Monika Schmitz hat vor einem Jahr „Mombach hilft“ über eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen. Foto: Ralph Keim

MOMBACH – Ein Jahr „Mombach hilft“, ein Jahr einer Erfolgsgeschichte, die mit einer WhatsApp-Gruppe am 13. März 2020 begann. Dazu sprachen wir mit der Initiatorin Monika Schmitz.

Frau Schmitz, wie kam es zur Gründung von „Mombach hilft“?

MONIKA SCHMITZ: Durch die Meldungen im damaligen ersten Corona-Lockdown und den Fragen, die sich mir in einer ruhigen Minute stellten. Denn wir wussten alle nicht viel über das Virus, seine Übertragung und seine Gefährlichkeit. Aber mir war klar, dass ich anpacken muss und denen helfen möchte, die nicht mehr so mobil sind, die in Quarantäne müssen oder durch Vorerkrankungen sowieso schon sehr belastet sind. Daher gründete ich die WhatsApp Gruppe „Mombach hilft“. Dann ging es Schlag auf Schlag. Daniela Gönner wurde Administratorin der Gruppe. Über die sozialen Medien war die Gruppe auf einmal voller Menschen, die zum einen auch alle helfen wollten, aber zum anderen so wenig über das Coronavirus wussten.

Und wie ging es dann weiter?

MONIKA SCHMITZ:Es mussten schnell Strukturen geschaffen werden. Wir gründeten einen Koordinierungsstab. Michael Zangi, Betreiber von www.mombach.de, gestaltete unser Logo und die ersten Flyer, auf denen unser Angebot und die Kontaktdaten erkennbar waren. Mit einer Spende der Genobank, der ersten tollen Unterstützung unseres Ortsvorstehers Christian Kanka und durch ein riesiges Netz an Ehrenamtlichen aus der WhatsApp-Gruppe wurden 10.000 Flyer an alle Haushalte in Mombach verteilt.

Wie war die Resonanz in den ersten Wochen?

MONIKA SCHMITZ: Überwältigend, nervenaufreibend, spannend, zeitintensiv, aber wunderschön. Wir konnten innerhalb kürzester Zeit hunderte Anfragen aus dem Stadtteil koordinieren und bedienen.

Wie hat „Mombach hilft“ zu Beginn geholfen?

MONIKA SCHMITZ: Wir aus dem Koordinierungsstab haben alle Anfragen telefonisch angenommen und dann in die WhatsApp-Gruppe gestellt, um so die Hilfen zu vermitteln: Einkaufshilfen, Arzt- und Botengänge oder auch Unterstützung beim Gassi gehen. Außerdem haben wir die Kosten für Taxifahrten übernommen, wenn ältere oder kranke Menschen Arzttermine hatten und keinen Transportschein der Krankenkasse bekamen oder der Familien- und Bekanntenkreis nicht unterstützen konnte. Und natürlich haben wir telefoniert wie die Weltmeister, denn besonders bei den älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern war der Bedarf nach Informationen und Austausch sehr hoch. Schnell bekamen wir auch die ersten Förderungen vom Land und von „Mainz hilft sofort“. Damit konnten wir beispielsweise im April und Mai mithilfe von ehrenamtlichen Näherinnen rund 1000 Stoffmasken nähen und diese unteranderem an die ersten Klassen beider Mombacher Grundschulen verteilen.

Wie haben sich die Hilfsaktionen dann weiterentwickelt?

MONIKA SCHMITZ: Nachdem sich die Lage im Sommer erst einmal beruhigt hatte, konnten auch wir durchatmen. Die Anfragen wurden dadurch weniger, da wir aber auch von Anfang an darauf Wert gelegt hatten, Patenschaften zu bilden. Denn besonders die Älteren brauchen Vertrauen und feste Strukturen. Bis heute konnten wir dadurch etwa 300 Patinnen und Paten vermitteln, die zum Teil auch schon bald ein Jahr aktiv sind. Darüber sind wir mehr als dankbar.

Überflüssig wurde das Hilfsangebot also nicht?!

MONIKA SCHMITZ: Wir haben gemerkt, dass nachbarschaftliche Hilfe nicht nur während einer Pandemie stark gefordert ist. Daher kam schnell der Wunsch auf, uns weiterhin nachhaltig im Stadtteil einzubringen. Wir haben erste Gespräche geführt und auch Kooperationen mit anderen Akteurinnen und Akteuren sowie bestehenden Vereinen aus dem Stadtteil geschlossen – wie z.B. der Caritas, dem Pflegestützpunkt, den Fastnachtsvereinen, dem Mombacher Gewerbeverein oder auch wie zuletzt dem Mombacher Turnverein. Wir sehen uns als Vermittlungspunkt zwischen den Mombacher Bürgerinnen und Bürgern sowie den Vereinen. Dabei ist es uns wichtig, über all unsere Aktionen zu berichten und die Menschen daran teilhaben zu lassen. So konnten wir beispielsweise schnell ein Netzwerk in den Sozialen Medien wie Instagram oder Facebook aufbauen. Oder lokale Foodsaver nutzen unsere WhatsApp-Gruppe, um auf ihre Angebote aufmerksam zu machen. Auch können wir uns seit unserer Vereinsgründung in der Stadtteilrunde der Sozialen Stadt einbringen. Eine große Unterstützung bei alledem ist uns die enge Zusammenarbeit mit Ortsvorsteher Kanka.

Warum wurde „Mombach hilft“ dann in einen Verein umgewandelt?

MONIKA SCHMITZ: Wir wollen nachhaltig im Stadtbild erhalten bleiben und mit unseren Ideen, unserem Elan und auch unserer Einstellung – eher anzupacken als zu meckern – einen Anreiz für ein Zusammenleben mit Nachsicht und Fürsorge gegenüber den schwächsten aus dem Stadtteilschaffen. So konnten wir Strukturen entwickeln, die wirken und den Mombacherinnen und Mombachern vielleicht hier und da einfach ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Was uns aber auch sehr wichtig ist: Wir schaffen es mit unseren Aktionen, den Zusammenhalt im Stadtteil nachhaltig zu fördern.

Wie viele Aktive hat der Verein jetzt?

MONIKA SCHMITZ: In unserer WhatsApp-Gruppe haben wir um die 160 Mitglieder, davon hilft in etwa die Hälfte aktiv. Der Rest freut sich über Informationen und Aktionen, die wir in der Gruppe teilen. Der Verein unter dem Vorsitz von Daniela Gönner hat derzeit an die 30 Mitglieder. Darunter haben wir auch einen starken Beirat, worauf wir sehr stolz sind. Dieser ist besetzt mit bekannten Poltikerinnen und Politikern wie Ministerin Doris Ahnen, MdB Tabea Rößner, Dezernentin Manuela Matz, OB Michael Ebling und Ortsvorsteher Kanka sowie David Dietz und auch Mark Stehle als Vertreter des Mombacher Gewerberings.

Was ist in diesem Jahr geplant?

MONIKA SCHMITZ: Zum einen planen gerade eine kleine Aktion zu Ostern: Wir wollen mehrere soziale Einrichtungen Mombachs mithilfe von Osterdekoration sowie selbstgebasteltem Fensterschmuck österlich schmücken. Zum anderen werden wir – natürlich unter Einhaltung der Corona-Regeln, den DreckWeg-Tag unterstützen und so Mombach von Müll befreien. Auch überlegen wir, dies in unregelmäßigen Abständen öfter anzubieten. Außerdem bewerben wir uns gemeinsam mit der Kommune, dem Mombacher Gewerbering sowie der Caritas um die Marke „Engagierte Stadt“, die in diesem Jahr an weitere 27 Städte, Kreise oder Stadtteile aus ganz Deutschland verliehen wird. Mit diesem Netzwerk und einer starken finanziellen Förderung wollen wir eine Imagekampagne für Mombach starten und bürgerliches Engagement bündeln sowie besser vernetzen. Zudem planen wir Digitalisierungsworkshop für ältere Menschen sowie eine eigene Homepage für unseren Verein. Des Weiteren war und ist es immer unsere Stärke, schnell auf neue Gegebenheiten zu reagieren.

Wird das Einjährige irgendwie gefeiert?

MONIKA SCHMITZ: Leider können wir Corona-bedingt am 13. März nur digital und in kleiner Runde auf ein Jahr „Mombach hilft“ anstoßen. Was wir uns aber von Herzen wünschen, ist, dass wir im Laufe des Jahres die Möglichkeit finden, mit allen Helferinnen und Helfern, allen Mitgliedern und Unterstützenden einmal richtig feiern zu können.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“