Der Draiser Ortsvorsteher Norbert Solbach. Archivfoto: Ralph Keim

DRAIS – Kein Zweifel: 2020 wird als Corona-Jahr in die Geschichte eingehen, auch in Drais. Darüber und über die Aussichten für 2021 sprachen wir mit Ortsvorsteher Norbert Solbach (CDU).

Herr Ortsvorsteher, erinnern Sie sich noch, mit welchen Gedanken, Hoffnungen und Erwartungen an 2020 haben Sie vor gut einem Jahr Silvester gefeiert? 

NORBERT SOLBACH: Wie es seit mehreren Jahren Tradition ist, haben wir im kleinen Freundeskreis in Drais Silvester gefeiert und nach Mitternacht einen kleinen Spaziergang in die Nachbarschaft unternommen und vielfach auf ein gutes neues Jahr angestoßen. Wir sind den kommenden Jahreskalender mit seinen vielen Festen durchgegangen und haben uns Gedanken über die Fastnachtsveranstaltungen gemacht und Urlaubsplanungen ausgetauscht. Diskussionen über die Belange der Politik wurden in diesem parteiübergreifenden Kreis nicht ausgespart. Einhellige Meinung war, wir könnten uns auf ein schönes Jahr 2020 freuen. 

Dann kam Corona. Hätten Sie sich Ende Februar vorstellen können, was die Gesellschaft in den kommenden Monaten erwarten würde? 

NORBERT SOLBACH: Mit der Einstufung von Corona als Pandemie war mir klar, dass harte Einschnitte in das gewohnte Leben folgen würden. Wie weit diese gehen würden, konnte ich zu Beginn nicht einschätzen. Wie die meisten habe ich von Woche zu Woche über das Virus dazugelernt und mit Spannung auf die nächsten Rechtsverordnungen des Landes und die Allgemeinverfügungen der Stadt gewartet. 

Wie war Ihre persönliche Gefühlslage im Sommer, als Corona fast in den Hintergrund geriet? 

NORBERT SOLBACH: Corona ist auch im Sommer für mich nicht in den Hintergrund getreten. Die Warnung vor einer zweiten Welle fand ich richtig. Die Sorglosigkeit und die vielen Lockerungen fand ich kurzsichtig und der Gefahr der Pandemie nicht angemessen.  

Halten Sie den aktuellen Lockdown für richtig und angemessen? 

NORBERT SOLBACH: Man hat mit dem sogenannten Wellenbrecher begonnen und nach und nach den Lockdown verschärft. Anders als in den benachbarten Ländern, in denen man schon mit Ausgangsbeschränkungen, Ausschankverboten und Schließung von Geschäften den Weg des harten Lockdowns gewählt hat, ist man bei uns den Weg der stufenweisen Verschärfung des Lockdowns gegangen. Zielführend ist die Verminderung der persönlichen Kontakte. Da steht jeder in der Verantwortung. Richtig und notwendig erachte ich, dass die Maßnahmen, die die Wirtschaft und Beschäftigte gleichermaßen treffen, durch Gelder des Staates abgefedert werden. 

Was war in den vergangenen Monaten das signifikanteste Erlebnis? 

NORBERT SOLBACH: Mir fehlen besonders die sozialen Kontakte, die Besuche im Altenheim und das Treffen mit Freunden und Verwandten. Über Weihnachten hat es dieses Jahr bei mir keine Verwandtenbesuche in Nordrhein-Westfalen geben. Traurig war, dass auch in Drais an Covid Verstorbene zu beklagen waren. 

Es gab aber nicht nur Corona. Was war und ist das wichtigste, was in Drais abseits der Pandemie umgesetzt wurde und noch umgesetzt werden soll?

NORBERT SOLBACH: Im Frühjahr haben wir auf die Sitzungen des Ortsbeirates verzichtet. Dann haben wir wieder in Präsenzsitzung im Kardinal-Volk-Haus getagt. Bedanken möchte ich beim Ortsbeirat Drais für die gute und konstruktive Zusammenarbeit in schwierigen Zeiten. Auf der Agenda steht die Neuwahl des Vorstandes des Vereinsrings, die auf den Januar verschoben wurde. Im Jahr 2021 geht es in die nächste Phase des Bebauungsplans D31 und es gibt die berechtigte Hoffnung, dass die Lücke des Fuß- und Radweges am Ortsrand entlang der L 427 durch den Landesbetrieb Mobilität geschlossen wird. Wir werden weiter in Zusammenarbeit mit UrStrom  daran arbeiten, e-Carsharing in Drais zu realisieren. Weiter geführt wird das Modellprojekt Agroforst in Zusammenarbeit von Grünamt und Naturefund. 

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“