Auf die abgesagte Kerb angestoßen Natürlich mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand von anderthalb Metern zwischen Personen aus verschiedenen Haushalten Foto: privat_ Michael Paschke



STADECKEN-ELSHEIM – So ganz ohne ging es nicht. Als Ersatz für die Stadecker Kerb, die 2020 aus Gründen der Pandemie ausfallen musste, importierte der Ortsbürgermeister von Stadecken-Elsheim, Thomas Barth, eine Idee. Um Gelder für die Reparatur des Kirchendachs zu bekommen, hatte eine Fundraising-Initiative in Dexheim den Dämmerschoppen ersonnen: Einmal im Monat startet ein Traktor den Motor. Der Anhänger ist mit Wein bestückt. Auf der Fahrt durch den Ort wird Wein für den guten Zweck ausgeschenkt.
„Ich dachte mir, lasst uns doch solchen Kerbedämmerschoppen auch in Stadecken machen.“ Gesagt, getan.

Am Kerbesamstag startete am Burghof ein Trecker, der mit einem Fass Grauer Burgunder trocken vom Posthof Doll und Göth bestückt war. Vorneweg marschierte Barth, der mit einer Glocke in der Hand lautstark die Ankunft des Kerbewagens in den Straßen und Gassen von Stadecken-Elsheim ankündigte. Der erste Halt: der Kirchplatz. „Die Stelle also, an der unter anderen Umständen am Kerbesamstag ab 17 Uhr die Kerberöffnung gewesen wäre“, sagte Barth.

Corona-Restriktionen machen erfinderisch. Nach dem virtuellen Kerbeschoppen anlässlich der Elsheimer Kerb im Mai, bewiesen die Bürger mit der mobilen Variante des Kirchweihfestes erneut Fantasie. Das vorab im Ort angekündigte Event kam gut an: Bis hin zu – einzelnen – geschmückten Fenstern und Hausfassaden. Die Bürger, die am Straßenrand warteten, genossen bei kurzer Plauderei den edlen Tropfen. An einigen Punkten sei die Kerb sogar über die Haltezeit hinweg noch weiter bis in den Abend hinein gefeiert, so Barth. „Soweit ich mitbekommen habe unter Einhaltung der coronabedingten Abstands- und Hygieneregelung.“

Der Kerbe-Reisegesellschaft ging es auf der mehrstündigen Fahrt nicht schlecht. Nicht zuletzt, weil sie ihrerseits zwischendrin vom Urgestein des Elsheimer Carneval Vereins, Klaus Dietrich, mit Verpflegung versorgt wurde. „Eine sehr schöne Geste, die wir dankbar angenommen haben“, sagte der Ortsbürgermeister, der erinnerte, dass Dietrich der Ideengeber für das virtuelle Vorgängerevent im Mai gewesen sei. Die Fahrt, die sich bis in den Abend hineinzog, verlief ohne Zwischenfälle, sodass der Abschluss an der illuminierten Peterskirche einen stillen, aber wohl inszenierten Schlussakzent hinter die Feier ohne Feier setzte.

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Gregor Starosczyk-Gerlach
Ich schreibe und fotografiere seit 2013 für die Lokale Zeitung. Die Begeisterung für die Lokalmedien entdeckte ich während des Studiums der katholischen Theologie und habe seit 2007 für Lokalzeitungen, öffentliche Einrichtungen und Online-Medien gearbeitet. Mich fasziniert der wunderbare Alltag. Unterwegs bin ich für Themen in Ingelheim, VG Heidesheim, Budenheim, Rheinhessen, in Mombach, Ebersheim, Hechtsheim.