Nicht mehr länger Dezernentin: Katrin Eder. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Die Zeit von Katrin Eder (Grüne) als Verkehrsdezernentin ist vorbei. Die Politikerin ist neue Staatssekretärin für Mobilität im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität im Umweltministerium. Wir sprachen mit der früheren Dezernentin über ein nicht leichtes Amt und über umstrittene Entscheidungen.

Frau Staatssekretärin, wie leicht oder schwer ist es Ihnen gefallen, als Dezernentin Abschied zu nehmen?

KATRIN EDER: Auch wenn ich mich auf die neue Aufgabe als Staatssekretärin sehr freue, so fällt mir natürlich der Abschied schwer. Ich habe meine Aufgabe als Dezernentin stets sehr gerne ausgeführt. Ich konnte viele Projekte umsetzen, die das Gesicht der Stadt verändert und den Umwelt- und Klimaschutz vorangebracht haben. Das Ganze war nicht möglich ohne die engagierte Arbeit vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der städtischen Umwelt- und Verkehrsverwaltung.

Sie haben oft erhebliche, nicht selten auch unsachliche Kritik einstecken müssen. Wie sind Sie damit umgegangen?

KATRIN EDER: Der Umgang in unserer Gesellschaft wird zunehmend rauer. Hiervon sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unterschiedlichsten Bereichen – von der Verkehrsüberwachung bis zur Feuerwehr betroffen. Natürlich lässt das niemanden ganz kalt. Am Ende sagen jedoch Beleidigungen und unsachliche Kritik viel über die Menschen aus, die sie aussprechen. Es ist in einer Stadt wie Mainz selbstverständlich, dass nicht immer alle Menschen die gleiche Meinung zu einem Thema vertreten. Ich habe in meiner Amtszeit viele Diskussionen erlebt, die am Ende sehr fruchtbar und konstruktiv waren. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung von Bonifaziusstraße und Bonifaziusplatz. Viele der dort vorgebrachten Forderungen wurden in die Planungen eingearbeitet. Gleiches galt für das Großprojekt Mainzelbahn.

Wie sehen für Sie die TOP 3 der wichtigsten Maßnahmen aus, die in Ihrer Amtszeit unter Ihrer Verantwortung umgesetzt wurden?

KATRIN EDER: Bei der Vielzahl an wichtigen Projekten fällt es schwer, drei besonders herauszuheben. Im Bereich ÖPNV ist es ohne Zweifel die Mainzelbahn, das damals größte Straßenbahnprojekt Deutschlands. Das größte Einzelprojekt im Radverkehr ist das Fahrradparkhaus. Mit etwa 1000 Stellplätzen eines der größten in unserem Land. Stolz bin ich auch auf den Umbau der Großen Langgasse mit den angrenzenden Plätzen und Straßen. Aus einer Durchgangsstraße wurde städtischer Lebensraum mit viel Aufenthaltsqualität. Die Schaffung eines neuen Naturschutzgebiets auf dem Layenhof und die ökologische Sanierung des Zitadellenumfelds gehören zu den wichtigsten Projekten im Bereich Umweltschutz.

Würden Sie das Nein der Wiesbadener Bevölkerung als Niederlage bezeichnen?

KATRIN EDER: Nein, auch wenn ich das Aus für dieses Projekt sehr bedauere. Während die Mainzerinnen und Mainzer ihre Elektrisch‘ gewohnt sind und viele sie lieben, kennt man in Wiesbaden seit Jahrzehnten keine Straßenbahn mehr – daher hatte mein geschätzter Kollege in Wiesbaden eine schwere Ausgangssituation. In Mainz ist die Unterstützung für Straßenbahnausbauten weiterhin groß. Daher habe ich auch die Planungen für einen Innenstadtring sowie die Anbindung des Heiligkreuz-Viertels in die Wege geleitet.

Was würden Sie Ihrem Nachfolger bzw. Ihrer Nachfolgerin wünschen?

KATRIN EDER: Klimaschutz und Verkehrswende sind ohne tiefgreifende Veränderungen nicht machbar. Hierfür braucht es viel Mut, denn um ÖPNV, Rad- und Fußverkehr mehr Raum zu geben, muss der bisher von Autos dominierte Straßenraum umverteilt werden. Diesen schwierigen Prozess habe ich begonnen und wurde dabei von meiner Partei sehr unterstützt. Meiner Nachfolgerin wünsche ich, dass Sie für den weiteren schwierigen Weg der Verkehrswende Mehrheiten in den Ortsbeiräten findet.

Oberbürgermeister Michael Ebling war ebenfalls Dezernent, dann Staatssekretär, wurde dann OB. Eine Blaupause für Katrin Eder?

KATRIN EDER: Jeder Lebensweg ist anders. Blaupausen gibt es nicht. Jetzt freue ich mich erst einmal auf meine neue Aufgabe, bei der ich meine Arbeit für konsequenten Klima- und Naturschutz weiterverfolgen kann.

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Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“