Nicht nur auf den großen Umzug in Nieder-Olm müssen die Freunde der fünften Jahreszeit in der kommenden Saison verzichten. Foto: Annette Pospesch

NIEDER-OLM – Die Kampagne ruht, bevor sie begonnen hat. Die Fastnachtsvereine aus der Stadt Nieder-Olm und den umliegenden Gemeinden verabschieden sich vom Kampf gegen Mucker und Philister. „Unser Vorstand hat beschlossen, alle Veranstaltungen abzusagen“, teilt der Vorsitzende der „Esemer Hefdbidsel“, Alexander Schott, mit. Weder die Sitzungen, noch der Ordensempfang oder die Kinderdisco finden 2021 in Essenheim statt. „Wir zollen dem Virus Tribut und sehen uns den Aktiven und Gästen gegenüber verpflichtet, das höchste Gut – unsere Gesundheit – zu schützen.“ Der Schritt schmerze sehr, zumal die Veranstaltungen weitgehend organisiert gewesen seien. „Umso mehr freuen wir uns auf unsere Jubiläumskampagne 2022.“ Dann steht der 2×11-te Geburtstag an.

Auch der Elsheimer Carneval Verein (ECV) bremst ab. Es werde aller Voraussicht nach keine klassischen Fastnachtssitzung geben, hieß es bei der jüngsten Mitgliederversammlung. Die fünfte Jahreszeit solle aber „mit alternativen, noch nicht näher bestimmten Formaten im möglichen Rahmen“ gefeiert werden, so der Verein auf der Homepage.

Solche ausgelassenen Szenen von feiernden Menschen wird es in der Fastnachtskampagne 2020/2021 wohl nicht geben. Foto: Annette Pospesch

Die Gesamtlage fasste der Vorsitzende des Nieder-Olmer Carneval Clubs (NOCC), Dr. Hans Valentin Kirschner, zusammen: „Der Handlungsspielraum ist noch enger geworden, da inzwischen die Auflagen noch einmal verschärft worden sind.“ Es werde keine Veranstaltungen geben, die „als Umgehung der Vorschriften zur Abwendung der Corona-Epidemie aufgefasst“ werden könnten. Zum Narrenkostüm setzt sich der NOCC die Nasen-Mundschutz-Maske auf. So wenig wie möglich solle der Nachwuchs darunter leiden. Im Gegenteil werden „die sportlichen Aktivitäten, die mit dem Tanzen verbunden sind“ in der sitzungsfreien Kampagne „noch weiter ausgebaut“. Ihre Choreografien, Kostüme und Tänze sollten die Tanzgruppen dem verkleinerten Publikum – den Eltern und Familien – vorführen können.

Der NOCC öffnet Tür und Tor der Kreativität: mit Tanzen, „Zirkel-Training oder Übungseinheiten im Freien“ und sogar „Vorlesestunden für die Kids“, will der Verein den Nachwuchs bei Laune halten. Die Trainerinnen, freut sich Kirschner, haben sich bereits „einiges einfallen lassen“. Das zeigt Wirkung: vier neue Mitglieder habe der Verein trotz der trüben Aussichten begrüßen können. „Dezente Akzente wollen wir auch in der Öffentlichkeit setzen“, kündigt Kirschner an. Beispielsweise am 11. November oder dem darauffolgenden Samstag die Fastnachtsfahne am Rathaus hissen. „Ohne Publikum und gemeinsam mit dem Nieder Olmer Carneval Verein (NOCV).“ Natürlich nur, wenn die Stadtverwaltung damit einverstanden ist. Auch im Ort wollen beide Vereine mit „Akzenten ohne Event-Charakter“ auf die vierfarbbunte Jahreszeit hinweisen. Eine Sitzung mit einem Drittel der üblichen Teilnehmer auf die Beine zu stellen, lohne sich auch für den NOCV nicht, meint der Vorsitzende, Herbert Stetter. „Eine vergleichbare Situation hat es in der Geschichte der Fastnacht nicht gegeben“, sagt er. Sehr wichtig sei es daher, dass die Absagen nicht irgendwann mittendrin in der Kampagne, sondern frühzeitig „so wie jetzt“ kommen.

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