Nackenheims Bürgermeister René Adler. Foto: red

NACKENHEIM – Kein Zweifel: 2020 wird wegen der Corona-Krise in die Geschichtsbücher eingehen – auch in Nackenheim. Wir sprachen mit Ortsbürgermeister René Adler über die Erwartungen zu Jahresbeginn und wie es dann weiterging.

Herr Bürgermeister, mit welchen Gedanken, Hoffnungen und Erwartungen an 2020 haben Sie vor knapp einem Jahr Silvester gefeiert?

RENÉ ADLER: Meine Gedanken galten zunächst meiner Familie und der Hoffnung auf ein schönes und gesundes neues Jahr, mit vielen tollen gemeinsamen Erlebnissen. Als neuer Ortsbürgermeister dachte ich natürlich auch an die großen Projekte und Herausforderungen. Das waren für 2020 nicht wenige. Mir war klar, dass ein sehr ereignisreiches und arbeitsreiches Jahr vor uns liegt. Meine Erwartungen galten insbesondere der guten und wichtigen interfraktionellen Zusammenarbeit im Gemeinderat und der Teamleistung im Rathaus.

Dann kam Corona. Hätten Sie sich Ende Februar vorstellen können, was die Gesellschaft in den kommenden Monaten erwarten würde?

RENÉ ADLER: Das konnte ich mir Ende Februar noch nicht einmal ansatzweise vorstellen. Aber wer konnte das schon? Zumal wir überall ganz normal Fastnacht gefeiert haben. Nicht im Traum hätte ich als Aktiver der Entenbrüder gedacht, dass die Fastnacht 2021 aufgrund eines Virusgeschehens ausfallen könnte.

Wie war Ihre persönliche Gefühlslage im Sommer, als Corona fast in den Hintergrund geriet?

RENÉ ADLER: Wir haben auf kommunaler Ebene alles dafür getan, dass das Thema präsent und in den Köpfen bleibt. Regelmäßige Informationen auf allen Kanälen, Aushänge und Mitteilungen sowie von uns veranlasste Kontrollen der Außenbereiche gehörten dazu. Wobei es mir immer wichtig war, nicht den erhobenen Zeigefinger zu zeigen, sondern vielmehr an die gegenseitige Rücksichtnahme und den Respekt untereinander zu appellieren. Da alle größeren Veranstaltungen abgesagt waren, hatte ich auch Verständnis dafür, dass es die Leute in die Natur und in unsere schöne Landschaft zog. Leider waren einige wenige dabei, die sich nicht an die Regeln hielten. In diesem Jahr hatten wir es leider sehr oft mit Vandalismus und Vermüllung zu tun. Das waren die negativen Begleiterscheinungen der wiederentdeckten „Freiluftkultur“.

Halten Sie den derzeitigen Lockdown für richtig und angemessen?

RENÉ ADLER: Absolut! Aufgrund meiner dienstlichen Tätigkeit im Führungsdienst der Berufsfeuerwehr Mainz habe ich Einblicke in die Situation der Kliniken und anderen Einrichtungen. Wir müssen die „Kurve kriegen“, es droht die Überlastung des Gesundheitswesens. Wenn ich mir andere Länder anschaue, waren und sind die Maßnahmen in Deutschland im direkten Vergleich sogar eher zurückhaltend und daher – aus meiner persönlichen Sicht – immer an der Lage orientiert und angemessen. Natürlich kann man einzelne Maßnahmen kritisch hinterfragen, man muss denke ich aber das große Ganze sehen, also die Summe aller Einzelmaßnahmen, und das verfolgte Ziel hinter diesen Maßnahmen.

Was war in den vergangenen Monaten das signifikanteste Erlebnis?

RENÉ ADLER: Es gab es einige sehr unschöne Reaktionen aus der Bevölkerung gegen die Einrichtung einer „Corona-Praxis“ in Nackenheim. Wir haben zusammen mit unseren Arztpraxen ein Informationsschreiben erstellt, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Leider geisterten einige absolut unhaltbare Vorurteile durch den Ort. Trotz unserer Aufklärungsarbeit wurde ich persönlich verbal angegangen. Mir wurde zudem Verantwortungslosigkeit unterstellt. Dabei hatten wir als Ortsgemeinde überhaupt keinen Einfluss auf diese Entscheidungen. Ein anderer Vorfall ereignete sich an unserem Grillplatz am Rheinufer, als ich eine größere Gruppe von Männern auf Verunreinigungen und die bestehenden Corona-Regeln hinweisen wollte. Daraus entstand eine relativ bedrohliche Situation. In der Folge haben wir zusammen mit der Verbandsgemeinde einen privaten Sicherheitsdienst zur Unterstützung und Entlastung des Außendienstes des Ordnungsamtes mit den Kontrollen beauftragt. Insgesamt ist die Corona-Krise eine absolute Herausforderung für uns alle.   

Es gab aber nicht nur Corona. Was war das wichtigste, was in Nackenheim abseits der Pandemie umgesetzt wurde?

RENÉ ADLER: Da gibt es einige Beispiele: Unter anderem wurde der Bebauungsplan zum Neubaugebiet Hinter der Lehnsweide beschlossen. Wir haben die Erweiterung des Gewerbegebiets und erste Schritte zur Umgestaltung des Festplatzes zu einem neuen Marktplatz auf den Weg gebracht. Das Sanierungskonzept der maroden Unterführung Bellenäcker wurde beraten und steht kurz vor dem Abschluss, die Planungen für die Steinschlagsicherungsmaßnahmen am Rothenberg wurden finalisiert. Auch das Thema Tourismus und der Verkehr haben uns beschäftigt, die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung im Ortsbereich nördlich der Bahnlinie liegt uns seit Kurzem vor. Besonders gefreut hat mich, dass die Spielplätze mit tatkräftiger Unterstützung von Spendern und mit tatkräftiger Unterstützung des Bauhofs saniert und mit neuen Spielgeräten aufgewertet werden konnten.

Was steht 2021 für Nackenheim auf der Agenda?

RENÉ ADLER: Da gibt es einiges, unter anderem die Friedhofserweiterung mit einem Friedwald und einem Friedwingert. Die Erschließung des Neubaugebietes und des Gewerbegebietes soll ab Sommer 2021 angegangen werden, die Umgestaltung des Festplatzes zu einem neuen Marktplatz ist für das Spätjahr geplant. Ebenfalls stehen an die Umgestaltung der Außenbereiche sowie die Sanierung der Sanitärbereiche der Kindertagesstätten Pommardstraße und Frankenstraße. Der Bauhof benötigt dringend eine neue Fahrzeug- und Gerätehalle. An unserem Bahnhaltepunkt sollen Bike & Ride-Stationen eingerichtet werden. 2021 jährt sich zum 125. Mal der Geburtstag von Carl-Zuckmayer. Und wir denken bereits an 1250 Jahre Nackenheim, was 2022 ansteht.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“