Eine begeisterte Dr. Marion Witteyer präsentiert die kopflose Statue. Foto: Ralph Keim

NEUSTADT – Es heißt: Wer in Mainz tiefer als einen Meter gräbt, stößt zwangsläufig auf Überbleibsel aus der Römerzeit. Das war so bei den Bauarbeiten zum Hilton an der Rheinstraße, als die berühmten Römerschiffe zutage kamen. Es war so beim Bau der Römerpassage, bei dem die Fundamente eines römischen Tempels das Tageslicht erblickten. Und jetzt am Zollhafen, wo zwischen Kunsthalle und Feuerwache unter „Rheinallee IV“ ein neues Stadtquartier mit knapp 140 Wohnungen entsteht.

In dieser Baugrube in der Neustadt am Zollhafen wurden die sensationellen Funde gemacht. Foto: Ralph Keim

Die vorbereitenden Arbeiten haben eindrucksvolle Funde aus der Römerzeit zutage gefördert, die jetzt, begleitet von einem großen Medieninteresse, von Dr. Marion Witteyer, Leiterin der GDKE-Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Mainz, vorgestellt wurden. „Wir haben hier zwei exzeptionelle Skulpturen gefunden“, zeigte sich Dr. Witteyer begeistert.

Einer Skulptur fehlt zwar der Kopf. Doch das beeinträchtigt nicht die eindrucksvolle Erscheinung. Für die Landesarchäologin ist diese Skulptur von höchster Qualität. Von der anderen Skulptur sind immerhin Fragmente erhalten.

Dass man an dieser Stelle nahe des Rheins fündig werden würden, ist für Marion Witteyer keine Überraschung gewesen. „Die archäologischen Untersuchungen der Nachbarbaustelle haben nahegelegt, dass wir auch hier Funde aus der römischen Siedlungszeit machen würden.“

Bald werden hier Wohnungen gebaut. Die Grabungen gehen allerdings weiter. Foto: Ralph Keim

Doch etwas Vergleichbares habe man in Mainz noch nicht entdeckt. „Seit vielen Jahrzehnten haben wir generell keine Fundstücke mehr sichern können, die von einer ähnlichen Qualität waren“, freute sich Dr. Witteyer. Daher sei es erlaubt worden, weitere zwei Wochen zu graben. Auch während der Präsentation waren mehrere Männer und Frauen in der großen Baugrube damit beschäftigt. Für Dr. Witteyer ist der Zollhafen eine „archäologische Wundertüte“.

Verbunden mit der Präsentation war die Grundsteinlegung des Bauprojekts, das von dem Wohnungsunternehmen Sahle Wohnen aus Greven realisiert wird. Neben den Wohnungen entstehen eine Kindertagesstätte und zwei Büroeinheiten im Erdgeschoss.

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Ralph Keim
Seit ihrer ersten Ausgabe bin ich in verschiedenen Bereichen engagiert bei der Lokalen Zeitung. Heute verantworte ich die Ausgaben „Mainz-Mitte“ außerdem „Hessen“ und „Rhein“. „Die lokale Berichterstattung ist für mich immer wieder etwas Besonderes, da man hier ganz nah an den Menschen ist“, möchte ich, Jahrgang 1964, meine Arbeit beschreiben. „Außerdem ist Mainz eine tolle Stadt mit einem tollen Umfeld.“