Sie sind dankbar und gerührt: Simon Höneß, Valeria Beck, Corina Ramona Ratzel und Dorothea Herrmann (von links). Rechts Pfarrerin Britta Busch, im Hintergrund Ortsvorsteher Ralf Kehrein. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

WEISENAU – Das Benefizprojekt „Kirche für Künstler“ trägt erste Früchte. Die Initiatoren, die Weisenauer Pfarrerin Britta Busch und Ortsbeiratsmitglied Thomas Mann, haben vier Künstlern eine Spende von je 500 Euro überreicht. Das Projekt, von dem die Lokale Zeitung berichtete, will 2021 weitere Hilfsgelder sammeln. Sobald es die Corona-Einschränkungen erlauben, soll die Kirche den Künstlern im Inneren die Möglichkeit zu Auftritten geben.

Einer der Begünstigten ist Simon Höneß, Pianist und Bandleader. Seit Anfang der Pandemie leidet er unter Verdienstausfällen. „Weil der Buchungsvorlauf mehrere Monate beansprucht,
rechne ich damit, auch im kommenden Halbjahr keine Einnahmen zu haben“, sagt er. „Es berührt mich zutiefst, dass man uns aus einem rein privaten Impuls unterstützt.“ Thomas Mann, der Ideengeber von „Kirche für Künstler“, hat Höneß im Sommer mit dem mobilen Klavier in Mainz gesehen. „Unser Gespräch hat in mir das Bedürfnis geweckt, den Künstlern zu helfen“, erinnert sich Mann. Valeria Beck unterrichtet Kinder und Erwachsene Cello, E-Cello und Klavier. Auch sie hat enorme Ausfälle, nicht zuletzt, weil die Menschen bei Präsenzunterricht Angst haben sich anzustecken. Speziell der Unterricht für die Kleinen sei in der Pandemiezeit eine echte Hürde. „Die Tipp-Top-Haltung der kleinen Finger kann ich über Skype nicht gut vermitteln.“ Fraglos seien ihr viele Auftritte abgesagt worden. Die Spende sei wie ein Weihnachtsgeschenk und eine willkommene Hilfe. „Ich bin so erleichtert.“ Denn nach einem Autounfall habe sie sich Geld leihen müssen, um einen Gebrauchtwagen zu kaufen. „Danke“, sagt Beck mit ein paar Tränen in den Augen, die sie rasch wegwischt.
 Die Diplom-Clown-Schauspielerin Corina Ramona Ratzel stand vor dem Einbruch der Pandemie 16 Jahre lang fünf Mal die Woche auf der Bühne. „In März bin ich psychisch erstmal ins Stocken geraten“, sagt sie mit zitternder Stimme. „Auch weil mir niemand so richtig helfen konnte.“ Keineswegs sei sie sauer. Niemand habe gewusst, was gerade passiert. „Durch den Clown in mir bin ich zum Glück in meine Mitte gekommen.“ Durch das Chaos komme das Neue, sagt sie. Jetzt bringe sie die Weisheiten des Clowns nach außen. Dass sie Geld bekomme, sei für sie schlicht „Gottes Geschenk“. Zusammen mit Dorothea Herrmann plant sie im Rahmen des Projekts „Kirche für Künstler“ einen Auftritt in der evangelischen Kirche in Weisenau. „Wir werden pantomimisch mit Musik die Geschichte von ,Arche Noah‘ präsentieren.“

Das Stück passe extrem gut in die aktuelle Zeit. Mit der Klarinettistin Dorothea Herrmann, der vierten Spendenempfängerin, beabsichtigt sie, durch die Aufführung speziell die Familien und Kinder zu erreichen. „Stillstand, Trauer und Wut bewegen derzeit uns alle sehr. Wir wollen die Menschen berühren, motivieren und ihnen Licht und Motivation schenken“, kündigt Herrmann an.

 

Kontakt: Email an kirche-fuer-kuenstler-mainz@t-online.de, Infos unter www.ev-weisenau.de

 

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.