Sissi Westrich, Ortsvorsteherin des Stadtteils Lerchenberg. Foto: Archiv

LERCHENBERG – 2020 wird wegen der Corona-Krise in die Geschichtsbücher eingehen – auch im Stadtteil Lerchenberg. Wir sprachen mit Ortsvorsteherin Sissi Westrich über die Erwartungen zu Jahresbeginn und wie es dann weiterging.

Frau Ortsvorsteherin, mit welchen Gedanken, Hoffnungen und Erwartungen an 2020 haben Sie vor einem Jahr Silvester gefeiert?

SISSI WESTRICH: Ich war in Gedanken bei vertrauten Menschen, die krank waren. Ich bin schon den Jahreskalender für Lerchenberg durchgegangen und habe überlegt, wie es weiter gelingen kann, Gemeinschaftsgefühl und das Identifizieren mit dem Stadtteil zu fördern. Außerdem habe ich mir vorgenommen, 2020 Freundschaften besser zu pflegen.

Und dann kam Corona.

SISSI WESTRICH: Corona schien aber damals noch ein auf außerhalb Europas begrenztes Ereignis.

Wie war Ihre persönliche Gefühlslage im Sommer, als Corona fast in den Hintergrund geriet?

SISSI WESTRICH: Für mich ist Corona nicht in den Hintergrund getreten. Die Sorge hat mich nie verlassen. Die für den Herbst zu befürchtende zweite Welle war zu gegenwärtig. Vor allem das Denken an die, die in engen Wohnungen verschiedenen Bedürfnisse von Familienmitgliedern gerecht werden müssen und diejenigen, die alleine leben, hat mich beschäftigt. Viele in Lerchenberg leben sehr privilegiert – viele aber auch nicht. Die Spanne geht weit auseinander.

Was war in den vergangenen Monaten das signifikanteste Erlebnis?

SISSI WESTRICH: Das Zusammenrücken bei räumlicher Distanz war für mich ein signifikantes Erlebnis: die Hilfsbereitschaft allgemein, das Pflegen von Nachbarschaften im weiteren Sinne, ob direkte Nachbarn oder die ein paar Straßen weiter oder auch die Nachbarschaften der Geschäfte im Einkaufszentrum, die sich gegenseitig gestärkt haben. Ein signifikantes privates Beispiel für den Zusammenhalt unter Nachbarn und Freunden: das regelmäßige gemeinsame Singen im Freien über Monate und Gartengrenzen hinweg. Im Stadtteilteam haben wir uns gemeinsam Gedanken gemacht, was wir tun können, um im Stadtteil Erlebnischarakter und Gemeinschaft zu bewahren, ohne miteinander in Kontakt zu kommen. Wie wichtig die Kirchen mit ihren vielen Ehrenamtlichen sind, wurde in dieser Pandemie auf dem Lerchenberg sehr deutlich. Sie haben die Struktur, um Einkaufshilfen und Einzelhilfen anzubieten – für alle, die Bedarf haben).

Es gab aber nicht nur Corona. Was war das wichtigste, was in Lerchenberg abseits der Pandemie umgesetzt wurde?

SISSI WESTRICH: Dazu gehört die Neuanlage am Ententeich über die „Soziale Stadt“- Mittel. Es war höchste Zeit, dass die Infrastruktur mit Bänken, Mülleimern und wegbegleitenden Fitness-Geräten erfolgte und die Stadt sich verpflichtet hat, regelmäßig für Abfallentsorgung und Grünschnitt zu sorgen. Die Sanierung der Bezirkssportanlage ist ebenfalls zu nennen, die Grundsteinlegung für den Grundschul-Anbau, das Provisorium für unsere Bürgerhaus-Kita mit 44 Plätzen, der neue Wohnbau-Spielplatz in Lerchenberg-Nord, die vier Mein-Rad-Stationen, die Sanierung der Boule-Bahn und die neue Treffmöglichkeit für Jugendliche hinter der Wedekindstraße. Wichtig ist auch die Gemeindeschwester plus. Und dass ein zusätzlicher Verein– nämlich der Tanzclub Rot-Weiß Casino mit dem Spatenstich seines Tanzsportzentrums am Bürgerhaus – zu Lerchenberg zählt. Wegweisend ist außerdem der Stadtratsbeschluss, dass Lerchenberg auch über 2023 hinaus im Programm Soziale Stadt bleiben soll. Das ist die Grundvoraussetzung für eine weiter gute Entwicklung des Stadtteils, allein, wenn man bedenkt, was das Programm bisher schon Gutes für unsere Orte für Familien gebracht hat.

Was steht 2021 für Lerchenberg auf der Agenda?

SISSI WESTRICH: Das Bedeutendste überhaupt sind die Maßnahmen zur Attraktivierung und Barrierefreiheit des Einkaufszentrums. Dies ist eine für alle wie auch die Gewerbetreibenden eine zentral wichtige Maßnahme. Auch wenn das Einkaufszentrum tolle Geschäfte und Serviceleistungen bietet, fehlt der gepflegte Eindruck, der nach 50 Jahren Einkaufszentrum sehr gelitten hat. Die Zusage der Stadt steht, dass die Maßnahmen im Fußgängerbereich 2021 realisiert werden. Dann hoffen wir natürlich, dass die jetzt schon vorliegende Planung der neuen Sporthalle B vorangetrieben wird. Und gegen Ende des Jahres 2021 steht die Abrundung des Neubaugebietes Nino-ErnéStraße und die Spielplatzgestaltung an. Neben all dem Baulichen ist zu hoffen, dass das Bürgerhäuschen mit seinen Angeboten des ASB-Vitalzentrums und des LCC und insbesondere seinen Festen wieder zu dem lebendigen Zentrum wird, das es vor Corona war.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“