette Odenweller. Seinen Sitz im Gremium behielt er bis vor Kurzem. Dann schmiss er enttäuscht hin (die Lokale berichtete). Für sein kommunalpolitisches Tun zeichnete ihn Oberbürgermeister Michael Ebling mit der Mainzer Ratsmedaille aus.

Doch für eine Auszeichnung habe er nie gearbeitet, bekennt Gill im Gespräch mit der Lokalen Zeitung. „Ich habe mich immer für alle Ebersheimer eingesetzt.“ Mehr Genugtuung als die Medaille verschaffe ihm der Anblick der Töngeshalle und der Schulsporthalle, für die drei Millionen Euro nach Ebersheim geflossen seien, sagt er. „Vieles von dem, was die Bürger im Stadtteil heute an positiven Entwicklungen ernten können, wurde in meiner Amtszeit als Ortsvorsteher in die Wege geleitet.“ So wie das neue Regenrückhaltebecken oder das Generationenprojekt der Mainzer Wohnbau. „Aber es waren auch viele kleinere Veranstaltungen, die es so nie gegeben hätte“, fügt er hinzu und nennt den monatlichen Kaffeetreff, die Zehnjahresfeier bei Aldi-Rewe und den Etappenstopp der Benefiz- Radsportveranstaltung „Vor-Tour der Hoffnung“. „Bemerkenswert waren auch die vielen Events mit den Grundschülern, ob es nun die Blumenkästen der Ortsverwaltung, die Schulwegverlosung, das Baumpflanzen auf dem Sportplatz oder die bunte Rathauserstürmung waren.“

Es sei ihm gleichwohl nicht bewusst gewesen, fährt Gill fort, „wie wichtig für viele die Parteizugehörigkeit ist. Er habe nie versucht, Parteieninteresse durchzusetzen. „Es ging mir immer ums Gemeinwohl. Aber ich war wohl für viele ein ,grünes Tuch‘, und da ich in Ebersheim ohne Parteilinie unterwegs war, hatte ich auch wenig Rückhalt bei den Mainzer Grünen.“

Gleichzeitig hat Gill in den Jahren, in denen die Lokale das Ortsgeschehen begleitet hat, bei Außenstehenden oft den Eindruck hinterlassen, er lasse sich nur schwer in seiner vorgefassten Meinung und in seinen Überzeugungen umstimmen. Von solchen Erfahrungen mit Gill weiß mancher Wegbegleiter zu berichten. Lag es im Bereich des Möglichen, dass Gill in der laufenden Legislaturperiode Ortsvorsteher geblieben wäre? Mit einem selbstkritischen Blick zurück vermutet Gill, er hätte „vielleicht noch mehr auf die Vereine zugehen“ sollen. „Jetzt bin ich draußen“, sagt er im Hinblick auf ein künftiges lokalpolitisches Engagement.

Mit dem Verzicht hofft er, dass künftig eine bessere Stimmung im Gremium herrscht. „Ich bin sehr gespannt, ob sich der Ortsbeirat durch mein Ausscheiden wieder dahin bewegt, wo er hingehört: zur Basis unserer demokratischen Willensbildung, mit einer Diskussionskultur und dem Willen, miteinander was für Ebersheim bewegen zu wollen.“ Aus seiner Sicht liegen viele Themen im Ort brach, „die von der Ebersheimer Koalition aus FDP, SPD und CDU nicht bearbeitet werden“.

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Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.