Bischof Peter Kohlgraf bei der Predigt an Fronleichnam Mitte Juni. Foto: Bistum Mainz

MAINZ – Die Corona-Krise und der gesellschaftliche Lockdown haben den Christen lange Zeit den Zugang zum Zentrum ihres Glaubens – zur Gemeinschaft im Gottesdienst – versperrt. Doch zugleich rückten stärker genuin christliche Haltungen in den Fokus. Die Lokale Zeitung sprach mit Bischof Peter Kohlgraf über die Corona-Zeit und ihre Auswirkungen.

Herr Bischof, wie erlebte Ihr Glaube die Zeit der Abwesenheit der Gläubigen beim Gottesdienst?

BISCHOF KOHLGRAF: Natürlich war das eine schwierige Zeit. Die Begegnung und das Miteinander mit Menschen bestimmt meine Aufgabe, der Hirt einer Gemeinde zu sein. Wenn alle zu Hause bleiben müssen, ist es schwer, dieses Amt auszuüben. Zwar ist es durchaus möglich, in Kontakt zu bleiben, etwa über Briefe, Telefon oder auch Video-Botschaften. Aber ich habe gemerkt: Die persönliche Begegnung ist durch nichts zu ersetzen. In den Gottesdiensten hat mir die Anwesenheit der mitfeiernden Gemeinde sehr gefehlt. Ich bin froh, dass jetzt Gottesdienste in Gemeinschaft wieder möglich sind, auch wenn es weiterhin Einschränkungen gibt.

Wie hat Ihr Bistum die Krisenzeit bisher gemeistert?

Beim Gottesdienst an Fronleichnam waren alle möglichen Plätze im Dom besetzt. Foto: Bistum Mainz

BISCHOF KOHLGRAF: Ich denke, hier muss man verschiedene Ebenen unterscheiden: Zunächst galt es, die Vorgaben zu Hygiene und Infektionsschutz in unserem Verantwortungsbereich umzusetzen. Ich bin allen dankbar, die sich darum mit großer Sorgfalt gekümmert haben. In den Gemeinden haben unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kreative Ideen entwickelt, um miteinander in Verbindung bleiben zu können. Digitale Angebote, Impulse für Gebete und Hausgottesdienst gehörten dazu, auch „Telefonbesuche“ oder Hilfsdienste für ältere Menschen – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber ich nehme auch eine große Verunsicherung wahr. Wie geht es weiter? Diese Frage bedrängt viele Menschen. Schließlich hat die Krise Auswirkungen auf die finanzielle Situation des Bistums: Wir versuchen, reflektiert damit umzugehen, dennoch ist sicher, dass es in manchen Bereichen nicht so weitergehen kann wie bisher. Insgesamt hoffe ich, dass es uns gelingt, vor allem aus den pastoralen Erfahrungen in dieser Krise etwas für die Zukunft mitzunehmen.

Die Corona-Zeit und beispielsweise die Hygienevorschriften stören und konterkarieren scheinbar den Kern und den Sinn einer Kirchengemeinschaft. Wie können die Gläubigen die Situation deuten, damit ihr Glaube nicht geschwächt, sondern vielleicht sogar gestärkt wird?

BISCHOF KOHLGRAF: Wer seinen Glauben leben will, braucht die Gemeinschaft mit anderen, vor allem auch die gemeinschaftliche Feier von Liturgie und Gottesdienst. Das steht außer Zweifel, und ich kann verstehen, wenn Gläubige die Einschränkungen als störend empfinden. Aber ich will daran erinnern: Auf meinen Nächsten zu achten, auf Schwächere und Gefährdete Rücksicht zu nehmen, auch dies sind christliche Haltungen. Das Diakonische, die Sorge für andere und das Füreinander-Dasein gehören zum Kern des christlichen Glaubens. Wenn man sich vor Augenhält, dass die Einschränkungen auch dem Wohl anderer dienen, dann fällt es vielleicht leichter, sie hinzunehmen.

Wie kann die Kirche den Menschen in dieser Ausnahmesituation helfen?

BISCHOF KOHLGRAF: Die christliche Botschaft ist eine Botschaft der Hoffnung. Der Glaube kann ein Fundament sein, um Krisenzeiten zu bewältigen, und Vertrauen und Zuversicht schenken. Und ich denke auch, die Einschränkungen, die wir derzeit erleben, sind zwar nicht angenehm, aber doch zu verkraften. Andere Länder, die zögerlicher vorgegangen sind, kämpfen jetzt mit gravierenderen Folgen. Und nicht zu vergessen: Die Menschen in Teilen Asiens, in Afrika oder Lateinamerika stellt die Pandemie vor ganz andere Herausforderungen. Ich wünsche allen, dass sie – trotz reduzierter sozialer Kontakte – die Erfahrung menschlicher Nähe machen und Wege finden, ihrerseits Zuwendung zu geben.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.