Gau-Bischofsheims Ortsbürgermeister Patric Müller beim Jahresempfang Anfang 2020. Damals hat nicht nur er geahnt, wie 2020 verlaufen würde. Archivfoto: Ralph Keim

GAU-BISCHOFSHEIM – 2020 wird wegen der Corona-Krise in die Geschichtsbücher eingehen – auch in Gau-Bischofsheim. Wir sprachen mit Ortsbürgermeister Patric Müller (SPD) über die Erwartungen zu Jahresbeginn und wie es dann weiterging.

Herr Ortsbürgermeister, mit welchen Gedanken, Hoffnungen und Erwartungen an 2020 haben Sie Silvester gefeiert?

PATRIC MÜLLER: Nach Abschluss unseres Jubiläumsjahres 2019 hatte ich die Erwartung, dass sich 2020 in seinem Ablauf so gestaltet wie die Jahre zuvor. Das war eine glatte Fehleinschätzung.

Denn dann kam Corona. Hätten Sie sich Ende Februar vorstellen können, was die Gesellschaft in den kommenden Monaten erwarten würde?

PATRIC MÜLLER: Auf keinen Fall. Nicht nur die Gesellschaft war von Einschränkungen betroffen. Die Vereine und Gruppen haben aufgrund abgesagter Angebote, Veranstaltungen, Proben-, Trainings- und Wettkampfeinheiten zu leiden. Hinzu kommt, dass wir als Gemeindevertreter hinsichtlich der ständigen Umsetzung von auferlegten Verordnungen und Allgemeinverfügungen einem regelrechten Stresstest unterworfen wurden.

Wie war Ihre persönliche Gefühlslage im Sommer, als Corona fast in den Hintergrund geriet?

PATRIC MÜLLER: Mir war bewusst, dass uns die Pandemie weiter begleiten wird. Insofern stand Corona für mich nie im Hintergrund. Weder als Ortsbürgermeister noch im Beruf gab es für mich im Sommer eine Unterbrechung oder sogar Urlaub. Von daher sehe ich sämtliche Handwerker und Dienstleister nicht weniger systemrelevant als die Berufsgruppen, die immer wieder öffentlich genannt werden. Denn auch sie haben unser System am Laufen gehalten. Das sollte auch mal erwähnt sein.

Halten Sie den aktuellen Lockdown für richtig und angemessen?

PATRIC MÜLLER: Definitiv. Doch hätte ich mehr einheitliche Regelungen für richtig erachtet.

Was war in den vergangenen Monaten das signifikanteste Erlebnis?

PATRIC MÜLLER: Dass grundlegende Verwaltungsabläufe trotz Home-Office-Regelungen in Teilen noch mehr verlangsamt wurden. Das war für mich nicht nachvollziehbar. So mussten wir eigenständig mit unserem Team im Kindergarten in Zusammenarbeit mit der Elternschaft den unterschiedlich auferlegten Betreuungsformen nachkommen und diese auch organisieren. Wenn sämtliche Beteiligten in der Krise noch eine Schippe drauflegen, wird das ungemein bei der Bewältigung helfen. Ich bleibe zuversichtlich.

Es gab aber nicht nur Corona. Was war das wichtigste, was in Gau-Bischofsheim abseits der Pandemie umgesetzt wurde?

PATRIC MÜLLER: Wir haben tatsächlich den größten Teil der im Haushalt 2020 aufgeführten Maßnahmen durchführen können: Die LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung, die freie W-Lan-Ausstattung im Unterhof, die Anschaffung von Tablets für die Rats- und Ausschussmitglieder im Sinne zeitgemäßer Durchführung digitaler Gremiensitzungen. 

Auch die Wertgutachtenerstellung für das Areal des seitherigen Kindergartens möchte ich nicht unerwähnt lassen. Dieses bildet die Grundlage für die Absicht der Gemeinde im künftigen Umgang mit dem Gesamtprojekt.

Was steht 2021 für Gau-Bischofsheim auf der Agenda?

PATRIC MÜLLER: Da nenne ich mal die Veräußerung des seitherigen Kindergartenareals im Rahmen einer Konzeptvergabe. Barrierefreies und altengerechtes Wohnen steht hierbei im Vordergrund der Umnutzung. Der Förderantrag zum Verfahren ist bereits gestellt. Weiterhin wird eine zusätzliche Gruppe im neuen Kindergarten eingerichtet, um den noch anstehenden Betreuungsbedarf in der Gemeinde zu einhundert Prozent abdecken zu können. Da das Projekt „gemeinsamer Bauhof“ nach über drei Jahren Vorbereitungszeit gescheitert ist, sind die seitherigen Beteiligten wieder auf sich allein gestellt. Es ist nachvollziehbar, nun eine eigene Lösung für unsere Mitarbeiter zu finden. Wir werden das Vorhaben als selbstständige Maßnahme angehen. Gemeindeeigenes Gelände steht hierfür zur Verfügung.

Was erwarten Sie für 2021 sonst noch?

 PATRIC MÜLLER: Es wird der barrierefreie Umbau der beidseitigen Bushaltestellen in der Lörzweiler Straße erfolgen. Ein weiteres, mir wichtiges Thema ist die Steuerung einer nachhaltigen baulichen Innenverdichtung im Einklang mit dem Erhalt des bereits bestehender Bestands in der Gemeinde. Hierbei werden wir in den Gremien dicke Bretter zu bohren haben.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“