Ortsvorsteherin Claudia Siebner gratulierte der Jubilarin zum 101. Geburtstag. Foto: kga

BRETZENHEIM – Lina Kögler hat ein leises Lächeln auf den Lippen. „Och jo“, sagt sie nur, als ihr Ortsvorsteherin Claudia Siebner in ihrem Wohnzimmer mit den Worten gratuliert: „Sie sind jetzt die älteste Bretzenheimerin.“ Am 30. Oktober feierte die Seniorin in ihrem Zuhause in der Essenheimer Straße ihren 101. Geburtstag. Kögler freut sich über den Blumenstrauß, den Wein der Stadt und die Glückwünsche der Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die Siebner mitgebracht hat. Doch es sind gemischte Gefühle, die die Jubilarin an diesem Tag hat. „Es kommt ja keiner mehr“, sagt sie, aber dann lächelt sie auch gleich wieder. Es werden eben nicht so viele so alt wie sie.

Trotz ihres hohen Alters gestaltet Lina Kögler, die im Rollstuhl sitzt, ihren Alltag zum großen Teil noch allein. „Ab und zu koche ich auch noch, wenn mir das Essen, das mir gebracht wird, nicht so schmeckt“, sagt sie verschmitzt. Auch für Ordnung und Sauberkeit in ihrer Wohnung sorgt sie. Wenn es nicht selbst geht, gibt sie den Helferinnen vom ASB und vom ehrenamtlichen Hilfsdienst Anweisungen. Regelmäßig geht die Seniorin noch vor die Haustür, für Spazierfahrten etwa in den Südringpark. Mit ihrer ehrenamtlichen Betreuung sei sie im Sommer auch in die Stadt gefahren, um im Domcafé Kaffee und Kuchen zu genießen.

Mit ihrem Mann, den sie bei einer Karnevalsveranstaltung im Schloss kennenlernte, hat sie 68 Jahre ihres Lebens geteilt, im vergangenen Jahr ist er mit 98 Jahren gestorben. Obwohl Lina Kögler alle ihre Angehörigen – auch ihre Kinder – überlebt hat, blickt die in Ober-Olm geborene und in Zahlbach aufgewachsene Jubilarin zufrieden zurück. Basteln und Handarbeiten, das war das gemeinsame Hobby Köglers und ihres Mannes Albert. Nach Vorlagen gestickte Bilder zieren das gesamte Wohnzimmer und stolz zeigt Lina Kögler ein großes Segelschiff in einer Glasvitrine. „Zwei Jahre hat mein Mann daran gebaut.“

Dann erzählt sie ein wenig aus ihrem Leben. Sie habe an der Kinokasse, aber auch als Verkäuferin gearbeitet. Ihr Mann sei bei der Post gewesen. Gemeinsame Urlaube führten nach Teneriffa und nach Jugoslawien, aber auch in New York war Kögler. Ihre Augen leuchten, als sie von den großen Theatern erzählt, sich an die Radio City Music Hall und das Rockefeller Center erinnert. Und an „den hohen Turm“, auf den man gefahren sei, um von oben klein wie Matchbox-Autos den Verkehr in Manhattans Straßen zu sehen.

Die täglichen Nachrichten interessieren sie, die Wahlen in den USA, die Corona-Situation, das verfolgt sie jeden Abend am Fernseher, das halte sie auch geistig fit. Zukunftspläne, die habe sie mit 101 Jahren zwar nicht mehr. „Aber könnte ich noch laufen, dann würde ich gerne noch einmal nach Teneriffa“, sagt Lina Kögler und lächelt wieder.

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