Ortsvorsteherin Christin Sauer (Grüne) setzt sich für den Erhalt des Wäldchens am Heiligenhaus ein. Foto: privat

HaMü – Mit einem klaren Konzept und vielfältigen Ideen geht HaMü-Ortsvorsteherin Christin Sauer (Grüne) in das Jahr 2021. Im Interview mit der Lokalen Zeitung nimmt sie ausführlich Stellung.

Frage: Wie kommt HaMü durch die Corona-Krise?

Christin Sauer: Es ist für uns alle eine sehr fordernde Zeit. Dennoch haben unsere Vereine, Gemeinden und Einrichtungen einen individuellen Umgang mit der Situation gefunden. Während manche pausieren und Ideen für die Nach-Corona-Zeit sammeln, haben andere neue Formate ins Leben gerufen und sich angepasst. Auch die Ortsbeiratssitzung, die wegen der hohen Infektionszahlen im Herbst zunächst vertagt und dann abgesagt werden musste, wird nun am 2. Februar  erstmals digital stattfinden. Die ganze Zeit über waren wir in Emails und Telefonkonferenzen in Kontakt und haben uns weiter intensiv mit den aktuellen Themen in HaMü befasst. Dennoch sind wir froh und es war uns ein großes Anliegen, nun auch wieder Beschlüsse fassen zu können. Auch das politische HaMü hat sich in der Ausnahmesituation eingerichtet. Dennoch ist – wie auch sonst überall – natürlich die Sehnsucht nach Normalität, nach persönlichen Kontakten und dem Halt, den wir in unseren Freundeskreisen, Gemeinden und Vereinen finden, groß. Ich wünsche mir, dass wir diese hoffentlich letzten entbehrungsvollen Monate weiterhin so solidarisch, das heißt mit der gebotenen Vorsicht, verbringen wie bisher. Aber in den „winterlichen Lockdown-Blues“ sollten wir auch die Vorfreude auf das einziehen lassen, was unsere Leben vor Corona so sehr bereichert hat.

Welche Hilfsprojekte in HaMü haben sich besonders bewährt?

Christin Sauer: Auch die Hilfsangebote in HaMü sind nach wie vor aktuell. Sie werden allerdings, so mein Eindruck, nicht mehr so stark nachgefragt wie im vergangenen Frühjahr. Auch hier haben viele nun eigene Lösungen gefunden. Die Entwicklung der „HaMü hilft“-Chatgruppe freut mich besonders. Eigentlich ausschließlich für Hilfsgesuche und -angebote gedacht, kommen doch auch immer wieder andere spannende Themen für den Stadtteil auf. Junge Chat-Ausgründungen aus der Gruppe sind bisher „HaMü babbelt“ sowie das „Umwelt-Team HaMü“, das perspektivisch gemeinsame Aktionen planen und umsetzen möchte. Sogar regelmäßige Blogartikel („Coronana“, schon bei Ausgabe 104) gibt es, die sich liebevoll gestaltet mit interessanten Alltagssituationen befassen. (Beitrittsinteresse zu den Gruppen? Mail mit der Handynummer an christin.sauer@stadt.mainz.de)

Frage: Die Grünen setzen sich gemeinsam mit dem Nabu für den Erhalt und gegen den von der Stadt geplanten Verkauf des Wäldchens am Heiligenhaus ein. Wie ist der aktuelle Stand?

Christin Sauer: Viele Zuschriften haben mich erreicht zu den vielfältigen Gründen, das Wäldchen „Am Heiligenhaus“ von knapp 10.000 Quadratmeter Fläche zu schützen. In direkter Nachbarschaft zum renaturierten Gonsbachtal hat der alte Obstbaumbestand besondere Bedeutung als Nahrungsquelle, während Hecken und Gehölze wichtige Rückzugsräume für unsere heimischen Arten sind. Das dichte Grün sorgt durch Schatten und Verdunstungskühle für ein angenehmes Klima an heißen Sommertagen. Und natürlich sorgen sich Anwohner*innen neben den Fragen des Natur- und Artenschutzes auch um die Lebensqualität im Wohngebiet. Unsere Bäume in HaMü prägen die Identität des Stadtteils maßgeblich und der weitreichende Verlust durch vergangene Bauprojekte treibt viele Menschen um. Ich bin sehr dankbar darüber, dass die Petition des Nabu mit aktuell  7500 Unterschriften deutlich zeigt, dass es sich hier um sehr viel mehr handelt als um Grüne Parteipolitik. Der Schutz des Wäldchens „Am Heiligenhaus“ ist ein Anliegen, das viele Bürger*innen verschiedener politischer Ansichten eint. Das spiegelt sich auch in einem gemeinsamen Antrag wider, den der Ortsbeirat für seine nächste Sitzung vorbereitet. In HaMü sind wir uns einig: Wir wollen dieses ökologisch wertvolle Biotop und damit auch die Lebens- und Aufenthaltsqualität im Stadtteil nachhaltig schützen.

Frage: Die Anwohner in der Ricarda-Huch-Straße protestieren gegen den geplanten Bau eines Hochhauses in Kita-Nähe. Gibt es noch Chancen, diese Nachverdichtung zu verhindern?

Christin Sauer: Die Einwände gegen das geplante achtgeschossige Wohngebäude kamen im Zuge einer Bauvoranfrage auf. Da bisher kein entsprechender Bauantrag gestellt worden ist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen, ob die Bebauung an dieser Stelle tatsächlich kommt. Dennoch hat diese Bauvoranfrage uns auch sensibilisiert, dass es noch viele weitere vergleichbare Flächen in HaMü gibt. Aktuell dienen sie als Parkraum oder für Garagen, aber eine bauliche Entwicklung, etwa mit Integration einer Tiefgarage, ist jederzeit denkbar. Hier sind sich die Mitglieder des Ortsbeirats einig, dass wir für diese Flächen einen klaren Rahmen brauchen, wie sich die Bebauung im Stadtteil entwickeln soll. Zu diesem Zweck diskutieren wir derzeit in Telefonkonferenzen überparteilich Ideen mit dem Ziel, Wohnraum und Infrastruktur zu schaffen, aber eine ausufernde Nachverdichtung zu vermeiden.

Frage: Welche Themen haben Sie für 2021 weiter auf der Agenda?

Christin Sauer: 2021 wird hoffentlich das Jahr sein, in dem wir langsam wieder in eine Normalität zurückfinden. Ich freue mich drauf, wieder mit den Menschen persönlich ins Gespräch zu kommen. Mein wesentliches Ziel, Lebensqualität zu erhalten und auszubauen, gilt auch in diesem Jahr. Das heißt für mich konkret: unser Grün schützen, Orte mit Aufenthaltsqualität und Treffpunkte unterstützen, die Angebote unserer Vereine und Einrichtungen bekannter machen, das Umwelt-Team HaMü mit aufbauen und bestehende Netzwerke erweitern. Auch die verkehrliche Entwicklung wird eine spannende Aufgabe sein, wie etwa, die ersten Planungen zur Neugestaltung der Mombacher Straße zu begleiten. Und auch wenn es vermutlich erst 2022 zur Umsetzung kommen kann: das HaMü-Fest reaktivieren. Wir haben einen wunderbaren Stadtteil mit vielen solidarischen Nachbarschaften, Engagierten und Interessierten aus Kultur, Sport, Fastnacht und mehr. In dieser herausfordernden Zeit haben so viele Menschen in HaMü, in unseren Schulen und Kitas, den Vereinen und Gemeinden, eine großartige Arbeit geleistet. Ich wünsche mir, dass wir 2021 alles Nötige auf den Weg bringen, um diese gemeinschaftliche Leistung auch zu feiern.

Die Fragen stellte Oliver Gehrig.

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Ich bin gebürtiger Mainzer, Jahrgang 1967 und seit mehr als 20 Jahren hauptberuflich journalistisch in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport tätig. Für die Lokale Zeitung berichte ich seit 2014 aus Bretzenheim, Hechtsheim, Lerchenberg, HaMü, AKK und der Oberstadt sowie aus Finthen und Gonsenheim. In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Weitere Hobbies sind Tennis, Fußball und Aquaristik.