Adi Guckelsberger in seiner Paraderolle als Nachtwächter. Er steht zu der Corona-bedingt weitgehenden Absage der Fastnachtskampagne. Foto: Ralph Keim

MAINZ – Inzwischen haben sich die Hoffnungen, die es vor einigen Monaten noch gegeben haben, in Luft aufgelöst: Im Januar und Februar kommenden Jahres wird es Corona-bedingt keine Fastnachtssitzungen geben – zumindest nicht in der Form, wie man es als eingefleischter und begeisterter Narr geliebt hat. Zwar arbeiten einige der großen Korporationen mit Hochdruck an Alternativen. Aber etliche Vereine haben ihre bereits terminierten Veranstaltungen inzwischen komplett abgesagt. Das trifft besonders die Aktiven. Einer von ihnen ist Adi Guckelsberger, dem breiten Sitzungspublikum bestens bekannt als „Nachtwächter“. Wie sprachen mit Adi Guckelsberger über die Fastnachtskampagne, die in die Geschichte eingehen wird.

Herr Guckelsberger, wie sehr geht es Ihnen nach, dass es nach aktuellem Stand so gut wie keine Fastnacht geben wird?

ADI GUCKELSBERGER: Als Fastnachter blutet mir natürlich das Narrenherz. Dennoch ist es die einzig richtige Entscheidung. Da müssen wir jetzt eben durch. Die Infektionszahlen steigen wieder, aber wir machen Fassenacht, das wäre doch höchst unvernünftig. Beim Golfkrieg 1991, als die Kampagne abgebrochen wurde, mussten wir da auch durch. Freuen wir uns doch jetzt schon auf die Kampagne 2022.

Wie sieht es bei den Vereinen aus, denen Sie besonders nahestehen?

ADI GUCKELSBERGER: Der MCV arbeitet an einem Streaming-Beitrag. Das wird aber keine klassiche Sitzung sein. Wir sind hier noch in der Planungsphase, deshalb kann ich hierzu noch nicht viel sagen.

Was halten Sie von Überlegungen, Sitzungen aus einem weitgehend leeren Saal online zu übertragen?

ADI GUCKELSBERGER: Also ich kann mir das nur schwerlich vorstellen. Mein eigener Vortrag wäre hierfür sowieso ungeeignet, da ich das Publikum in ausreichender Zahl zum Mitreimen brauche. Und ich denke, meinen Kollegen auf der Bühne geht es nicht anders. Die Fastnacht lebt doch von der kmörperlichen Nähe, vom Schunkeln, vom Mitsingen. Das würde ja fehlen. Aber es soll ja solche Konzepte von anderen Vereinen geben. Dann lassen wir uns doch einfach überraschen. Ich freue mich über jeden Beitrag, der uns Mainzern ein kleines Stück Narretei vermittelt.

Arbeiten Sie dennoch an Ihrem neuen Nachtwächter-Vortrag?

ADI GUCKELSBERGER: Ich arbeite an meinen Vorträgen das ganze Jahr. Diesmal habe ich somit länger Zeit, da ich den Vortrag erst in der nachfolgenden Kampagne halten werde.

Sofern die Kampagne 2021/22 wieder normal läuft: Darf man sich als Fastnachter eigentlich über Corona lustig machen?

ADI GUCKELSBERGER: Es ist wie bei jedem anderen Thema auch: Grundsätzlich ja, aber man darf nicht den guten Geschmack verletzen.

Könnten Sie sich vorstellen, dass gewisse Veranstaltungen, beispielsweise der Rosenmontagszug im Sommer nachgeholt wird? Wäre ja nicht das erste Mal.

ADI GUCKELSBERGER: Nein, auf keinen Fall. Es war 2016 eine völlig andere Situation. Der Grund war dam als der angekündigte heftige Sturm. Die Wagen waren schon fertig gebaut. Der Rosenmontagszug wurde kurzfristig abgesagt. Derzeit sind nach der Ansicht vieler Virologen bis zum Sommer wahrscheinlich erst wenige Bevölkerungsgruppen geimpft. Somit stellt sich die Frage meiner Meinung nach erst gar nicht.

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