Mombachs Ortsvorsteher Christian Kanka. Foto: Ralph Keim

MOMBACH – 2020 wird wegen der Corona-Krise in die Geschichtsbücher eingehen – auch in Mombach. Wir sprachen mit Ortsvorsteher Christian Kanka über die Erwartungen zu Jahresbeginn und wie es dann weiterging.

Herr Ortsvorsteher, mit welchen Gedanken, Hoffnungen und Erwartungen an 2020 haben Sie Silvester gefeiert?

CHRISTIAN KANKA: Wie jedes Jahr. Ich gehöre eher zu der unspektakulären Gruppe, die sich an Silvester nichts Spezielles für das neue Jahr vornimmt. Ich hoffe grundsätzlich, gesund zu bleiben und die täglichen Dinge gut zu meistern.

Dann kam Corona. Hätten Sie sich Ende Februar vorstellen können, was die Gesellschaft in den kommenden Monaten erwarten würde?

CHRISTIAN KANKA: Ganz ehrlich: nein. Corona war für mich zu diesem Zeitpunkt weit weg. Man hat zwar die Nachrichten verfolgt und gesehen, dass es bereits mehrere Infektionen mit dem Coronavirus in Ischgl und im Kreis Heinsberg gab. Ende Februar war ja der Höhepunkt der Fastnacht. Man hat sich mit vielen Leuten getroffen, geschunkelt, zusammen gelacht und natürlich auch angestoßen. An eine Situation, wie wir sie dann einen Monat später vor der eigenen Tür hatten, hat Ende Februar wohl noch kaum jemand von uns gedacht.  

Wie war Ihre persönliche Gefühlslage im Sommer, als Corona fast in den Hintergrund geriet?

CHRISTIAN KANKA: Es war ein guter Zeitpunkt zum Durchatmen, wobei ich den Gedanken an eine mögliche zweite Welle schon im Hinterkopf hatte. Obwohl viele der uns liebgewordenen Festlichkeiten und Aktivitäten abgesagt werden musste, habe ich mir gemeinsam mit den Schaustellern Aldo und Marco Sottile Gedanken darüber gemacht, wie man unter den geltenden Corona-Regelungen den Leuten vor Ort etwas anbieten kann, um auf andere Gedanken zu kommen. Daraus ist dann innerhalb weniger Tage „Mombach feiert – mit Abstand – am Besten“ entstanden. Es war für die Schausteller die erste Veranstaltung mit Berücksichtigung und Umsetzung der Corona-Regelungen – und sie haben bewiesen, dass sie die Hygiene-Konzepte verantwortungsvoll umsetzen können und sich auch die Besucher an die Regeln halten. Ich bin auch etwas stolz auf den gelungenen Mombacher Auftakt für die Schausteller, weil man dann auch in anderen Orten gesehen hat, dass es funktionieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen und die Schausteller dann auch dort ihre Veranstaltungen durchführen konnten.   

Halten Sie den jetzigen Lockdown für richtig und angemessen?

CHRISTIAN KANKA: Ja. Die Infektionszahlen sind leider wieder stark angestiegen. Wir müssen aufpassen und alles dafür tun, dass die Zahl der Neuinfektionen pro 100000 Einwohnerinnen und Einwohner pro Woche wieder bei unter 50 liegt, damit wir die Krankenhäuser entlasten und unser Gesundheitssystem am Laufen halten können. Doch die Entwicklung ist sehr besorgniserregend, die Infektionen betreffen nun auch sehr häufig die jüngere Generation. Natürlich nervt es mich, dass man nicht ins Restaurant oder ins Fitnessstudio gehen kann und wir uns in diesem Jahr auch nicht auf dem Weihnachtsmarkt treffen werden. Allerdings sollten wir uns vor Augen halten, wie es in unseren Nachbarländern aussieht, in denen es Ausgangssperren gibt, die Geschäfte geschlossen sind, der Kontakt nur zur Kernfamilie erlaubt ist und die Intensivstationen der Krankenhäuser an ihre Grenzen stoßen. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass es uns in Deutschland noch nicht ganz so hart getroffen hat, wie die anderen Länder. Und den sogenannten Querdenkern kann ich nur den Tipp geben, dass sie lieber mal anfangen sollten, ein paar Meter geradeaus, statt quer zu denken.

Was war in den vergangenen Monaten das signifikanteste Erlebnis?

CHRISTIAN KANKA: Da fällt mir sofort das Netzwerk „Mombach hilft“ ein, das sich schon Ende März gegründet hat und im Frühjahr vielen Mombacherinnen und Mombachern im Alltag helfen konnte. Es war und ist weiterhin toll zu sehen, wie hilfsbereit viele Mombacherinnen und Mombacher sind und das wir einen tollen Zusammenhalt in Mombach haben. So wurden nicht nur Einkaufshilfen oder Behördengänge organisiert, sondern beispielsweise auch die Angebote der Mombacher Gastronomie beworben. Das macht einen Ortsvorsteher besonders stolz auf „seinen“ Stadtteil. Mittlerweile hat sich „Mombach hilft“ als Verein gegründet, so dass auch in Zukunft ehrenamtliche Hilfe in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens angeboten werden kann. Das tut dem Zusammenleben in Mombach sehr gut.

Es gab aber nicht nur Corona. Was war das wichtigste, was in Mombach abseits der Pandemie umgesetzt wurde?

CHRISTIAN KANKA: Um ein paar Beispiele zu nennen: Der 3. Bauabschnitt in der Hauptstraße ist seit Mitte Oktober fertiggestellt und der Bus kann wieder über die Hauptstraße fahren. Die „De-la-Roche-Anlage“ wurde wunderschön aufgehübscht. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Ferienkarte auch in diesem Jahr wieder für das Mombacher Schwimmbad gilt und haben es nach einigen Gesprächen mit Verantwortlichen der Stadt und des Schwimmbads auch umgesetzt bekommen. Der Stadtrat hat der Fortführung des Programms „Soziale Stadt“ über das Jahr 2021 in Mombach zugestimmt. Zudem sind wir das Thema Schulwegsicherheit angegangen und es wurden bereits einige Verbesserungen umgesetzt.

Was steht – ebenfalls abseits von Corona – 2021 für Mombach auf der Agenda?

CHRISTIAN KANKA: Da stehen bereits die Vorbereitungen zum 4. Bauabschnitt der Hauptstraße zwischen Eintracht-Halle und Liebigstraße auf der Agenda, voraussichtlich ab Frühjahr oder Sommer. Ich werde mich dafür stark machen, dass der Bus auch während der Bauphase über die Hauptstraße fahren wird und hoffe, dass es hierfür eine machbare Streckenführung geben wird. Zudem habe ich den Stadtvorstand gebeten einen runden Tisch zur Entwicklung des Mombacher Rheinufers bzw. Unterfelds einzuberufen. Außerdem soll die Bushaltestelle „Westring“ am Einkaufszentrum barrierefrei umgebaut werden. Dann gibt es noch einige Dauerbaustellen wie das Penny/Nokta-Gelände oder das ehemalige Dieterich-Gelände, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Und natürlich möchte ich ein schönes großes Fest auf der Mombacher Hauptstraße feiern, sofern es Corona zulässt.

Teilen
Vorheriger Artikel„Die Solidarität hat mich sehr beeindruckt“
Nächster Artikel„Wir müssen die Kurve kriegen“
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“