Tobias Mann plant in den kommenden Monaten in der Region fünf Auftritte. Foto: Thomas Klose

MAINZ – Der in der Region bestens bekannte Kabarettist Tobias Mann hat nach der Corona-bedingten Zwangspause wieder einige Liveauftritte in der Region geplant: am 6. 6. in Oppenheim, am 11. 6. in Finthen, am 3. 9. in Hechtsheim und am 9. 10. in Bodenheim. Darüber und über mehr sprachen wir mit dem Allroundtalent.

Herr Mann, Ihr Programm heißt „Chaos“. Zufall oder dem Chaos der Corona-Politik geschuldet?

TOBIAS MANN: Das Programm samt Titel ist weit vor der Pandemie entstanden. Seinerzeit aus dem Gefühl heraus, dass das gesellschaftliche und politische Weltgeschehen immer unübersichtlicher, verrückter und tatsächlich auch chaotischer wird – und mit ihm auch die eigene Wahrnehmung. Dass sich damit nun auch vor allem die jüngsten Entwicklungen im Handling der Pandemie charakterisieren lassen, ist für den Kabarettisten Tobias Mann eine glückliche Fügung. Für den Menschen Toby Mann aber natürlich alles andere als das.

Worum geht es Ihrem aktuellen Programm?

TOBIAS MANN: Ich nehme die Zuschauer mit auf eine Reise durch das Chaos in meinem Kopf. Als berufsbedingter News-Junkie geht es mir oft so, dass ich über eine Eil-Nachricht noch nachdenke, während die nächsten zwei schon aufgeploppt sind. Es fordert bzw. zuweilen überfordert viele von uns, dass die Tagesaktualität einer Minutenaktualität gewichen ist. Mich auch. Darum versuche ich stellvertretend fürs Publikum, Ordnung in gesellschaftliche und politische Vorgänge zu bringen, Verbindungen herzustellen, wo man keine vermutet, und dem kreative Chaos freien Lauf zu lassen. Dabei erkläre ich die Dynamik der sozialen Netze, entwickle ganz neue pädagogische Konzepte für Eltern im Homeoffice, singe das Coronavirus in Grund und Boden und mutiere am Ende zum Influencer wider Willen. Am Wichtigsten aber: Ich gebe eine Anleitung, wie man angesichts der Nachrichtenlage seinen Humor behält.

Wie viele Auftritte hätten Sie 2020 gehabt, hätte es Corona nie gegeben?

TOBIAS MANN: Als Profi-Chaot fehlt mir da der genaue Überblick. Dafür ist glücklicherweise mein Agent zuständig. Der könnte es ganz genau sagen. Zusätzlich zu Radio- und Fernsehauftritten spiele ich in der Regel so um die 100 Live-Auftritte. Gerade Letztere waren natürlich pandemiebedingt stark reduziert.

Wie viele Auftritte waren es tatsächlich?

TOBIAS MANN: Wieder geschätzt: um die 20. Viele davon allerdings unter Corona-Bedingungen, also mit reduziertem Publikum oder Open-Airs in Autokinos.

Wie sind Sie durch das Jahr 2020 gekommen?

TOBIAS MANN:  Emotional ist es schon hart, so lange nicht vor Publikum spielen zu können. Ich vermisse die Leute sehr. Ich hoffe, sie mich vielleicht auch ein wenig. Ansonsten habe ich das große Glück, dass ich mir in den letzten Jahren ein bisschen was auf die Seite legen konnte. Insofern komme ich finanziell wahrscheinlich mit einem blauen Auge davon. Ich will darum auch gar nicht groß jammern, weil ich zu den Privilegierten in dieser Krise gehöre. Viele Kollegen und Kolleginnen oder Theaterbetreiber und Theaterbetreiberinnen haben dieses Glück nicht. Da herrscht große Not, auch weil von staatlicher Seite nicht adäquat geholfen wurde und wird. Gerade die Kulturszene war im Kampf gegen das Virus stets engagiert und hat alles versucht, Teil der Lösung zu sein. Der Schutz unserer Zuschauer steht stets an erster Stelle, weswegen auch die notwendigen Maßnahmen verständnisvoll mitgetragen werden und wurden. Umso frustrierender ist es, dass gerade diese Branche politisch so wenig Beachtung findet.

Wie haben Sie eigentlich die knapp drei Monate ohne Friseurbesuch überstanden?

TOBIAS MANN: Wenn die Matte beängstigende Ausmaße angenommen hatte, hat meine Frau todesmutig zu Schere und Langhaarschneider gegriffen und die schlimmsten Auswüchse beseitigt. Dabei hatten wir beide immer viel Angst vor dem Ergebnis. Die gemeinsame Bewältigung dieser Prüfung hat uns als Partner aber noch mal mehr zusammengeschweißt. Jetzt kann uns nichts mehr schrecken. Ich war übrigens immer noch nicht beim Frisör, weil ich den Zeitpunkt verpasst habe, mir einen Termin zu besorgen. Ich spüre förmlich, dass meine Frau gerade den Rasierer anwirft!

Sie sind bekanntlich in der Mainzer Fastnacht groß geworden. Juckt es Sie nicht, mal wieder in einer Sitzung aufzutreten?

TOBIAS MANN: Natürlich. Immer wieder aufs Neue. Andererseits feiere ich ja auch gerne im Publikum mit. Das konnte ich früher nie, weil ich immer auftreten musste. Da ich aber in normalen Zeiten auch abseits der Fastnacht ausreichend Bühnenluft schnuppern kann, ist der Drang auf die närrische Rostra nicht so groß, dass ich meinen Platz mit Schoppeglas im Saal in naher Zukunft gegen die Bütt tauschen würde.

Sie treten Mitte April in Baden-Baden auf, wo das Durchschnittsalter noch höher ist als in Wiesbaden. Bereiten Sie sich ganz speziell auf diese gediegene, gut situierte Zuhörerschaft vor?

TOBIAS MANN: Also ich muss ich doch sehr bitten! Das ist ein böses Klischee über Baden-Baden. Die Menschen, die ich dort bisher in meinen Shows gesehen habe, waren äußerst rüstig und konnten sich noch selbständig hinsetzen und am Ende der Show sogar wieder aufstehen. Sollte der Altersschnitt dort tatsächlich höher sein, sind die Leute äußerst jung geblieben. Eigentlich kein Wunder, ist schließlich ein Kurort.

Welche Stadt, welche Stätte wäre für Sie der Traum für einen Auftritt?

TOBIAS MANN: Da muss ich nicht lange überlegen: New York City im Comedy Cellar. Das ist wohl einer der legendärsten Comedyclubs der Welt. Ein winziger Laden im Village, in dem schon alle Großen und ganz Großen aufgetreten sind. Würde man mir dort eine Auftrittschance bieten, hätte ich allerdings noch mehr Angst als vor der Frisierschere meiner Frau. 

Eine Show mit Live-Sketchen und Stargästen – das funktioniert in den USA mit „Saturday Night Live“ seit knapp 50 Jahren. Warum nicht in Deutschland?

TOBIAS MANN: Na, es hat ja mal funktioniert: in den 90ern bei RTL Samstag Nacht. Das war legendär. Warum es derzeit kein Pendant in Deutschland gibt, kann ich tatsächlich nicht so wirklich beantworten. Das Talent wäre da – sowohl auf Künstler- als auch Autorenseite. Ich fürchte, die TV-Sender scheuen die Aufbauarbeit, die ein solches Projekt erfordern würde.

Könnten Sie sich vorstellen, an solch einer Show teilzunehmen – als festes Mitglied oder als Stargast.

TOBIAS MANN: Natürlich könnte ich mir das gut vorstellen. Ich bin zwar durch und durch Live-Künstler, aber die komödiantischen Möglichkeiten, die eine TV-Produktion bietet, sind großartig und sorgen für eine breite Palette an zusätzlichen Ausdrucksmöglichkeiten.

Sie werden im August 45 Jahre alt. Welchen Trinkspruch wollen Sie zu Ihrem 50. Geburtstag im Jahr 2026 am liebsten hören?

TOBIAS MANN: „Trinken wir heute noch mal auf ihn. Schon morgen schneidet ihm seine Frau die Haare live auf der Bühne des Comedy Cellars!“

Teilen
Vorheriger Artikel„Wirtschaft nach dem Lockdown wiederbeleben“
Nächster ArtikelCDU: brauchen zusätzliche Rheinbrücke
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“