Peter Krawietz, Britta Busch und Thomas Mann wollen den Künstlern unter die Arme greifen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

WEISENAU – Unter der Last der Pandemie nicht einknicken: In Weisenau formiert sich in diesen Wochen eine Hilfsaktion für Künstler, die das ästhetische Erleben mit Solidarität verbindet. Mit der Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Kirche für Künstler“ öffnet die evangelische Kirchengemeinde des Stadtteils ihre Türen für Kunstschaffende und ihr Publikum. „Zurzeit ist den Künstlerinnen und Künstlern in Mainz und Umgebung eine Vielzahl von Auftritten und Veranstaltungen weggebrochen. Viele von ihnen sind in finanzielle Schwierigkeiten geraten“, sagt Thomas Mann, der Ideengeber und Koordinator der Benefizreihe. Einige Begegnungen während der Pandemie weckten in ihm das Bedürfnis zu handeln, erzählt er. Zum einen die persönliche Begegnung mit „dem Mainzer Pianisten und seinem rollenden Klavier“, den er im Sommer in der Innenstadt hörte und mit ihm ins Gespräch kam. Er lebe gerade von seiner Altersversorgung, habe ihm der Mann berichtet. Einige Zeit später, bei einem Künstlerevent in Konstanz, sei es ihm „eiskalt den Rücken heruntergelaufen“, als er das Statement eines Artisten hörte. „Er hat das Kind beim Namen genannt.“ Dieser schilderte, dass ihm wie seiner ganzen Familie von heute auf morgen das gesamte Einkommen weggebrochen war.

Gleich danach im September knüpfte Mann den Kontakt zur Weisenauer Pfarrerin Britta Busch. Diese ließ sich sofort begeistern. „Wir wollen genau denen Unterstützung zukommen lassen, die unser Leben sonst bereichern“, meint Busch. Auch die Kontakte, die Mann aus den Zeiten des Bibelturmentscheids noch hatte, nutzte er. So gewann er Peter Krawietz, den ehemaligen Kulturdezernenten der Stadt, als Schirmherrn. „Ich weiß, dass auch ohne Corona-Krise nicht alle, die in der Kultur tätig sind, von ihrem Einkommen zehren können“, begründet Krawietz sein Engagement. Die Not sei groß. „Es war für mich eine Selbstverständlichkeit, meine Zeit zu Verfügung zu stellen.“ Mittlerweile existiert ein Spendenkonto und auf das Programm für den ersten Kulturabend am 2. Adventssonntag ist das Orga-Team stolz. „Ihr Kommen hat Gudrun Landgrebe zugesagt.“ Erklingen wird auch das erwähnte mobile Klavier, an das sich Simon Hönes setzen wird. Natürlich nur, wenn die Umstände der Pandemie das zulassen.

Die Darbietungen an den weiteren Terminen, 14.Februar, 21. März und 18. April, sollen ähnlich durchmischt sein: „Musik, Comedy, oder je nachdem, was sich ergibt“, kündigt Mann an. Lediglich Ausstellungen würden die Ressourcen der Organisatoren sprengen. „Die Kunstschaffenden aus dem Großraum Mainz können sich bei mir melden.“ Aus den eingereichten Bewerbungen werde man die Künstler für die insgesamt fünf Auftritte auswählen. Die finanzielle Unterstützung durch Spenden auf das Konto oder am Veranstaltungsabend selbst sei erstmal für die Künstler aus Mainz und Umgebung vorgesehen. Sollte sie größer ausfallen, könnte auch der Radius wachsen.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.