Die Mainzer Autorin Anna Buchwinkel. Foto: Birgit Kastner

MAINZ – „Nach dem Verstand einfach geradeaus“, der bei Piper Humorvoll erschienen ist, ist der neue Roman der Autorin Anna Buchwinkel. Wir sprachen darüber mit der Mainzerin, unter anderem über Parallelen zu Corona und eigenen Erfahrungen.

Frau Buchwinkel, Ihr neuer Roman heißt „Nach dem Verstand einfach geradeaus“. Passt ja bestens in diese Corona-Zeiten, oder?

ANNA BUCHWINKEL: Ja. Die Zeiten sind wirklich verrückt. Und den Verstand zu verlieren, mag einem momentan durchaus plausibel erscheinen.

Hat der Roman mit Corona zu tun?

ANNA BUCHWINKEL: Der Roman hat zwar nichts mit Corona zu tun, Protagonist Quentin Finkenwinkel verliert aber dennoch seinen Verstand. Der würde – wie so mancher Verstand heutzutage – gerne das Leben kontrollieren, ist vom vielen Antizipieren möglicher Szenarien völlig erschöpft und brennt an einen Traumstrand durch. Grund für seinen Kontrolldrang ist der sogenannte Bestätigungsfehler. So wird die Neigung bezeichnet, Informationen so auszuwählen, zu interpretieren und zu gewichten, dass sie die eigenen Ansichten und Meinungen und damit das eigene Weltbild immer wieder bestätigen. Das zeigt sich aktuell in unserer Gesellschaft im Hinblick auf Impfungen, Maßnahmen und die Bewertung der Corona-Situation. Da scheiden sich die Geister und führen zu Polarisierungen quer durch Freundeskreise und Familien. Sich darüber bewusst zu werden, mag ein erster Schritt aufeinander zu sein.

Worum geht es in „Nach dem Verstand einfach geradeaus“ tatsächlich?

ANNA BUCHWINKEL:Es geht darum, was passieren könnte, wenn man einfach mal aus der gewohnten Weltsicht aussteigt und komplett unvoreingenommen auf die Welt zugeht.

Die unvermeidliche Frage: Wie viel an eigener Erfahrung steckt in dem Roman?

Das Cover des neuen Romans. Foto: Birgit Kastner

ANNA BUCHWINKEL: Einige Szenen und Figuren sind tatsächlich an meine Erfahrungen angelehnt. Ich habe beispielsweise zwei Jahre lang einen Querschnittsgelähmten begleitet und mich davon für die Figur des Rudi im Buch inspirieren lassen. Hauptsächlich spiegelt sich meine Erfahrung jedoch im Lernprozess des Verstandes wider. Auf meinen Reisen in die unterschiedlichsten Winkel der Erde habe ich festgestellt, dass das Leben wesentlich größer und bunter ist, als mein Verstand es mit seiner begrenzten Weltsicht erfassen kann. Und vor allem: dass es sich wesentlich entspannter lebt, wenn man das ein oder andere Missverständnis über Bord wirft, dem der Verstand im Laufe eines Lebens aufsitzt. Das habe ich im Buch überspitzt als Grundidee verwendet, indem ich der Hauptfigur Quentin Finkenwinkel seinen Verstand mit all seinen Denkmustern, Antworten, Meinungen und guten Tipps weggenommen habe.

Wann und wie sind Sie eigentlich Schriftstellerin geworden?

ANNA BUCHWINKEL: Bücher habe ich schon mein Leben lang geliebt. Als ich nach einigen Jahren in Asien nach Deutschland zurückkam und von meinen Reisen und Erlebnissen erzählt habe, bekam ich immer wieder zu hören, ich solle doch mal ein Buch schreiben. Und ich selbst hatte auch Lust darauf. Also habe ich einen Kurzgeschichtenkurs bei der Volkshochschule gebucht und angefangen zu schreiben. Das ist jetzt zehn Jahre und viele Geschichten her.

Wegen Corona haben viele zwangsläufig mehr Zeit. Merkt man das an den Verkaufszahlen?

ANNA BUCHWINKEL: Es wird mehr gelesen. Bei mir hat sich das vor allem im Hörbuchbereich niedergeschlagen.

Können Sie sich vorstellen, die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen in einem Roman aufzuarbeiten?

ANNA BUCHWINKEL: Es ist sicher ein Thema, an dem man als Schriftsteller nicht vorbeikommen wird und es bietet auch viele Möglichkeiten. Momentan reicht mir aber die Beschäftigung damit im Alltag.

Woran arbeiten Sie derzeit?

ANNA BUCHWINKEL: Ich habe vor ein paar Jahren eine Drehbuchausbildung gemacht und arbeite momentan an einem Webserienkonzept fürs Schweizer Fernsehen. Ob und wie weit das weiterentwickelt wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“