Zugmarschallin Siggi Peege. Foto: red

MOMBACH – Corona sorgt unter anderem dafür, dass auch der Schissmellezug, der stets an Fastnachtdienstag stattfindet, abgesagt werden musste. Darüber sprachen wir mit Siggi Peege, seit 2008 die Zugmarschallin seit 2008.

Coronabedingt muss in dieser Kampagne auch der Schissmelleumzug ausfallen. Archivfoto: Helene Braun

Frau Peege, wie sehr hat Sie die Absage des Schissmellezugs getroffen?

SIGGI PEEGE: Die Absage schmerzt mein Fastnachterherz sehr! Allerdings halte ich die Absage den Umständen geschuldet und für absolut notwendig.

Was macht die Zugmarschallin in der unfreiwillig gewonnenen freien Zeit?

SIGGI PEEGE: Was die meisten Menschen im Corona-Lockdown machen: Kontakte einschränken, Hygienevorschriften einhalten und versuchen, die Coronazeit zuhause unbeschadet zu überstehen.

Was ist an Fastnachtdienstag 2021 geplant?

SIGGI PEEGE: Von meiner Seite aus nichts. Wenn überhaupt was stattfindet, dann entsprechend der Corona-Vorschriften. In der derzeitigen Lage sehe ich da kaum Möglichkeiten. So fand ja auch die Ortsverwaltungserstürmung dieses Jahr nur symbolisch durch das Hissen der Fastnachtsfahne an der Ortverwaltung statt. 

Wie verbringen Sie den Fastnachtdienstag 2021?

SIGGI PEEGE: Ich werde den Fastnachtsdienstag mit meinem Mann in unserem fastnachtlich geschmückten Zuhause verbringen und wehmütig an die schönen Erlebnisse anlässlich der vergangenen Schissmelledienstagsumzüge denken.

Können Sie sich vorstellen, den Umzug vielleicht im Spätsommer nachzuholen?

SIGGI PEEGE: Ich selbst könnte mir das mit viel Optimismus schon vorstellen. Allerdings wäre das von der Planung und Organisation her kaum machbar. Die derzeitige Situation wird sich sicher bis zum Sommer nicht dahingehend geändert haben, dass eine Massenveranstaltung erlaubt würde. Fraglich wäre auch, ob die normalerweise teilnehmenden Vereine mitmachen würden.

Wie viele Stunden haben Sie wöchentlich in den Jahren vor Corona in den Umzug investiert?

SIGGI PEEGE: Wie die meisten ehrenamtlich Tätigen zähle ich die Stunden nicht, die durch mein Ehrenamt erforderlich werden. Ich kann nur sagen, dass die Vorbereitungen bei kurzen Kampagnen bereits in der Vorweihnachtszeit anfangen. Die Einladungen müssen verschickt und der Rücklauf überwacht werden. Mit den entsprechenden Ämtern und Stellen wie z.B. dem Ordnungsamt als Genehmigungsbehörde, dem DRK für den Sanitätsdienst, Polizei, Feuerwehr, und der Mainzer Mobilität müssen Planungen erstellt und Absprachen getroffen werden. Erst danach kann der eigentliche Fastnachtsumzug zusammen gestellt und der Zugplan erstellt werden. In den letzten Jahren war davor auch noch entsprechend der Bauarbeiten auf der Hauptstraße der Zugweg festzulegen. Und überhaupt, muss die Zeit nicht nur in die Veranstaltung selbst investiert werden. Das ganze Jahr über wird der Kontakt sowohl zu den veranstaltenden als auch zu den teilnehmenden Vereinen aufrecht erhalten. Durch mein Amt als Zugmarschallin bin ich Mitglied in allen Mombacher Fastnachtsvereinen. Jahraus und Jahrein versuche ich aber auch ständig neue Teilnehmer zu akquirieren. Das Ganze summiert sich schon im Laufe des Jahres. Die Pflege unseres Brauchtums und die vielen freundschaftlichen Kontakte in Fastnachtskreisen sind mir den Aufwand allemal wert. Fastnacht ist einfach mein Ding! Es kommt auch viel an Positivem zu mir zurück. Anders wäre für mich mein Engagement auch nicht möglich. Dieses Jahr hätte der 14. von mir geplante und durchgeführte Schissmelledienstagzug stattgefunden.

Welcher Schissmellezug hat Sie als Zugmarschallin am meisten beeindruckt und warum?

SIGGI PEEGE: Der Schissmelledienstagszug 2016, als der Rosenmontagszug wetterbedingt abgesagt werden musste. Nach der Absage stand mein Telefon nicht mehr still. Viele Vereine baten darum, wenigstens an unserem Zug teilnehmen zu dürfen, da war Flexibilität gefragt. Am Fastnachtdienstag stand nun der größte Zug, der in Mombach jemals stattgefunden hat, bereit und wartete auf das Okay der Genehmigungsbehörde. Wetterbedingt durfte der Zug stattfinden. Aber: Es war zwar kein Sturm, aber der Himmel öffnete sämtliche Schleusen und es regnete ausgiebig und ohne Unterlass. Es war der nasseste Fastnachtsumzug, den ich jemals mitgemacht habe. Da bekam die Bezeichnung Narrenschiff eine ganz andere Bedeutung. Die geworfenen Gutsjer schwammen im wahrsten Sinne des Wortes die Suderstraße hinunter. Alle Teilnehmer waren schon zu Anfang nass bis auf die Haut, aber glücklich, überhaupt Straßenfastnacht feiern zu können.

In welchem Jahr haben Sie erstmals einen Schissmellezug besucht?

SIGGI PEEGE: Das kann ich gar nicht so genau sagen, vermutlich als Kind. Meine Familie besuchte gerne und ausgiebig die kleinen Umzüge um Mainz herum.

Was wünschen Sie sich für den Schissmellezug 2022, der am 1. März ansteht?

SIGGI PEEGE: Dass der Zug überhaupt stattfinden kann. Darüber hinaus wie immer eine Abwicklung ohne Komplikationen und natürlich gutes Wetter.

Teilen
Vorheriger ArtikelFür einen engagierten Verein
Nächster ArtikelOpferhilfeorganisation sucht Helfer
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“