Die Georgskapelle steht im Mittelpunkt archäologischer Arbeiten. Foto: Stadt Ingelheim

HEIDESHEIM – Im Juli haben Archäologen mit Untersuchungen im Umfeld der St.-Georgskapelle begonnen. Bei der kleinen Kirche handelt es sich um ein bedeutendes Baudenkmal aus römischer und frühmittelalterlicher Zeit: In ihrem Mauerwerk haben sich teils meterhoch originale Reste eines römischen Gutshofes, einer so genannten Villa rustica, erhalten. 

„Wir hoffen, durch diese Untersuchungen auch neue Erkenntnisse über die Zeit des Übergangs von den Römern zu den Merowingern zu gewinnen“, so Kulturdezernentin und Bürgermeisterin Eveline Breyer. „Gleichzeitig werden wir unserer denkmalpflegerischen Verantwortung für den neuen Ortsbezirk Heidesheim gerecht, der seit Juli 2019 Teil des Archäologischen Katasters von Ingelheim ist.“

Durchgeführt werden die Untersuchungen von Dr. Peter Haupt und Studierenden vom Institut für Altertumswissenschaften der Universität Mainz. Mit verschiedenen geophysikalischen Methoden wie Georadar, Geoelektrik und Geomagnetik machen die Forschern verborgene Spuren im Untergrund sichtbar, ohne in den Boden selbst eingreifen zu müssen. Ziel des Projektes ist es, einen besseren Eindruck vom einstigen Aussehen des römischen Gutshofes sowie der frühmittelalterlichen Besiedlung in dessen Bereich zu erlangen.

Frühere Funde von dem Gelände bei der Kapelle und dem römischen Gräberfeld, das beim Bau der Autobahn A60 in den 1960er Jahren angeschnitten wurde, belegen die Nutzung der Villa rustica vom 1. bis zum frühen 5. Jahrhundert. Nach der römischen Epoche scheint der Platz weiter genutzt worden zu sein. Seit wann der römische Gutshof als Kapelle diente, ist unklar. 

Der früheste Beleg für einen Ort namens „Heisinisheim“ datiert in das Jahr 764. Im Spätmittelalter verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt von Heidesheim nach Süden. Anders als in vielen anderen rheinhessischen Orten, die im frühen Mittelalter von fränkischen Siedlern gegründet wurden, blieb das Umfeld der Kapelle in der Neuzeit also unbebaut und weitgehend ungestört. 

Im Boden könnten demnach wertvolle Hinweise über die Weiternutzung römischer Architektur durch die Merowinger verborgen liegen. Zum Jahresende sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein, dann ist auch mit ersten Ergebnissen zu rechnen.

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