Noch sind die Hochbeete leer, aber die Kinder sind bereit, sie zu bepflanzen. Foto: Helene Braun

ZAHLBACH – Zeitgemäße Pädagogik stellt den Bezug von der Theorie zum Leben her. Es gibt Zertifikate und Auszeichnungen, aber das der Grünen Schule gibt es noch nicht. Dennoch sagt Susanne Willbrand-Regis, Lehrerin an der Grundschule An den Römersteinen: „Wir wollen Grüne Schule werden.“ Das Thema Nachhaltigkeit habe sie die jüngste Zeit sehr beschäftigt, da trafen zwei Glücksfälle aufeinander: Ein Schrebergarten zum Pachten wurde frei und die Schule wurde Preisträger bei einem Wettbewerb der „Ackerhelden“, die seit 2013 Kinder in Kindergärten und Schulen ins grüne Klassenzimmer schicken.

Gesucht wurden Deutschlands grünste Schulen. Einen kleinen Kräutergarten hatte die Schule schon, aber um Obst und Gemüse anzupflanzen, ist auf dem Gelände kein Platz. Ein „außerschulischer Lernort“ sollte her. Was die Vorpächterin hinterlassen hatte, war ein Blütenmeer, erinnert sich Willbrand-Regis an das Frühjahr, als die Schule den Garten übernahm.

Nun bauten Schüler von zwei vierten Klassen und Lehrer, dazu Vertreter der „Ackerhelden“, einem biozertifiziertes Urban-Gardening-Unternehmen aus Essen, in „ihrem“ Kleingarten „An den Römersteinen“ die Hochbeete auf. Ein paar Minuten sind es zu laufen von der Grundschule bis zum Schrebergarten, der jetzt als Schulgarten fungiert. Schulleiter Volker Kriese: „Wir mussten schnell handeln und haben eine Gieß-AG für die Sommerferien gegründet.“ Künftig soll hier Gemüse zur eigenen Verwertung gedeihen. Die zahlreichen Obstbäume und Obststräucher versprechen reiche Ernte. Apfelmus haben die Kinder schon gekocht.

Nun ging es ans Befüllender beiden Hochbeete im Garten: Einer steht auf dem Schulhof, dicke Säcke voller Erde und zahllose Pflänzchen hatten die  Ackerhelden mitgebracht. Sie bauen mit den Kindern Bio-Gemüsehochbeete, bepflanzen sie und bringen den kleinen Gärtnern alles bei, was sie wissen müssen, um ihr eigenes knackfrisches Gemüse zu ernten. Diese lernen, was biologische Vielfalt bedeutet und warum sie so wichtig ist. Sie kommen in Berührung mit ökologischer Landwirtschaft und erfahren, wie gesunde Lebensmittel entstehen. So erhalten sie das grundlegende Rüstzeug, um später sozial, ökologisch und gesundheitlich nachhaltige, sprich gute Konsumentscheidungen treffen zu können. Was die Pacht und die benötigten Geräte betrifft, hat sich der Förderverein ins Zeug gelegt. Obstpresse und Obstschredder sollen noch folgen.

„Wir wollen diesen Garten als Lernort möglichst für alle Fächer nutzen“, sagt Kriese. Im Sachunterricht, aber etwa auch im Kunst-, Deutsch- oder Matheunterricht soll die Beschäftigung mit dem Gärtnern unter allen möglichen Aspekten handlungsorientiert wirken.

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Helene Braun
Seit 2003 bin ich für die Lokale Zeitung journalistisch tätig. Von 2014 bis Ende 2018 war ich Redaktionsleiterin für die Mainzer Stadtteile und die Verbandsgemeinde Bodenheim. Meine heutigen Schwerpunkte liegen auf allem, was im und vor Ort geschieht und für die Leser interessant ist. Dies sind Berichte, Reportagen und Fotos aus Lokalpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Vereinen, zu besonderen Events und kuriosen Begebenheiten.