Die ÖDP-Infoveranstaltung zum Thema „Ostfeld/Kalkofen-Bebauung“. Foto: Judith Wallerius

NEUSTADT – Bei einer Infoveranstaltung machte die Mainzer ÖDP in Zusammenarbeit mit dem Bündnis Stadtklima Wiesbaden auf ein wichtiges Thema für die Mainzer Klimazukunft aufmerksam, das in Mainz bisher wenig beachtet werde.

Die geplante Bebauung des Wiesbadener Ostfelds, einer Zone von etwa 450 Hektar oberhalb von Kastel und der A671 und westlich der B455, soll auf einer Fläche von etwa 450 Hektar stattfinden und 12.000 Menschen beheimaten. Der Plan ist umstritten, da wertvoller Ackerboden enteignet und versiegelt würde, Biotope vernichtet und gefährdete Arten zerstört. Zudem erlaube der regionale Bebauungsplan ein solches Projekt eigentlich gar nicht, so die Kritiker.

Die Infoveranstaltung wies speziell auf eine weitere Problematik hin, da genau dieses Feld das einzige unversiegelte und als solches definierte Frischluftquellgebiet der Stadt Wiesbaden sei, und eine Bebauung dieses Areals eine der für Mainz wichtigsten kaltluftproduzierenden Zonen der Umgebung vernichten und zusätzlich weitere Kaltluftströme aus Wiesbaden aufhalten würde.

„Die Luftströme bewegen sich nur in einer Höhe von etwa 20 Metern und werden durch Bebauung einfach blockiert, da sie Hindernisse umfließen. Zusätzlich werden die bisherigen Ströme vom Ostfeld selber nicht mehr gebildet“, erklärte die Mainzer ÖDP-Stadträtin Dagmar Wolf-Rammensee.

Christina Kahlen-Pappas (Bürgerinitiative Zukunft Schierstein), Sabine Maritzen (Mitbegründerin des Wiesbadener „Bündnis Stadtklima“) und Stadträtin Dagmar Wolf-Rammensee (von links) bei der Infoveranstaltung zum Thema „Ostfeld/Kalkofen Bebauung“. Foto: Judith Wallerius

Da durch die allgemeine Klimaerwärmung ohnehin schon eine Erhöhung der Temperaturen erfolge, müsse dadurch in der Mainzer Alt- und Neustadt in wenigen Jahren mit einer Erhöhung um zehn Grad gerechnet werden, und weit mehr in den folgenden Jahrzehnten. Wichtige Daten für diese Entwicklung hat dabei das Klimprax-Projekt des Umweltbundesamtes ergeben, das Wiesbaden und Mainz als Modellkommunen genutzt und dabei Daten bis 2016 stellvertretend für die Klima Zukunft von Städten in ganz Deutschland erhoben hat. Die Prognosen des Projekts seien schon ohne Ostfeld-Bebauung besorgniserregend gewesen.

„Die Klimprax-Studie hat die Temperaturen, die wir jetzt schon in der Stadt erreichen, eigentlich erst für 2030 vorhergesagt, 2030 werden wir dann bei Temperaturen sein, die erst für 2060 vorhergesagt wurden“, berichtete Sabine Maritzen, Mitbegründerin des Bündnis Stadtklima. Mit dieser Beschleunigung würde es weitergehen, die Realität sei schon jetzt an den Vorhersagen vorbei gezogen und würde durch eine Ostfeld-Bebauung noch deutlich verstärkt.

Wird das Ostfeld bebaut, wären die betroffenen Stadtteile in absehbarer Zukunft gesundheitsschädlich überhitzt und im Sommer quasi unbewohnbar, erklärte Wolf-Rammensee. Davon betroffen seien neben der Mainzer Alt- und Neustadt ebenso die bislang ebenfalls vom Ostfeld profitierenden Ortsteile Kastel und Kostheim.

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