Der Gedenkstein für die Opfer des Faschismus mit der Stele. Foto: Wirtschaftsbetrieb Mainz

MOMBACH – Könnte der Gedenkstein für die Opfer des Faschismus 1933-1945 auf dem Mombacher Waldfriedhof sprechen, er hätte viel zu erzählen. Von der Grundsteinlegung am 21. März 1948, von der Einweihung im August desselben Jahres, von den Menschen, die diesen Ereignissen beiwohnten, und von den Entwicklungen und Veränderungen, die die darauffolgende politische Zeit mit sich brachte.

Denn im Zuge der Auseinandersetzungen rund um den Kalten Krieg verbot die damalige Landesregierung bereits 1955 die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), die den Stein gestiftet und der Stadt Mainz geschenkt hatte. Das hatte auch Auswirkungen auf den Gedenkstein. 1962 wurde der ursprünglich zum Gedenken an die Verfolgten und Häftlinge der Konzentrationslager eingemeißelte Winkel durch ein Kreuz ersetzt.

Diese neue Stele dokumentiert wechselhafte Geschichte des Gedenksteins auf dem Mombacher Waldfriedhof. Foto: Wirtschaftsbetrieb Mainz

Die Form des inhaltlichen Gedenkens wurde so verändert und auf ein reines Totengedenken reduziert. Als die VVN nach dem Scheitern eines bundesweiten Verbotsversuchs auch in Rheinland-Pfalz wieder auftreten durfte und rehabilitiert wurde, setzte sie sich u.a. lange dafür ein, den ursprünglichen Winkel wieder anzubringen. Mit Erfolg. Im Oktober 2019 beschloss der Stadtrat, das Mahnmal zu restaurieren und möglichst in seinen Ursprungszustand zurückzuführen und beauftragte den Wirtschaftsbetrieb Mainz als Friedhofseigner mit der Durchführung.

Zusammen mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), und dem Bildhauer Clemens Strugalla entstand ein Konzept, bei dem die Spuren der Geschichte des Gedenksteins sichtbar geblieben sind. Die Enden, des über den ursprünglichen Winkel gemeißelten Kreuzes, schauen unter dem neuen Winkel hervor.

Neben der Renovierung und Sanierung des Steins, informiert eine neue Stele im Rahmen der Konzeption „Historisches Mainz. Mainzer Geschichte sichtbar machen“ über die wechselhafte Geschichte des Denkmals auf dem Mombacher Waldfriedhof. Im Rahmen dieses Konzeptes wurden bislang rund 240 Tafeln und Stelen im Stadtgebiet Mainz aufgestellt. Auch auf den Mainzer Friedhöfen erläutern diese Tafeln Geschichte und Kunstgeschichte der Friedhöfe und Denkmäler.

Das ursprünglich für den Jahrestag der Grundsteinlegung am 21. März geplante gemeinsame würdige Gedenken wird Pandemie-bedingt auf den Sommer verlegt.

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