Marienborns Ortsvorsteher Dr. Claudius Moseler. Foto: red

MARIENBORN – Kein Zweifel: 2020 wird als Corona-Jahr in die Geschichte eingehen, auch in Marienborn. Darüber und über die Aussichten für 2021 sprachen wir mit Ortsvorsteher Dr. Claudius Moseler (ÖDP).

Herr Ortsvorsteher, erinnern Sie sich noch, mit welchen Gedanken, Hoffnungen und Erwartungen Sie vor gut einem Jahr Silvester gefeiert haben?

DR. CLAUDIUS MOSELER: 2019 war bei mir durch zwei Todesfälle in der Familie sowie eine anstrengende Kommunalwahlkampagne ohnehin schon ein Ausnahmejahr, sodass die Hoffnungen auf ein ruhigeres Jahr im Vordergrund standen. Silvester verbringen wir traditionell ohnehin nur in der Kernfamilie.

Dann kam Corona. Hätten Sie sich Ende Februar vorstellen können, was die Gesellschaft noch erwarten würde?

DR. CLAUDIUS MOSELER: Nein, ich glaube, niemand hatte sich das vorstellen können. Das zeigt aber auch, wie verletzlich unsere Gesellschaft gegenüber Krisensituationen ist. Corona bietet aber auch eine Chance, über den Überfluss und die Hektik unserer Gesellschaft nachzudenken und mittelfristig neue Wege einzuschlagen.

Wie war Ihre persönliche Gefühlslage im Sommer, als Corona fast in den Hintergrund geriet

DR. CLAUDIUS MOSELER: Wenn man politisch aktiv ist, war dieses Thema immer präsent. Die Regeln gab es ja auch in der Urlaubszeit. Trotzdem war mir klar, dass die Pandemie zum Jahreswechsel nicht überwunden sein wird, wenn wir nicht neue Medikamente oder den Impfstoff haben.

Halten Sie den Lockdown für richtig und angemessen?

DR. CLAUDIUS MOSELER: Jetzt kann man sagen, dass der November-Lockdown nicht konsequent genug war, vor allem, wenn man es mit der Situation im Frühjahr vergleicht. Trotzdem hinkt die Wissenschaft in der Analyse der wirklichen Infektionsherde und Übertragungswege leider immer noch hinterher. Dies erschwert gezielte Maßnahmen gegen das Virus, siehe auch die aktuelle Debatte um verschärfte Lockdown-Maßnahmen. Grundsätzlich halte ich es aber für richtig, dass wir uns konsequent vor Corona schützen. Diese Konsequenz, vor allem der derzeit politischen Handelnden, würde ich mir aber auch beim Klima- und Umweltschutz wünschen.

Was war in den vergangenen Monaten das signifikanteste Erlebnis?

DR. CLAUDIUS MOSELER: Neben Homeoffice und Homescooling ist das Fehlen der persönlichen Kontakte zu Freunden, im Ortsteil und zu den politischen Mitstreitern eines der signifikanten Erlebnisse. Die Neu-Organisation des verbliebenen gesellschaftlichen Lebens über Videokonferenzen war eine besondere Herausforderung.

Was war das wichtigste, was in Marienborn abseits der Pandemie umgesetzt wurde?

DR. CLAUDIUS MOSELER: Kürzlich wurde an der Bushaltestelle „Am Sonnigen Hang“ eine neue Fahrradstation für das stationsgebundene Fahrradverleihsystem MVGmeinRad aufgebaut. Neue Kolumbarienwände wurden auf dem Friedhof Marienborn errichtet. Auch dieses Projekt geht auf eine Initiative des Ortsbeirats zurück. Außerdem wird derzeit gemeinsam mit der Firma Urstrom versucht, in Marienborn ein Car-Sharing-Projekt aufzubauen.

Was steht 2021 für Marienborn auf der Agenda?

DR. CLAUDIUS MOSELER: Große Sorgen bereitet uns in Marienborn der geplante Abriss des Einkaufszentrums Am Sonnigen Hang mit seinen sozialen Initiativen, Einkaufsmöglichkeiten und gastronomischen Betrieben. Zwar konnten der Ortsbeirat und ich durch harten politischen Druckerreichen, dass ein Bebauungsplan aufgestellt wird, um die zukünftige neue Bebauung einigermaßen zu steuern. Dennoch bleiben hier zahlreiche Fragen offen: So sollen im Erdgeschoss soziale Einrichtungen und Geschäfte festgeschrieben werden, aber unklar ist, wie sich dort in Zukunft die Mietkosten darstellen.

Was sagt der Bebauungsplan aus?

DR. CLAUDIUS MOSELER: Im Bebauungsplan soll anstatt eines achtstöckigen Gebäudes nun ein maximal fünfstöckiges Gebäude realisiert werden. Dies ist aus unserer Sicht aber immer noch viel zu viel für dieses hochverdichtete Wohnquartier. Daher hat der Ortsbeirat mit mir eine entsprechende Einwendung im Rahmen der Bürgerbeteiligung verfasst. Eigentlich wünschen wir uns den Erhalt des bisherigen Gebäudes, damit alle Einrichtungen erhalten bleiben. Dass die Stadt hier nicht städtebaulich konsequenter eingreift, ist enttäuschend.

Abschließend: Mit welchen Gedanken haben Sie kürzlich Silvester gefeiert?

DR. CLAUDIUS MOSELER: Mit der Hoffnung, dass das Virus besiegt werden kann und dass man im Laufe von 2021 endlich wieder unter „normalen“ Verhältnissen politische Arbeit gestalten und umsetzen kann. Eine Herausforderung wird für mich der Landtagswahlkampf unter Pandemie-Bedingungen als Listen- und Wahlkreiskandidat der ÖDP.

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Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“