Aljoscha Brosius kämpft gegen den Schaden, den Corona-Verordnungen hinterlassen. Foto: red

FINTHEN – Im Sommer und Frühherbst hatten die Gastronomen noch die Hoffnung, dass die Corona-bedingt ganz große wirtschaftliche Katastrophe vielleicht ausbleiben könnte. Doch dann kam für sie der neuerliche Lockdown, den die wenigsten nachvollziehen können. Wir sprachen darüber mit Aljoscha Brosius, der das Restaurant/Bistrobar in der Markthalle erst vor wenigen Monaten übernommen hat.

Herr Brosius, wie sind Sie bislang durch die Coronakrise gekommen?

ALJOSCHA BROSIUS: Für uns war die Krise vielleicht noch etwas schwieriger zu bewältigen als für andere alteingesessene Unternehmen, da wir uns die Stammgäste erst erarbeiten müssen und gleichzeitig unglaublich viel investiert haben. Durch die Abstandsregelungen haben wir im Sommer viele Plätze und damit Gäste auf der Terrasse verloren, da wir vier Tische weniger als geplant stellen konnten, was eine Menge an verlorenem Umsatz bedeutet. Aber wir sind froh, dass unsere Gäste und wir gesund geblieben sind. Das ist doch die Hauptsache.

Was halten Sie vom neuerlichen Lockdown?

ALJOSCHA BROSIUS: Meiner Meinung nach ist die Gastronomie nun zum zweiten Mal zu Unrecht bestraft worden. Unser vom Gesundheitsamt mit Bestnote bewertetes Hygienekonzept hat den Gästen und uns ein sicheres Gefühl gegeben. Ich sehe keinen plausiblen Grund für den Lockdown.

Haben Sie staatliche Unterstützung beantragen müssen?

ALJOSCHA BROSIUS:  Wir haben im Mai versucht, die Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro zu beantragen, wurden jedoch abgelehnt mit der Begründung, dass wir als „neues Unternehmen noch nicht am Markt sind“. Es wurde dabei nur an Unternehmer gedacht, die schon Umsätze vorlegen konnten. An Neugründer können wir das aber nicht, obwohl wir im Mai Kosten im fünfstelligen Bereich nachweisen konnten. Somit sind wir erstmal mit einem riesigen Minus gestartet, welches es nun aufzuarbeiten gilt.

Gab es in den vergangenen Monaten so etwas wie eine Existenzkrise beziehungsweise Existenzängste?

ALJOSCHA BROSIUS: Die Existenzängste hatten wir von Anfang an, da der erste Lockdown fünf Tage nach Unterzeichnung des Pachtvertrages kam. Dass wir dann einen ganzen Monat bei vollen Kosten nicht öffnen durften, hat uns von vorneherein in eine unangenehme Situation befördert. Gerade als wir dann einen kleinen Aufschwung im Oktober hatten, kam der zweite Lockdown. Wir hoffen jetzt, dass die Bundesregierung es wie angekündigt umsetzt und auch Fördermittel für junge Unternehmen bereitstellt, auch wenn diese bei weitem nicht das ausmachen, was wir im November hätten erwirtschaften können. Bereits jetzt haben uns mehr als ein dutzend Gesellschaften und Weihnachtsfeiern abgesagt. Den bisher entstandenen wirtschaftlichen Schaden wieder aufzuarbeiten, wird lange dauern und viel Kraft kosten, was nach den letzten Monaten nicht einfach sein wird, aber wir geben nicht auf. Ich denke die Existenzängste werden uns, genauso wie Corona, noch eine Weile begleiten.

Was planen Sie aktuell für die Weihnachtszeit und für Silvester?

ALJOSCHA BROSIUS:  In der Vorweihnachtszeit sollte es bei uns Gänse- und Wildgerichte aus der Region geben. Auch für Weihnachtsfeiern sind wir zu buchen. Ursprünglich haben wir geplant, an Heiligabend vormittags einen großen Frühstücksbrunch sowie an beiden Feiertagen ein 3-Gang-Menu zur Auswahl sowohl mittags als auch abends anzubieten. Für Silvester hatten wir vor, ein großes Menü mit begleitender Musik sowie Begrüßungscocktail, Tanzfläche und Outdoor-Champagnerbar auf unserer Terrasse anzubieten. Ich hoffe, dass die Verordnungen bis dahin gelockert werden und wir die Feiertage wie geplant mit unseren Gästen genießen können.

Bieten Sie einen Abhol- und auch Lieferdienst an?

ALJOSCHA BROSIUS:  Wir haben uns dazu entschieden, nicht auf staatliche Hilfe zu setzen, und mit eigener Kraft durch den Winter zu kommen. Wir bieten an sieben Tagen die Woche einen Abhol- und Lieferservice an, was bisher auch sehr gut angenommen wird. Wir liefern von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 17.30 Uhr in Finthen, Gonsenheim, Drais und Wackernheim vakuumierte Speisen zum Aufwärmen an. Von 18 bis 20 Uhr kann man bei uns warme Speisen im Restaurant abholen. Angeboten werden unter anderem Omas Hackbraten, verschiedene Suppen, Salate, unser beliebter Angus-Burger sowie Wildgulasch aus der Region. Auch einen Wein- und Getränkeverkauf bieten wir an.

Teilen
Vorheriger Artikel„Chaos“ ist vorprogrammiert
Nächster ArtikelMehr denn je von Bedeutung
Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“