Mark Stehle, Vorstand der Genobank Mainz. Foto: red

MOMBACH – Vor 125 Jahren wurde die heutige, in Mombach ansässige Genobank gegründet und hat sich seitdem mehrmals ganz besonderen Herausforderungen stellen müssen. Aktuell ist es unter anderem die Corona-Pandemie mit ihren wirtschaftlichen Auswirkungen. Darüber und mehr sprachen wir mit Mark Stehle, Vorstand der Genobank Mainz

Herr Stehle, wie ist die Genobank durch das erste Coronajahr 2020 gekommen?

MARK STEHLE: Glücklicherweise ist bislang keiner unserer Mitarbeiter an Corona erkrankt. Wir haben zahlreiche Maßnahmen sowie ein Hygienekonzept für Mitarbeiter und Kunden initiiert. Die Corona-Krise hat auch einen deutlichen Digitalisierungsschub gebracht. Digitale und mobile Arbeitsformen haben zugenommen. Wir haben weitere mobile Arbeitsplätze angeschafft, sodass unsere Mitarbeiter ihre Aufgaben auch von zu Hause aus erledigen können. Auch wirtschaftlich gesehen sind wir gut durch das Pandemiejahr gekommen. Bisher gibt es keine Kreditausfälle und für künftige Risiken haben wir ausreichend Vorsorge getroffen.

Wie sind aktuell die wirtschaftlichen Aussichten der Genobank für 2021?

MARK STEHLE: Trotz der Null-Zins-Politik der EZB und weiteren Herausforderungen wie der Digitalisierung haben wir das Jahr 2020 wieder erfolgreich abgeschlossen. So konnten wir unsere Bilanzsumme von 285 Mio. Euro auf 316 Mio. Euro steigern, dies ist ein neuer Rekordwert in der 125 jährigen Geschichte unseres Hauses. Des Weiteren haben wir bei den Kundenforderungen kräftig zugelegt hier liegt das Wachstum gegenüber dem Vorjahr bei 10 %. Die Kundeneinlagen entwickelten sich auch sehr positiv, hier haben wir ca. 5 % zugelegt. Unsere Planungen deuten auch im Jahr 2021 daraufhin, dass wir an diese erfreuliche Entwicklung anknüpfen werden. Wir planen mit einem Kreditwachstum von 5 % und einem Einlagenwachstum von 2,5 %.

Unabhängig von Corona schreitet der digitale Zahlungsverkehr voran. Was bietet die Genobank in dieser Hinsicht an?

MARK STEHLE: So gut wie alle Geldangelegenheiten lassen sich heute jederzeit und an jedem Ort online erledigen. Über 85 % der Internetnutzer verwenden bereits Onlinebanking. Wir bieten unseren Kunden zahlreiche digitale Zahlungsverkehrsmöglichkeiten an. Angefangen beim klassischen Onlinebanking über Echtzeit-Überweisung bis hin zur Zahlung mit Karte oder dem Smartphone. Des Weiteren wird im Laufe des Jahres die neue VR-BankingApp kommen. Das Online-Konto wird durch die Einführung einer sogenannten Vertriebsplattform bis Ende des Jahres zum universellen Schlüssel für die Angebote unseres Hauses sowie zur Kommunikationsplattform zwischen Kunde und Berater. Des Weiteren bieten unsere Verbundpartner wie z. B. die R+V Versicherung verschiedene App’s an. Mit der App „R+V-ArztSuche“ findet man im aktuellen Umkreis weltweit schnell medizinische Hilfe, Ärzte und Krankenhäuser.

Glauben Sie persönlich daran, dass das Bargeld in absehbarer Zeit ausgedient hat?

MARK STEHLE: Ich glaube persönlich nicht daran, dass Bargeld in Deutschland abgeschafft wird. Ich glaube die Menschen möchten grundsätzlich nicht auf Bargeld verzichten. Dafür hat es in unserer Gesellschaft einen zu hohen Stellenwert. Man denke nur mal an Redensarten wie „Nur Bares ist Wahres“ oder der altbekannte „Sparstrumpf“. Dies sind Formulierungen, die nicht von ungefähr kommen. Aber auch Datenschutzbedenken und Vorbehalte gegen das Finanzsystem im Allgemeinen sind ein Treiber für die Bargeldhaltung. Jedoch werden die bargeldlosen Zahlungen an Bedeutung gewinnen, das hat man ja auch während der Coronapandemie gesehen, da hat das „Kontaktlos Bezahlen“ stark zugenommen.

Wie sehen die Herausforderungen aus, die Genobank auch weiterhin als unabhängige Einrichtung in die Zukunft zu führen?

MARK STEHLE: Solange es Menschen gibt, die bei der Abwicklung ihrer Bankgeschäfte klassische Werte wie Nähe, Fairness und Transparenz schätzen, ist uns da nicht bange. Bodenständigkeit ist für uns kein Schimpfwort, sondern ein Qualitätsaspekt. Wir wissen, wo wir herkommen und sind stolz darauf. Gleichzeitig spüren wir gerade in den letzten Jahren, dass sich in der Bankenwelt durch die zunehmende Digitalisierung aber auch durch eine immer mehr zunehmende Standardisierung in den Prozessen die Individualität auf der Strecke bleibt. Rein betriebswirtschaftlich sind diese Weiterentwicklungen sicher unumgänglich, weil der Kostendruck enorm ist. Trotzdem darf die persönlich menschliche Seite im Bankgeschäft nicht fehlen. Das sehen wir für uns als Chance. Wir hören unseren Kunden zu, können deren Wünsche aber auch Sorgen einordnen und hervorragende Lösungen bieten. Das sind die Schwachpunkte von Algorithmen und zentral gesteuerten Großbanken. Hier eine clevere Balance zu finden ist eine spannende Herausforderung, die wir angenommen haben und die unsere Bank auch in Zukunft erfolgreich machen wird.

Eine Fusion ist also definitiv kein Thema?

MARK STEHLE: Unser Ziel ist, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen und die Genobank Mainz auch in den nächsten Jahren in der Eigenständigkeit weiterzuentwickeln. Wir sind gut aufgestellt, verstehen unser Handwerk und haben ein funktionierendes Geschäftsmodell.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“